Hugo Egon Balder verlässt Sat.1.
Hugo Egon Balder verlässt Sat.1.
Bild: dpa / Willi Weber

"Ziemlich beratungsresistent" – Kultmoderator rechnet mit Sat.1 ab

27.06.2021, 09:52

Über viele Jahre war Hugo Egon Balder in zahlreichen Formaten bei Sat.1 zu sehen. Unter anderem steht er als Moderator bei "Genial daneben" vor der Kamera. Doch nun geht die Comedy-Sendung in die letzte Runde und auch für Balder scheint damit das Kapitel Sat.1 vorbei zu sein. Der Kultmoderator rechnet in einem Interview nun mit seinem langjährigen Arbeitgeber ab.

"Es gibt keine Zukunft. Nach dieser Staffel ist Schluss", kündigte er zunächst bestimmt im Gespräch mit dem "RND" an. Zwar habe sich Sat.1 noch nicht weiter bei ihm gemeldet, "aber ich selbst habe für mich beschlossen, dass ich das nicht mehr will", so der Entertainer. Auch Sat.1 bestätigte die Entscheidung des Moderators. Schon am 16. Juli läuft die letzte Folge "Genial daneben" mit ihm.

Hugo Egon Balder mit klaren Worten zu Sat.1-Fehlentscheidungen

Wirklich traurig scheint Balder nicht über seinen Abschied zu sein, eher frustriert über das, was hinter verschlossenen Türen beim Sender in den vergangenen Jahren abgelaufen zu sein scheint. Über die aktuelle Lage von Sat.1, die nach diversen Skandalen um Sendungen wie "Promis unter Palmen" oder "Plötzlich arm, plötzlich reich", nicht gerade rosig scheint, sagte er dem "RND":

"Mich macht das traurig und fassungslos. Ich bin Anfang der 2000er-Jahre mit 'Genial daneben' zu Sat.1 gekommen, da war die Situation noch eine ganz andere. Matthias Alberti war Unterhaltungschef und später Geschäftsführer, der hatte Mut und hat immer wieder neue Formate ausprobiert. Da ging es mit dem Sender aufwärts. Sat.1 saß noch in Berlin, es herrschte eine Riesenstimmung. Natürlich hat nicht alles funktioniert, was produziert wurde – aber viele Formate waren erfolgreich und die Quoten in den meisten Fällen richtig gut."

Von der beschriebenen Stimmung sei heute nichts mehr übrige. "All das kippte bereits 2009, als Matthias Alberti Sat.1 verließ. Seitdem wechselt ständig der Geschäftsführer, und der Laden wird permanent in die Grütze gefahren", so Hugo Egon Balder.

Viele Jahre war Balder bei Sat.1 zu sehen.
Viele Jahre war Balder bei Sat.1 zu sehen.
Bild: dpa / Henning Kaiser

Verantwortliche beim Sender wechseln ständig

Als Beispiel nennt er dabei seine eigene Sendung. Als nach längerer Pause "Genial daneben" 2017 wieder ins Programm geholt und wenig später zu einem täglichen Format ausgebaut wurde, habe er bereits gewarnt. Denn unter "Genial daneben – Das Quiz", wie die Sendung genannt wurde, würden sich die Zuschauer etwas ganz anderes vorstellen, befürchtete Balder. Doch die Verantwortlichen ignorierten seine Worte. "Letztendlich habe ich recht behalten – die Quoten gingen nach der ersten Sendung sofort in den Keller. Aber da kann man als Einzelner so viel warnen, wie man will, da hat man keine Chance", zeigte sich der Moderator resigniert.

Und "Genial daneben" sei nur ein Beispiel. "Es werden immer wieder Sendungen produziert, wo man zumindest das Gefühl hat, das könnte in die Hose gehen. Und es wird dann trotzdem gemacht. Und das größte Problem ist, dass diese Sendungen auch noch ein Schweinegeld kosten", erklärte Balder weiter.

Er sieht das Hauptproblem in den ständig wechselnden Verantwortlichen beim Sender. "Jeder Geschäftsführer will was anderes. Das ist an sich erst mal nichts Problematisches. Wenn ein neuer Intendant ins Theater kommt, hat der auch andere Vorstellungen als sein Vorgänger. Aber es müsste sich dann auch zum Besseren ändern, und nicht immer wieder zum Schlechteren", so der Entertainer.

Hugo Egon Balder will Karriereende im Theater verbringen

Im Falle von Hugo Egon Balder ist nun also Schluss mit Sat.1. Er hat offenbar einfach keine Lust mehr. "Sat.1 hat sich in den vergangenen Jahren als ziemlich beratungsresistent erwiesen. Als Moderator hat man dann nur zwei Möglichkeiten: Entweder man beißt in den sauren Apfel und macht es – oder man sagt: 'Ohne mich.' Und ich bin jetzt an dem Punkt angelangt, wo ich lieber sage: Das war’s. Abgesehen davon glaube ich aber auch, dass das Format mittlerweile überholt ist", stellte er klar.

Für den 71-Jährigen bedeutet der Abschied von Sat.1 auch gleichzeitig ein wenig das Ende seiner TV-Karriere. Er möchte sich nun verstärkt dem Theater widmen: "Ich habe Gott sei Dank das große Glück, dass ich seit zehn Jahren permanent Theater spiele. Und das habe ich mir auch so vorgestellt in meinem Alter. Theater spielen kann ich auch noch mit 85, wenn ich das so will."

(jei)

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