Felix Banaszak ist neu im Bundestag und neu bei Frank Plasberg in der Runde.
Felix Banaszak ist neu im Bundestag und neu bei Frank Plasberg in der Runde. bild: screenshot ard

"Hart aber fair": Plasberg führt Gast vor

05.10.2021, 15:58
Dirk Krampitz

Vor einer Woche wurde gewählt, derzeit sondieren die Parteien mögliche Koalitionen. Alles sieht nach einem Ampel-Bündnis aus, aber auch eine Jamaika-Koalition ist gerade noch so denkbar. Doch zuerst müssen sich Grüne und FDP einigen, die inhaltlich in vielen Punkten weit auseinander liegen. "Die Zukunft sondieren: Gelingt den Parteien ein Aufbruch?", fragt Frank Plasberg in "Hart aber fair" und bespricht das mit folgenden Gästen:

  • Gerhart Baum, FDP-Mitglied, ehemaliger Bundesinnenminister
  • Felix Banaszak, B‘90/Grüne, Landesvorsitzender Grüne NRW und Bundestagsabgeordneter
  • Sarna Röser, Unternehmerin; Bundesvorsitzende des Verbands "Die Jungen Unternehmer"
  • Robin Alexander, stellvertretender Chefredakteur von "Welt" und "Welt am Sonntag"
  • Ulrike Herrmann, Wirtschaftsredakteurin der "taz"
Robin Alexander wundert sich über die frische "Liebe" zwischen Grünen und FDP.
Robin Alexander wundert sich über die frische "Liebe" zwischen Grünen und FDP.bild: Screenshot ard

Dass die Ampel deutlich wahrscheinlicher als Jamaika sei, liege nicht nur am besseren Wahlergebnis der SPD und gar nicht an den bisherigen Gesprächen, glaubt Robin Alexander, stellvertretender Chefredakteur von "Welt" und "Welt am Sonntag". Der echte Grund in seinen Augen: "weil sich die CDU zerlegt hat". Dann ätzt er ein bisschen gegen die Harmonie, die offiziell zwischen Grünen und FDP herrscht.

"Welt"-Journalist stichelt gegen FDP/Grüne-Harmonie

"Das ist eine sehr frische Liebe, die da erblüht ist", meint er. Das Vierer-Selfie, das Annalena Baerbock, Robert Habeck, Christian Lindner und Volker Wissing zu Beginn der Sondierungsgespräche bei Instagram hochgeladen haben, sieht er als pures Marketing.

"Das wollen wir doch jetzt nicht glauben, dass die vier voneinander begeistert sind! Die wollten ein Signal geben geben: Wir können überhaupt miteinander reden." Und auch die Koalition mit der SPD sei seitens der Grünen nicht erste Wahl. Robert Habeck habe vor der Wahl mit Schwarz-Grün geplant.

Und wo er schonmal dabei ist, redet Alexander auch gegen das unerwartet gute Ergebnis der FPD bei Jungwählern an: Das liege auch an der Corona-Politik, wo die FDP gegen die Linie der GroKo aufbegehrt habe im Gegensatz zu den Grünen. Die Stimmen für die FDP von den jungen Wählern seien eine anti-grüne Wahl gewesen, auch in Abgrenzung von grünen Lehrern, vermutet er. Zudem hätten einige Wähler wohl befürchtet, dass die Grünen den dominanten Staat aus der Corona-Krise "für gute Dinge" wie die Bekämpfung der Klimakrise als Idee adaptieren könnten. Das habe "viele verschreckt".

Ex-Innenminister Gerhart Baum glaubt, dass es nicht leicht wird mit Grünen und FDP.
Ex-Innenminister Gerhart Baum glaubt, dass es nicht leicht wird mit Grünen und FDP.bild: screenshot ard

Der ehemalige FDP-Innenminister Gerhart Baum ist 89 Jahre alt und ein gefragter Talkshow-Gast, weil er als Elder Statesman offener spricht als aktive Politiker. Wenig überraschend hält er die gelb-grüne Teil-Koalition für "ein gutes Bündnis". Aber es gebe eben auch deutliche Unterschiede zwischen den beiden Parteien. "Im Zweifel für die Freiheit – das ist unser Leitmotiv", sagt er und wendet sich dann an den Grünen Felix Banaszak nebenan.

"Bei Ihnen ist eine große Neigung, mit den Regeln zu beginnen." Er gibt auch zu, dass es Brücken gebe, die man ja bauen könne. "Aber es wird ein schwieriges Geschäft", sagt er über die bevorstehenden Verhandlungen. "Jetzt muss es ins Detail gehen und dem Bürger muss auch gesagt werden, was auf ihn zukommt." Die anstehenden Belastungen hätten die Parteien während des Wahlkampfs verschwiegen.

Bekommt von Frank Plasberg eine schwierige Frage: Felix Banaszak.
Bekommt von Frank Plasberg eine schwierige Frage: Felix Banaszak.bild: screenshot ard

Grünen-Chef Robert Habeck hat die nötige Sorgfalt bei den Sondierungsgesprächen zwischen FDP und Grünen damit verglichen, eine Schraube richtig reinzudrehen. Wenn man sie einmal schräg einsetze, "wird sie nie mehr gerade".

Auf die Frage eines Journalisten, welche Mutter denn auf die Schraube gehöre (also: SPD oder CDU), antwortete er, dass er mehr an eine Spax-Schraube gedacht habe. "Das ist ein dickes Brett, da muss man eine Fixierung einbringen, Spax Schrauben brauchen keine Mutter."

In dieses Sprachbild hat Plasberg sich irgendwie verbissen. Und das nicht unbedingt im positiven Sinne. Er nennt Habeck ironisch "Metaphern-König" und fragt den Grünen-Bundestagsneuling Felix Banaszak, ob er denn wisse, was eine "Spax-Schraube" sei. Der versucht es locker wegzureden mit: "Ich renovier' gerade, also insofern..." Menschlich nur allzu verständlich, dass er denkt, so einfach davon zu kommen.

Plasberg lässt nicht locker

Aber Plasberg hakt nach. "Wofür steht Spax-Schraube?" Als Banaszak ratlos guckt und zugibt: "Jetzt erwischen sie mich auf einem ganz, ganz falschen Fuß…", besinnt sich Plasberg, dass sie sich in einer politischen Talkshow und nicht in der Baumarkt-Abschlussprüfung befinden und nimmt den Druck von seinem Gast. "Wer weiß es, in dieser Runde?" Niemand weiß es: "Spanplattenschraube mit Kreuzschlitz", erklärt Plasberg etwas oberlehrerhaft triumphierend.

Banaszak lässt sich von seinem kleinen Patzer aber im weiteren Lauf der Sendung nicht weiter irritieren. Er tritt selbstbewusst, aber nicht übertrieben auf. "Wir haben mit dem Wahlsonntag eine relativ fundamentale Verschiebung des Parteiensystems erlebt", analysiert er das Wahlergebnis. In den geplatzten Jamaika-Verhandlungen von 2017 fehlten "Vertrauen und gemeinsame Ideen". Das dürfe nun nicht mehr passieren und so präsentiert er sogleich "eine Idee für ein Morgen": Klimaschutz und wirtschaftliche Perspektiven oder soziale Gerechtigkeit sollte man nicht mehr als unvereinbar gegeneinander stellen. "Klimaschutz bedingt die Freiheit von morgen." Eine Koalition mit der CDU ist für ihn eher nicht denkbar.

"Das setzt einen Gesprächspartner voraus, der sortiert ist. Und das ist die CDU nicht."
Felix Banaszak
Unternehmerin Sarna Röser will "doppelte Nachhaltigkeit".
Unternehmerin Sarna Röser will "doppelte Nachhaltigkeit".bild: screenshot ard

Ganz so schlimm beurteilt Sarna Röser, Bundesvorsitzende des Verbands "Die Jungen Unternehmer", den Zustand der CDU nicht. Sie glaubt, dass es die CDU im Wahlkampf nicht geschafft habe, "ein Narrativ zu setzen" und deshalb abgestürzt sei. Ob sie für Friedrich Merz als neuen CDU-Vorsitzenden sei? "Er kennt sich mit Wirtschaft aus", sagt sie vieldeutig, lobt aber auch die Teilkoalition von Grünen und FDP und mahnt an, dass man auf "doppelte Nachhaltigkeit" achten müsse: Klimaschutz und eine Reformation des Sozialsystems.

Ulrike Herrmann hatte mit einem Kanzlerkandidaten Markus Söder gerechnet.
Ulrike Herrmann hatte mit einem Kanzlerkandidaten Markus Söder gerechnet.bild: screenshot ard

Union-Absturz wegen falschem Kandidat?

Ulrike Herrmann, Wirtschaftsredakteurin der Berliner Tageszeitung "taz" hätte gedacht, dass die CDU "so schlau" gewesen wäre, Söder als Kanzlerkandidat aufzustellen.

"Nur deshalb sitzen wir hier, weil die CDU den falschen Kanzlerkandidaten ausgewählt hat."
Ulrike Herrmann

Die Verhandlungen zwischen FDP und Grünen sieht sie nicht besonders kompliziert: Sie glaubt, dass die FDP "ganz viele Klimaschutzmilliarden in Richtung Wirtschaft lenken" werde, zum Beispiel über die Errichtung von Ladestationen für E-Autos. Nicht mit sich reden lassen werde die FDP aber beim Tempolimit. Die rote Linie von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz seien die 12 Euro Mindestlohn. Und das sei auch richtig so. Man könne das Verhandeln über den Mindestlohn schon allein deshalb nicht den Arbeitgebern und Gewerkschaften überlassen, wie es die FDP fordert, weil die 10 Millionen Niedriglöhner außerhalb des Tarifsystems arbeiten.

"Unser Tarifsystem ist schon zusammengebrochen – sonst hätten wir nicht die 10 Millionen Beschäftigten im Niedriglohnsektor."
Ulrike Herrmann

Facebook eigentlich down: Social-Media-Frage verwirrt die Zuschauer

Wie immer gibt es auch Zuschauerfragen und Meinungen über Social Media in der Sendung. Soweit nichts Besonderes eigentlich. Wenn die Sendung nicht während des mehrstündigen Downs von Facebook, Instagram und Whatsapp laufen würde. Denn zwischendurch zeigt die Bildschirmgrafik an, dass es sich um einen Facebook-Kommentar handelt, den Zuschauerredakteurin Brigitte Büscher da vorliest.

Möglicherweise bringt der Faktencheck am Dienstag gegen Mittag Aufklärung, ob es sich um eine Verwechslung der Quelle gehandelt hat, oder ob die Redaktion (und der Zuschauer) vielleicht doch zeitweilig Facebook-Zugriff hatten.

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