Die Quizmaster schlugen sich wacker, viel mehr aber auch nicht, von links: Johannes B. Kerner, Günther Jauch und Guido Cantz.
Die Quizmaster schlugen sich wacker, viel mehr aber auch nicht, von links: Johannes B. Kerner, Günther Jauch und Guido Cantz.Bild: RTL/Markus Nass

Günther Jauch will Kandidat bei RTL-Quiz überlisten – und verzockt sich

Schwindelnde Höhen und (Un)tiefen lassen trotz verarmter, exzentrischer Millionärin auch in der zweiten Ausgabe von "Gipfel der Quizgiganten" auf sich warten: Palina Rojinski wäre so gerne viel charmanter – und Günther Jauch, Johannes B. Kerner und Guido Cantz sind eben so, wie sie sind...
18.01.2022, 06:22
Christina Raftery

Spätestens in der zweiten Stunde stellte sich eine gewisse Schwerfälligkeit ein. Da haben sich vermeintliche Super-Schlaumeier und eine Quizshow-Millionärinnen als Menschen mit mehr oder weniger solider Allgemeinbildung herausgestellt, wurden relativ unspritzig formulierte Fragen ("Im hinteren Drittel des griechischen Alphabets folgt auf den Buchstaben Pi das Rho, auf Rho Sigma und auf Sigma...?") stoisch beantwortet und zeigten sich die "Giganten" früherer Ratesendungen meist auf Augenhöhe mit dem Showmaster-Triumvirat.

Und dabei sollten die jahrzehntelang bewährten Abfrager Günther Jauch, Johannes B. Kerner und Guido Cantz gemeinsam mit der gewollten Crème de la Crème des TV-Wissens das neue RTL-Format "Gipfel der Quizgiganten" doch auf eine neue Ebene heben, symbolisiert durch das leicht metallisch glänzende Podest, das die Einzelkandidaten bei jeder gewonnenen Frage ein Stückchen mehr Richtung Studiodecke beförderte.

Ein "Showspektakel der Superlative" war angekündigt, ein "absolutes Novum im deutschen Fernsehen". Nun ja: Die meisten Fragen in "Wer wird Millionär?" haben mehr Wortwitz und ihre Antworten mehr Aha-Effekt. Dazu erinnern sich die geringfügig Älteren unter uns, schon als Kind bei "Dalli Dalli" spektakulärere Spieleinlagen gesehen zu haben.

"Könnt ihr das Testosteron hier riechen?"

Auch in der zweiten (und vorerst letzten) Folge ist Neu-Moderatorin Palina Rojinski im Einerlei der nachtblauen Quizmaster-Sakkos beileibe nicht der einzige Hingucker ("Ich bin hier die Einzige ohne graue Haare"), sondern auch gelegentlicher Improvisations-Lichtblick. "Zufallsgenerator, bitte melde dich!", scheint sie die Fragetafeln manchmal anzuflehen. Wenn sie sich doch noch mehr vom Skript ("Wie nennt man einen studierten Bauer? Ackerdemiker") entfernen und sich mehr direkt ans Publikum wenden dürfte wie mit der Sinneswahrnehmung: "Könnt ihr das Testosteron hier riechen?"

Farbtupfer im nachtblauen Quiz: Palina Rojinski führte zum zweiten und vorerst letzten Mal durch die RTL-Show "Gipfel der Quizgiganten".
Farbtupfer im nachtblauen Quiz: Palina Rojinski führte zum zweiten und vorerst letzten Mal durch die RTL-Show "Gipfel der Quizgiganten".Bild: RTL/Markus Nass

Damit meinte sie nicht (nur) den ersten Kandidaten Ivan Buljan (45) aus dem kroatischen Split, der dort – "auf Englisch!", wie mehrfach betont wurde – Medizin studiert und in Johannes B. Kerners "ZDF-Quiz-Champion" 250.000 Euro gewann. An männlicher Ausstrahlung und Selbstbewusstsein mangelt es dem Muskelpaket durchaus nicht. "Wie ein Boxchampion auf dem Weg in den Ring", staunt Rojinski über den Einzug des gebürtigen Freiburgers, der versehentlich direkt die Sitzgelegenheit der Finalisten ansteuerte.

"Erster schwerer Fehler", richtet Günther Jauch an den nach eigenen Angaben bereits durch 40 Länder der Welt gereisten Buljan, den ein "Blinddarmdurchbruch in Kolumbien" zum späten Medizinstudium motiviert habe. "Der eröffnet demnächst eine Arztpraxis auf der ISS", staunt Guido Cantz wiederum über das geballte Wissen des wenig später auch offiziell ins Finale Eingezogenen, ebenso Palina Rojinski: "So viel Speicherplatz da oben!"

Bei einer Frage ("Wird einem Urlauber in Großbritannien 'Five Countries' serviert, darf er sich freuen über einen...?") greift Jauch tief in die Trickkiste: Während die drei Star-Moderatoren beraten, befürchtet Cantz im Hinblick auf den Kandidat: "Er liest Lippen, ich sehe schon, wir müssen vorsichtig sein." Daraufhin meint das "Wer wird Millionär?"-Urgestein: "Ich ruf jetzt ganz laut A, wir drücken aber C" – zur Verwunderung seiner Mitstreiter, aber auch Palina Rojinski. Der Plan geht jedoch nicht auf, denn am Ende ist Antwort B ("Schichtkäse aus fünf Sorten") richtig, die Buljan korrekt einloggen ließ.

"Millionenshow"-Gewinnerin hat ihr Vermögen verzockt

Dafür würde Johannes B. Kerner auch gerne mal gelobt werden, oder auch für seine Weltläufigkeit ("Wusstet ihr, dass während eines Cricketspiels Tee gereicht wird? Ich war da mal eingeladen!"). Doch in dieser Show ist mindestens eine Kandidatin schillernder: Elfriede Awadalla (65) ist Schriftstellerin, veröffentlichte im Eigenverlag Dialektgedichte auf Bierdeckeln (Guido Cantz: "Wollte sie lesen, aber verstand gar nix"), studierte in den Palästinensischen Autonomiegebieten Afrikanistik, Arabistik sowie Islamkunde und kandidierte für den Gemeinderat ihrer Heimatstadt Wien.

Ping Pong der Generationen: Tischtennis-Jugendmeisterin Mia Griesel (15) lie0 den Showmastern keine Chance.
Ping Pong der Generationen: Tischtennis-Jugendmeisterin Mia Griesel (15) lie0 den Showmastern keine Chance.Bild: RTL/Markus Nass

Seit ihrer Teilnahme in der österreichischen "Millionenshow" war sie um eine Million Euro reicher. Davon ist laut Presseberichten nicht mehr viel übrig, da sich die exzentrische Autorin bei diversen Häuser- und Verlagskäufen verzockte. Beim "Gipfel der Quizgiganten" wirkt sie stoisch, jedoch auch hier ohne Erfolg: Hier hatten die "altehrwürdigen Meister" (Rojinski) die Nase vorn.

Der Jackpot ist schmaler als in Folge 1

Nachdem auch die Biologin Andrea Herrmann aus Hannover, die laut Einspieler bis dato "4.974 Bücher" gelesen hat, trotz dieses geballten Wissens unterliegt, erhält Ivan Buljan für das Finale Verstärkung aus der Schweiz: Marcel Zumstein (47) gewann in der Sendung "Ich weiß alles!" 100.000 Euro und im schweizerischen Fernsehen bei "Besser als die Quizlegenden" 100.000 Schweizer Franken. Der etwas spröde Berner Computerspezialist, der "12.000 Münzen und 1.000 Landkarten" sein Eigen nennen kann, schreibt in seiner Freizeit gerne Wikipedia-Einträge und setzt dies auch beim "Gipfel der Quizgiganten" beeindruckend um.

Am Schluss geht es um einen Jackpot von 66.500 Euro – fast 20.000 Euro weniger als in der ersten Folge, aber immerhin für die "Giganten". Deren Größe macht die zumindest Berühmteren ganz bescheiden: "Wir haben uns nur bedingt zum Horst gemacht", hofft Johannes B. Kerner, flankiert von Günther Jauch: "Manchmal gelingt es einem ja auch, trotz falscher Antwort mit zum Teil richtigen Gedankengängen zumindest halbwegs zu glänzen."

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