Faisal Kawusi bedrohte eine Instagram-Userin.
Faisal Kawusi bedrohte eine Instagram-Userin.Bild: www.imago-images.de / Horst Galuschka

"Stern TV": Heftige Kritik nach Faisal-Kawusi-Auftritt – "Typ ist sowas von übel"

01.05.2022, 14:09

Comedian Faisal Kawusi hat in der vergangenen Woche für Wirbel gesorgt, als er gegenüber der Musikerin Silvi Carlsson auf Instagram eine Todesdrohung aussprach. Am Mittwochabend trat der 30-Jährige in der RTL-Sendung "Stern TV" auf und entschuldigte sich für diese Aussage. Seine Erklärungsversuche wurden von Betroffenen auf Twitter während und nach der Sendung jedoch scharf kritisiert.

"Werde die Dosis verstärken"

Was war passiert? Am Ostersonntag hatte Schauspielerin und Komikerin Joyce Ilg ein Foto gepostet, auf dem sie und Luke Mockridge zu sehen sind. In der Caption hatte sie "Hat hier irgendwer von euch Eier gefunden? Ich hab nur ein paar K.O.-Tropfen bekommen" geschrieben. Dieser Witz über eine Droge, die oft eingesetzt wird, um sexualisierte Gewalt auszuüben, wurde von vielen Seiten stark kritisiert. Die Musikerin Silvi Carlsson kommentierte: "Bin mal fast an K.O.-Tropfen gestorben. Nicht cool, Joyce."

Darauf antwortete Faisal Kawusi, der beim gleichen Management wie Joyce Ilg unter Vertrag steht, mit der Drohung: "Das nächste Mal werde ich die Dosis verstärken, versprochen."

bild: silvi carlsson

Kawusi rechtfertigt sich

Am Mittwochabend war Faisal Kawusi schließlich zu Gast bei "Stern TV" und entschuldigte sich für seine Aussage gegenüber Silvi Carlsson: "Ich glaube, da sind wir uns auch alle einig, dass dieser Kommentar daneben war. Ich möchte mich dafür aus tiefster Seele entschuldigen."

Gleichzeitig versuchte der 30-Jährige, seine Drohung zu rechtfertigen: "Offensichtlich habe ich euch getriggert. Das ist richtig, dazu stehe ich auch. Aber vorher gab es Situationen, die mich getriggert haben." Er erklärt seinen Ausraster mit eigenen Problemen: Drei Jahre lang soll er gemobbt und in der Schule verprügelt worden sein.

Comedy-Kollegin Joyce Ilg habe er durch seinen Kommentar nur "schützen" wollen, da sie von so vielen Seiten kritisiert wurde, wie Kawusi erklärt:

"Wenn ich sehe, dass jemand unter Beschuss gerät, dann kommt eine Art Beschützerinstinkt aus mir raus, der dann diese Person schützen muss"
Kawusi bei "Stern TV"

Auf Twitter wird Kawusi von vielen Zuschauern für seinen "Whataboutism" kritisiert, durch den er versuche, seine eigenen Traumata gegen die von Opfern sexualisierter Gewalt aufzuwiegen.

Eine weitere Twitter-Nutzerin stellt klar, dass Kawusi nicht das Opfer in der Situation sei und mit seinen Erklärungen versuche, keine Verantwortung für sein Handeln übernehmen zu müssen.

Entschuldigung bei Motsi Mabuse

Kawusi entschuldigte sich zudem bei "Let's Dance"-Jurorin Motsi Mabuse, die er 2017 bei der "1Live Köln Comedy-Nacht XXL" rassistisch beleidigt hatte. Er richtete direkte Worte an die 41-Jährige: "Du hast mich kennengelernt. Du hast gesehen, dass ich kein Arschloch bin und in dem Moment ist mir das passiert. Und das tut mir nach wie vor von Herzen leid."

Motsi selbst ging mit einem Tweet auf die Ansprache ein, zeigte sich jedoch nicht begeistert, dass sie im Zuge der Debatte um K.O.-Tropfen-Witze zum Thema wurde. Bei Twitter schrieb sie: "Ich bin gerade von Gefühlen überwältigt. In diesem Talk ging es sicher nicht um mich und will es auch nicht auf mich drehen. Ich bin wirklich extrem enttäuscht. Diese ganze Situation ist in viele Richtungen enttäuschend."

Silvi Carlsson war nicht anwesend

Ebenfalls zu Gast an diesem Abend war die Sängerin Edith Stehfest, die als Überlebende von sexualisierter Gewalt im Zusammenhang mit K.O.-Tropfen ihre Perspektive schilderte. Vielen Zuschauern fiel jedoch negativ auf, dass Silvi Carlsson nicht in der Sendung zu Wort kam. "Stern TV"-Moderator Steffen Hallaschka thematisierte dies selbst am Ende der Sendung und erklärte, dass Carlsson angefragt wurde, aber nicht gemeinsam mit Faisal Kawusi auftreten wolle.

Bei Instagram schilderte die 30-Jährige ihre Sicht. Ursprünglich habe sie als Betroffene sprechen wollen, doch eine Live-Aussprache mit Faisal Kawusi lehnte sie ab. Auch ein Interview lehnte sie ab, als sie erfuhr, dass Faisal Kawusi in jedem Fall in der Sendung zu Gast sein würde.

"Ich möchte keine Zielscheibe für eine Bühne sein, die man vor allem für ihn aufgebaut hat. Offenbar hat sich die Redaktion dafür entschieden, im Zweifel lieber seine als meine Sicht zu hören", schrieb Carlsson bei Instagram.

bild: Silvi carlsson

Viel Kritik bei Twitter

Viele Zuschauer stimmen Carlssons Kritik zu und glauben, dass die Einladung von Faisal Kawusi eine bewusste Entscheidung gewesen sei, mit der man in Kauf genommen habe, nur seine Perspektive zu hören. Man habe lieber der Täter- als der Opferseite eine Bühne gegeben.

Twitter User David Stier bezeichnet diese Struktur, eher Täter als Opfer zu Wort kommen zu lassen, als "Rape Culture".

(si)

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