Karl Lauterbach ist seit 2005 Abgeordneter im Deutschen Bundestag.
Karl Lauterbach ist seit 2005 Abgeordneter im Deutschen Bundestag. Bild: screenshot zdf

"Maybrit Illner": Lauterbach bremst Hoffnung auf "Freedom Day"

15.10.2021, 07:28

Der sogenannte "Freedom Day", für den es im Deutschen noch keine passende Übersetzung gibt, ist nun auch hierzulande zu einem vieldiskutierten Begriff geworden. Die einen können den Tag kaum erwarten, die anderen warnen vor zu schnellen Lockerungen.

Ist es bereits Zeit, alle Corona-Regeln fallen zu lassen und die zurückgewonnene Freiheit nach der Pandemie zu feiern? Diese Frage diskutierte am Donnerstagabend Maybrit Illner mit ihren Gästen.

Während Schauspieler Jan Josef Liefers dem "Freedom Day" optimistisch entgegenfiebert, bremste SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach diese Hoffnung. Geht es nach Lauterbach, bleiben uns 2- und 3-G-Regeln ebenso wie die Maskenpflicht noch länger erhalten.

Das waren die Gäste bei "Maybrit Illner" am 14. Oktober 2021:

  • Karl Lauterbach (SPD), Gesundheitspolitiker
  • Jan Josef Liefers, Schauspieler
  • Ute Teichert, Vorsitzende Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD)
  • Klaus Stöhr, Virologe/Epidemiologe
  • Thomas Walde, Leiter des ZDF-Studios Südwesteuropa
Jan Josef Liefers ist als Schauspieler, Regisseur, Produzent und Musiker tätig.
Jan Josef Liefers ist als Schauspieler, Regisseur, Produzent und Musiker tätig. screenshot zdf

Jan Josef Liefers, der während der Corona-Pandemie gemeinsam mit anderen Schauspielerinnen und Schauspielern wegen einer Satire-Aktion unter dem Hashtag #allesdichtmachen stark in die Kritik geraten war, freute sich offen über die Meldung, die Impfquote in Deutschland sei höher als gedacht.

Der Schauspieler machte deutlich, dass er einen "Freedom Day" kaum noch erwarten kann.

Ute Teichert, Vorsitzende Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), hielt dagegen eine Diskussion über die Abschaffung aller Corona-Maßnahmen für unangemessen.

"Die Diskussion über einen ‚Freedom Day‘ stellt sich für mich nicht, weil ich möchte, dass die Leute nicht erkranken", erklärte Teichert.

Jan Josef Liefers forderte dennoch: "Wir brauchen irgendeine Art von Aussicht und Exit-Strategie!"

Klaus Stöhr hält Corona-Maßnahmen für unverhältnismäßig

Klaus Stöhr war 15 Jahre bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) tätig.
Klaus Stöhr war 15 Jahre bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) tätig. screenshot zdf

Gast Klaus Stöhr zeigte sich als Befürworter einer gemäßigten Rückkehr zur sogenannten Normalität. Der Virologe und Epidemiologe schwärmte vom multi-disziplinären Krisenmanagement, wie es in großen Unternehmen zu finden sei. Die Regierung hingegen kritisierte er für ihr Handeln.

Karl Lauterbach fordert Impfquote über 90 Prozent

Stöhr beklagte den politischen Umgang im Übergang zur "wirklichen Normalität", wie er es nannte. Er war sich sicher. "Die Verhältnismäßigkeit ist in vielen Fällen schon verloren gegangen."

So könne man beispielsweise Kinder nicht als Grund heranziehen, um die Corona-Maßnahmen weiter zu rechtfertigen. Schließlich gäbe es fast 200 Atemwegserkrankungen, bei denen wir hinnehmen würden, dass Kinder sich über eine Ansteckung natürlich immunisieren.

Karl Lauterbach protestierte bald gegen diese Aussage. "Covid ist keine normale Atemwegserkrankung – es ist eine Gefäßerkrankung", stellte der SPD-Gesundheitsexperte klar. Dies habe einen Einfluss auf die Heilung und auf mögliche Langzeitschäden bei Kindern. Lauterbachs Haltung war in puncto Kinder klar: "Sie sollen in die Schulen, aber wir können sie nicht auf den letzten Metern durchseuchen."

Noch sechs Prozentpunkte von dem von Lauterbach genannten Ziel

Um Lockerungen rechtfertigen zu können sei es besonders wichtig, dass bei Menschen über 65 Jahren eine Impfquote von mindestens 90 Prozent erreicht werde. Diese liege derzeit bei 84 Prozent.

Können wir die letzten Schritte hinzu mehr Freiheit wagen in der Pandemie? Eine echte Antwort auf diese Frage hat der Donnerstagabend bei "Maybrit Illner" nicht gebracht.

Stattdessen wurde deutlich, was viele Zuschauerinnen und Zuschauer wohl bereits am Anfang wussten: Die einen können den "Freedom Day" kaum erwarten, die anderen jedoch warnen davor.

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