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Eva Benetatou zog mit ihrem Verlobten Chris in "Sommerhaus der Stars" ein. Bild: sreenshot tvnow

Nach Abgang von Georgina und Kubi – RTL sorgt mit neuem "Sommerhaus"-Paar für Zündstoff

MARIE VON DEN BENKEN

Bilder sagen mehr als tausend Worte, sagt man. Also: Stellt euch mal vor, das "Sommerhaus der Stars" wäre der FC Bayern München. Und Kubi mit seiner Georgina der FC Schalke 04. Damit wären die ersten beiden Folgen der romantischen Selbstdemontage-Tutorial-Show eigentlich ganz gut beschrieben. Quoten top, Skandale am Fließband und das erste Paar bereits für immer von der Promi-Landkarte ausgelöscht. Da ist die Vorfreude auf Folge drei natürlich größer, als der Drang bei Beatrix von Storch, die Sonne zu verklagen. Ganz Deutschland in "Sommerhaus"-Extase. Das letzte Mal, als derart abgehalfterte Stars und ihre Ehepartner für so viel Trubel gesorgt haben, hat O.J. Simpson in seinem Jeep die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf den Highways von Los Angeles getestet.

Selbst A-Prominenz, wie es sie im "Sommerhaus" nicht mehr gab, seit Willi Herren von Michael Wendler den Hintern seiner Freundin Laura angeboten bekam, ist in heller Aufregung und voll des Lobes: "Die neue Folge 'Sommerhaus' ist schlicht und ergreifend perfekt. Lustig, voller Intrigen, entlarvend, mit gekränkten Ex-Liebschaften, Manipulationen und der perfekten Schlusspointe." Das ist ein Original-Zitat von Thomas Schmitt. Schmitti, wie ihn seine Freunde (und ich) nennen, ist einer größeren Öffentlichkeit insbesondere durch den Podcast "Baywatch Berlin" mit Klaas Heufer-Umlauf und einem dritten Typen bekannt geworden, der immer Pullover trägt, obwohl es 35 Grad warm ist.

Hauptberuflich ist Schmitti "Sommerhaus der Stars"-Groupie und TV-Produzent. Mit Werken wie "Late Night Berlin" (Deutschlands zweitbeste Late Night nach "Late Night Alter") ist er darüber hinaus quasi indirekt wichtiger Zulieferer für das "Sommerhaus". Alle "Stars", die es nicht in den Montagabend bei ProSieben schaffen, sind ja potenzielle Kandidaten für das Auffangbecken-Selbsthilfeprogramm bei RTL. Das "R" in RTL steht übrigens für "Rehab".

V.l.: Annemarie Eilfeld, Tim Sandt, Michael Tomaschautzki und Andreas Robens

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

Die "Sommerhaus"-Bewohner waren nicht begeistert von ihren neuen Mitbewohnern. Bild: TVNOW

TV-Highlight des Jahres wächst empor

Wobei es andererseits natürlich unverständlich ist, dass Schmitti YouTuberin Lisha nie für "Late Night Berlin" rekrutiert hat. Treue Fans von "Baywatch Berlin" wissen um seine besondere Affinität zu Schlauchbooten. Wenn also selbst Protagonisten aus dem Lager von RTL-Erzfeind ProSieben jubilieren, wächst da definitiv ein TV-Highlight des Jahres empor. Trotzdem möchte der Kölner Spartensender für die erfolglose Wiederaufbereitung gescheiterter Ex-Promi-Existenzen nichts dem Zufall überlassen und greift direkt in Folge drei in die beliebte Reality-TV-Trickkiste: Überraschungs-Zuzug. Ein nicht sehr neuer, aber dafür oft effektiver Schachzug von Reality-TV-Redaktionen auf der ganzen Welt.

Sat.1 etwa hat dieses Konzept Anfang des Jahres bei "Big Brother" mit Menowin Fröhlich versucht. Das hat nur so halbgut geklappt, aber Menowin hatte vorher ja auch nie Sex mit einem der ursprünglichen Bewohner. Das ist bei RTL-Surprise-Neuling Eva Benetatou anders. Sie erfüllt gleich drei wichtige Kriterien für einen gelungenen Quoten-Push:

Gut, um die Promi-Dichte im Sommerhaus der Stars zu steigern, hätte es auch gereicht, die Mutter meines Fahrlehrers rein zu schicken, denn die hat immerhin mal an einer Hamburger Pommesbude H.P. Baxxter getroffen. Wie gerne Eva Pommes mag, ist unklar, aber sie hat eine Mission. Sie hat etwas gut zu machen. Bei "Promis unter Palmen" musste sie bereits in der zweiten Episode gehen. Und weil sie offensichtlich nach der langen Corona-Pause keine Lust mehr hat, Baumärkte und Autohäuser via Zoom zu eröffnen, steht sie plötzlich unverhofft am Bocholter Gartenzaun und platzt in die gerade erst durch den Kubi-Abgang behaglich gewordene Relevanz-WG wie einst Donald Trump in die Frauen-Umkleiden bei der "Miss World"-Wahl. Autohauseröffnung, oder wie wir Trash-TV-Junkies sagen: "Sommerhaus der Cars".

V.o.l.: Diana Herold, Michael Tomaschautzki, Georgina Fleur, Kubi Özdemir, Lisha, Lou, Jennifer Lange und Andrej Mangold.
V.u.l.: Caroline Robens, Andreas Robens, Denise Kappés, Henning Merten, Annemarie Eilfeld, Tim Sandt, Michaela Scherer und Martin Bolze.

Kubi und Georgina mussten bereits ausziehen. Bild: TVNOW / Stefan Gregorowius

Eva soll für dicke Luft beim Bachelor sorgen

Die Regeln beim "Sommerhaus" schreiben vor, dass man zwangsläufig mit seinem Partner einziehen muss. Aus diesem Grund hat Eva einen Mann namens Chris dabei, gegen dessen Bekanntheitsgrad selbst Ennesto Monté wie Brad Pitt wirkt. Selbstverständlich ist Chris aber nur Staffage, denn der eigentliche Auftrag von Eva ist: für dicke Luft beim "Bachelor"-Traumpaar Andrej und Jennifer sorgen. Und diese Saat geht auf. Der Neurosen-Busch steht schon Minuten nach ihrer Ankunft in voller Blüte. Eva hat aber auch leichtes Spiel, denn immerhin hatte sie beim "Bachelor" Sex mit Andrej, bevor Andrej beim "Bachelor" Sex mit Jennifer hatte. Das ist jetzt nicht ganz so spektakulär, als hätte sie beim "Bachelor" Sex mit Andrej, während Andrej beim "Bachelor" Sex mit Jennifer hatte, aber das "Sommerhaus" ist ja noch sieben Folgen lang und man weiß ja nie. What happens in Westmünsterland, stays in Westmünsterland.

Gleich zur Begrüßung schwärmt Eva von ihren mehrfachen Sexabenteuern mit Jennifers Andrej, während das "Bachelor"-Pärchen bereits Sekunden nach der frohen Zuzugs-Botschaft schnappatmig wird:

"Ich will die hier nicht sehen, nicht hören und nicht riechen."

Das allerdings wird schwierig auf dem knapp 100 Quadratmetern baufälligen 60er-Jahre Charme, den sie sich ab jetzt auch mit Andrejs damaligem Dream Date teilen müssen. Auch der (Andrej) ahnt Fürchterliches: "Ich glaube, sie will hier ein paar Spritzen setzen." Vorsichtshalber nehme ich mal an, er meint "Spitzen", denn intravenös verabreichte harte Drogen zur Primetime, das wäre selbst für RTL zu hart – und die haben Samstagabend sogar "Big Performance" gestartet.

Bachelor klebt an Ex-Dream-Date Eva

Um direkt Brisanz aus der Situation zu nehmen, klebt Andrej den Rest des Ankunfts-Tages der Neumitbewohner stundenlang an Eva, während Jennifer das Ganze mit Neufreundin Denise Kappés aus der Ferne (Stockbett) beobachtet. Die hat zum Glück wertvolle Verteidigungs-Taktiken parat: "Jetzt müsst ihr richtig viel rumschlabbern". Nicht der einzige Profi-Tipp von Verhaltenstherapeutin Kappés: "Ignoranz ist die größte Strafe". Falls es mit dem "Sommerhaus"-Sieg nicht klappt, könnte sie jederzeit das Dr. Sommer Team bei "Bravo" übernehmen.

V.l.: Annemarie Eilfeld, Tim Sandt, Michael Tomaschautzki und Andreas Robens

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

Denise Kappés stand Neu-Freundin Jennifer zur Seite. Bild: TVNOW

Zum Glück rettet RTL sich dann in die Game-Arena und spendiert den Paaren das alljährliche Staffel-Highlight "Du blöder Mixer". Dabei geht es überraschender Weise nicht um die schlechtesten Wortwitze der TV-Geschichte, sondern darum, die Paare intime Fragen übereinander richtig beantworten zu lassen. Gelingt ihnen das nicht, kippt der männliche Part seiner besseren Hälfte allerlei ekelhafte Mixturen über den Kopf, etwa Würstchen in Senfsauce oder Blaubeeren mit Blauschimmel. Wenn man so will, eine Mischung aus "Quizduell" und "Dschungelcamp", nur halt ohne Promis. Vergangenes Jahr lernte hier der Wendler viele Dinge über seine Beziehung zu Laura Müller, die er anscheinend noch gar nicht wusste – oder verdrängt hatte. Während Laura anschließend so roch wie ein vier Jahre lang in der Wüste Gobi vor sich hin verwesender Hackbraten.

Stars spielen "Du blöder Mixer"

Und auch dieses Jahr fabriziert "Du blöder Mixer" zuverlässig Kult-Potenzial. Lou erinnert sich nicht mehr so ganz exakt an das Sternzeichen seiner Lisha und tippt auf Steinbock. Ein knappes "Fick Dich, ich bin Krebs" später hängt der Haussegen schiefer als Menderes Bağcı singt. Steinbock oder Krebs, egal – Hauptsache Insekt. Lisha hat an diesem Fauxpas noch einige Zeit zu knabbern und bilanziert schließlich:

"Das 'Sommerhaus' ist ein H***nsohn".

"Sommerhaus"-Erzeuger RTL gefällt das nicht. Verständlich, denn die verschiedenen Ekel-Gebräue, die auf die Damen des Hauses niederprasseln, gehen in der internationalen Sterneküche nicht unbedingt als Amuse-Gueule durch. Erschwerend kommt hinzu, dass im "Sommerhaus der Stars" als Vorspeise eigentlich 20 Jägermeister zur Regel geworden sind.

"Bachelor"-Paar gewinnt Spiel

Am Ende kennen sich offenbar ausgerechnet Andrej und Jennifer am besten, beantworten die meisten Fragen korrekt und können sich saven. Saven ist übrigens Reality-TV-Deutsch und bedeutet so viel wie: Können nicht nominiert werden. Um die zwangsläufig irgendwann wieder anstehende Nominierung besonders dramatisch zu machen, gibt es am Folgetag noch ein weiteres Spiel. So richtig habe ich die Regeln von "Dünnbrettbohrer" nicht verstanden, aber immer noch besser als Martin Bolze und Michaela Scherer, die abgeschlagen letzte werden. Es geht um bohren und platzen, und damit sind keine Sexspielchen und auch keine Träume gemeint. Viel mehr weiß ich aber auch nicht.

V.l.: Annemarie Eilfeld, Tim Sandt, Michael Tomaschautzki und Andreas Robens

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

Beim Spiel "Du blöder Mixer" wurde es ekelhaft. Bild: TVNOW

Während sich die letzten Pärchen noch durch dünne Bretter und die Nerven der Zuschauer bohren, stehen Lisha und Lou bereits wieder im Garten des Hauses, blicken verträumt auf eine Horde Schafe und sinnieren über das Leben. Wie als Spiegelbild ihrer aktuellen Verfassung dürfen sie dabei einem sensationellen Naturschauspiel beiwohnen. Staunend beobachten sie, wie ein Schaf das andere beim Verrichten seiner Notdurft in Mitleidenschaft zieht. Oder wie Lisha es zoologisch korrekt beschreibt: "Oh mein Gott, er pisst ihm auf den Kopf". Sie vermutet Absicht. Lou ist sich da nicht sicher. Seine Theorie lautet: "Er war zur falschen Stelle am falschen Ort". Und dabei hat "der Schaf" sogar noch Glück. Er hätte ja auch vom Regen in den Regen kommen können.

Unehrliche Taktik von Eva?

Vom Regen in den Orkan geht es dann anschließend für Eva. Ihr Versuch, sich für einige uncharmante Äußerungen aus der Vergangenheit bei Jennifer zu entschuldigen, wird von großen Teilen der Gruppe als unehrliche Taktik für fernsehtaugliches Reumut-Greenwashing deklariert. Das kann ihr jetziger Verlobter Chris natürlich nicht so stehen lassen und wechselt auf der recht aussichtslosen Mission, Eva als Gutmensch zu inszenieren, in den Verteidiger-Modus: "Stell dir mal vor, du begehst eine Straftat und dann bereust du die 1.000 Mal und jedes Mal wirst du darauf differenziert." Schlimmer wäre jetzt eigentlich nur noch, wenn Sprachwissenschaftler Chris nicht zwischen verschiedenen Fremdwörtern reduzieren könnte.

Euphorischer wird es dann bei der Verkündung des Siegers von Spiel zwei. Eva und Chris gewinnen und fallen sich liebestrunken in die Arme. Ohne diesen Sieg und den damit verbundenen Schutz vor der Nominierung wären ihre Chancen auf den Verbleib im Haus eher mittemäßiger Natur gewesen. Die Hoffnung darauf, Eva schnell wieder loszuwerden, hat sich für Andrej und Jennifer somit zerschlagen. Die übrige Stunde der Episode verbringen die Paare dann in bester Philipp-Amthor-Manier mit Hinterzimmer-Absprachen hinsichtlich der anstehenden Nominierungen.

Jeder gegen jeden im "Sommerhaus"

Als RTL zum späten Sonntagabend dann die aktuellen Zwischenstände verkündet, liegen Diana und Michael als Exit-Kandidaten ganz vorne. Im Dämmerlicht der Bocholter Nacht ist anschließend von westfälischem Frieden nicht viel zu spüren. Die Situation eskaliert. Alle gegen Eva, insbesondere Lisha. Dann alle gegen Diana und zur Sicherheit auch noch mal alle gegen Annemarie. Nebenbei noch Diana und Michael gegen Annemaries Tim und ein eher unwürdiges Kräftemessen darum, wer denn öfter alkoholisch über die Stränge geschlagen hat. Ich musste mir die Szenen mehrfach anschauen und eine mehrfarbige Excel-Tabelle anfertigen, um überhaupt noch halbwegs den Überblick zu behalten, wer da jetzt genau wen alles beleidigt hat.

In dieser klaren 12 auf einer Fremdscham-Skala von 1 bis 10 hetzen am Ende irgendwie alle gegen alle, aber vor allem gegen Eva. In Anbetracht von Vokabeln wie "die Behinderte" oder "die Bazille" wird "Bachelor"-Beischläferin Benetatou (BBB) im Cancel Culture Windschatten der Echauffier-Elite klammheimlich zum Zuschauer-Liebling. Der an allen Enden auf seine Mitbewohner einredende Andrej etwa scheint die Dynamik der Sympathie-Zyklen einer Reality-Show noch immer nicht ganz verinnerlicht zu haben. Man muss nicht der Kandidat sein, der fortlaufend ausrastet oder andere beleidigt, um durch ständiges Intrigenspinnen beim Zuschauer durchzufallen.

Diese Weisheit habe ich mir in jahrelanger beruflicher Chronistinnen-Tätigkeit für Formate wie "Sommerhaus der Stars" angeeignet. Den Bachelor kann das allerdings insofern kaltlassen, als die Zuschauer mit der Entscheidung, wer gewinnen wird, nichts zu tun haben. Wenn man allerdings mal zart analysiert, mit welch vollkommen unverschleierter Inbrunst er versucht, alle vermeintlichen Verbündeten durch permanenten Frontalunterricht als Investigativ-Reporter in Sachen Eva hinter sich zu vereinigen, muss man wohl davon ausgehen, dass ihm das egal ist.

Aber wie auch immer: Für kommenden Mittwoch sind er und seine Jennifer von der Nominierung ausgeschlossen. Eva und Chris auch. Der "Bachelor"-Showdown wird also definitiv noch weitergehen. Und ich bleibe für Euch dran!

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