Das Revival von "RTL Samstag Nacht" konnte durchweg überzeugen.
Das Revival von "RTL Samstag Nacht" konnte durchweg überzeugen.Bild: RTL / Willi Weber
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"RTL Samstag Nacht": Kultshow-Stars in Gedenken an Mirco Nontschew zu Tränen gerührt

31.10.2022, 17:36
Jürgen Winzer

Es hätte auch peinlich werden können. Wurde es aber nicht. Im Gegenteil. Nach "RTL Samstag Nacht – Das große Wiedersehen" kann man – als Fan des schrägen Humors, des skurrilen und subversiven Kalauers, des gerne auch mal scheinbar sinnfrei überkandidelten Geblödels; also als Fan der legendären ersten großen Comedy-Serie im deutschen TV (1993-1998) – nur hoffen, dass sich Showrunner Hugo Egon Balder nicht an sein Schlusswort halten möge.

Balder, damals gemeinsam mit Jacky Dreksler Produzent der Comedy-Serie, reimte zum Abschluss der Wiedersehensfeier: "Es ist fast 30 Jahre her da gab's 'RTL Samstag Nacht'. Heute war'n wir wieder hier, keiner hätt's gedacht. Wir sind schon etwas klapprig, es schmerzen alle Glieder. Aber, scheißegal, in 30 Jahren, da seh'n wir uns hier wieder."

Hoffentlich klappt's schneller. Vielleicht ja sogar mit einem seriellen Wiedersehen? Das Potenzial ist vorhanden.

"Wir holen auch den Bohlen zurück, jetzt ist ja alles egal"

Balder machte damals "Tutti Frutti", die Show mit den barbusigen Früchtchen (1990-1993). "Nebenbei" aber entdeckte er die Nonsens-Nachwuchskünstler:innen Esther Schweins, Tanja Schumann, Stefan Jürgens, Wigald Boning, Olli Dittrich und Mirco Nontschew und machte sie zu seiner Stammbesetzung für "RTL Samstag Nacht". Tommy Krappweis stieß 1995 zur Chaos-Comedy-Truppe, Mark Weigel war nach seinem Einstieg 1997 nur noch eine Staffel vergönnt, bevor die Show ihre Tore schloss.

Wiedersehenstreffen sind natürlich ein zweischneidiges Schwert. Das kennt man von eigenen Klassentreffen. Dass die derzeit schwappende Nostalgiewelle durchaus auch unnötige "untote Sendungen ums Gebein" spült, sprach Torsten Sträter schon im Eröffnungsgrußwort an. Aber, so Sträter, entweder habe "einer bei RTL gedacht, 'Wir holen ja auch den Bohlen zurück, jetzt ist alles egal'", oder aber derjenige habe eine brillante Idee gehabt.

Ein neuer Hit für "Die Doofen"?

Balder und seine Komiker:innen-Kernmannschaft haben alles getan, damit das keine rührselig-peinliche Rückschau auf eigene Höhepunkte wird. Gut so, denn indem die Crew neue Fortsetzungen für Klassiker-Sketche drehte, hauchte sie den schrägen Rubriken von damals neues Leben ein. Kult aktiv reloaded.

Es gab "Neues vom Spocht" (Olli Dittrich: "Bayern Hühnchen bleibt Tabellensittich"), und gemeinsam mit Wigald Boning stellte Dittrich den neuen Hit von "Die Doofen" vor. "Krokodile im Herbst" ("Wechselwarm, doch leider dumm") präsentierte das kongeniale Duo in Hochform. Trotzdem wird es wohl nicht zu Platz eins in den Charts reichen, wie es "Mief (Nimm mich jetzt auch wenn ich stinke)" 1995 vergönnt war.

Haben "Die Doofen" (Wigald Boning und Olli Dittrich) und "RTL Samstag Nacht" das Zeug zu einem neuen Hit?
Haben "Die Doofen" (Wigald Boning und Olli Dittrich) und "RTL Samstag Nacht" das Zeug zu einem neuen Hit?Bild: RTL / Willi Weber

Und natürlich gab es "Zwei Stühle, eine Meinung", worin Dittrich den gealterten (und gerade aus dem Knast entlassenen) Kiez-King Mike Hansen gab. Inklusive Hörgerät und neuem Hobby (Töpfern).

Darf ich Sie an die Bheke titten? Aber latünlich! In der nagelneuen Episode von "Kentucky schreit ficken" mit Jürgens und Schumann löste Ghekentast Dittrich an der Bheke das Scheißauspreiben und wusste, dass übernudelte Backen fachmännisch "Fenne al Porno" heißen. Es lebe die Wechstabenverbuchselei!

Für alle gab es ein "Leben nach RTL Samstag Nacht"

Dem Team gelang es, die richtige Balance zwischen dem kultigen Damals und dem Heute zu halten. Es gab Outtakes von damals zu bewundern, jede:r durfte kurz anreißen, wie das "Leben nach RTL Samstag Nacht" für sie/ihn aussah. Und siehe, so Balder: "Man konnte trotz 'RTL Samstag Nacht' noch was werden."

Comedy-Gäste von einst, die in der "RTL Samstag Nacht"-Bühne damals ein Sprungbrett fanden, kehrten zurück. Atze Schröder, bei dem aber die Gags genau so gewohnt wirkten wie seine Perücke, ein dankbarer Ingo Appelt ("Ohne 'RTL Samstag Nacht' hätte es den versauten Appelt nie gegeben") und – ein Highlight – Markus Maria Profitlich kehrten dankbar an die alte Wirkungsstätte zurück.

Profitlich, bei dem 2017 Parkinson festgestellt worden war, kalauerte gelöst gegen seine Krankheit an ("Wie heißt das Lieblingsinstrument der Parkinsonkranken? Natürlich die Zither!"). Die neue Generation der Comedy vertrat Tahnee ("Eine große Ehre für mich!"). Sie war ein Jahr alt, als "RTL Samstag Nacht" am 6. November 1993 Premiere hatte.

Berührend: Markus Maria Profitlich witzelte gegen seine Parkinson-Erkrankung an.
Berührend: Markus Maria Profitlich witzelte gegen seine Parkinson-Erkrankung an.Bild: RTL / Willi Weber

Mirco Nontschew ist tot – aber jetzt schon unsterblich

Damals dabei: Wigald Bonings Reportage über die Fortpflanzung von Regenschirmen. Diesmal berichtete er, wie es dem Babyschirm von einst ("Man nennt ihn Knirps") erging: Er ist zum stattlichen Sonnenschirm herangewachsen! Aber leider wird er im Biergarten misshandelt. Boning befreite ihn kurzerhand aus seinem Betonständergefängnis und schenkte ihm die Freiheit.

Nicht dabei, aber allgegenwärtig: Esther Schweins und Stefan Jürgens huldigtem ihrem verstorbenen Kollegen Mirco Nontschew.
Nicht dabei, aber allgegenwärtig: Esther Schweins und Stefan Jürgens huldigtem ihrem verstorbenen Kollegen Mirco Nontschew.Bild: RTL / Willi Weber

Ein anderer Bestandteil der ersten Stunde kann nicht zurückkehren. Mirco Nontschew (Balder: "VIelleicht der Talentierteste von allen") verstarb 2021, nur wenige Tage, nachdem in einem Meeting die Wiedersehensshow beschlossen wurde. Nontschew war nicht da, aber allgegenwärtig. So wurde am Ende nicht nur vor Freude gelacht, sondern auch aus Trauer geweint.

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