Johannes Hano erntet für seine Aussagen bei "Lanz" viel Gegenwind.
Johannes Hano erntet für seine Aussagen bei "Lanz" viel Gegenwind.Bild: zdf screenshot

"Lanz": ZDF-Reporter bringt die Nato als Kriegspartei ins Spiel – Zuschauer entsetzt

22.06.2022, 09:45
Daniel Guggeis

Der Krieg in der Ukraine geht bald in den vierten Monat und ist weiterhin ein sehr wichtiges Thema für die Sendung von Markus Lanz. Der Fokus der heutigen Ausgabe ist zunächst aber nicht der Krieg vor Ort, sondern die Problematik für Deutschland hinsichtlich der ausbleibenden russischen Gaslieferungen. So plant der Bund nach einem Bericht der Zeitung "Welt" die Ausrufung der Alarmstufe des nationalen Notfallplans Gas. Es stellt sich zu Beginn der Sendung die Frage, wer genau bei einem Engpass auf Gas verzichten muss.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil ist besorgt über die Versorgungslage. Er vertraut aber dem Wirtschaftsministerium bei seiner Arbeit und erläutert beispielsweise, was eine Ausweitung auf Stufe drei bedeuten würde: Der Staat würde dann "die Regie übernehmen" bei der Gasversorgung.

Das waren die Gäste bei "Markus Lanz" am 21. Juni 2022:

  • Stephan Weil: Seit 2013 Ministerpräsident (SPD) von Niedersachsen
  • Johannes Hano: ZDF-Reporter und langjähriger Korrespondent (seit 2014 in New York)
  • Robin Alexander: Stellvertretender Chefredakteur der "Welt" und Autor
  • Monika Schnitzer: Wirtschaftsweise seit 2020, Inhaberin des Lehrstuhls für Komparative Wirtschaftsforschung an der LMU München

Notfallplan: Welche Unternehmen müssen als Erstes auf Gas verzichten?

Die im Rat der Wirtschaftsweisen sitzende Monika Schnitzer stellt fest, dass wir "bisher Glück hatten, dass es noch Gas in den ersten drei Kriegsmonaten gab". Die Ausrufung der zweiten Warnstufe ist für die Wirtschaftswissenschaftlerin ein klarer Warnschuss an die Unternehmen, sich zu bewegen, gleiches gilt für private Haushalte. Es muss geregelt werden, welche Unternehmen einen geringeren Schaden haben durch Gasverzicht. Ministerpräsident Weil spricht dabei von Freizeitaktivitäten, die darunter leiden könnten.

"Welt"-Journalist und Lanz-Stammgast Robin Alexander stellt fest, dass natürlich alle Unternehmen dafür plädieren, ihre Branche ist am wichtigsten und darf nicht abgeschaltet werden. Er prophezeit harte politische Entscheidungen für beispielsweise das Wirtschaftsministerium. Markus Lanz wirft ein Zitat des Eon-Chefs Birnbaum ein: "Gas erst bei den Privaten abschalten, dann bei der Industrie." Ohne eine Änderung der Gesetzeslage ist das aber nicht zu machen, ist sich die Runde einig – und hält generell nicht viel von dem Vorschlag.

Robin Alexander prophezeit harte politische Entscheidungen.
Robin Alexander prophezeit harte politische Entscheidungen.Bild: zdf screenshot

Monika Schnitzer spricht vielmehr von freiwilligem Verzicht im Privaten, der kompensiert werden soll. Ein Beispiel dafür sei laut der Ökonomin Japan in der Öl-Krise in den Siebzigern, als landesweit die Menschen dazu angehalten wurden, nicht mehr den Aufzug für wenige Stockwerke zu nutzen, sondern stattdessen Treppen zu steigen. Stephan Weil bringt ein Energiebudget in die Diskussion mit ein.

Stephan Weil gerät in Bedrängnis, zeigt sich aber einsichtig

Talkshow-Master Markus Lanz gibt der Thematik noch einen neuen Drall, in dem er den niedersächsischen Ministerpräsidenten auf den größten Gasspeicher Deutschlands in Rehden, Niedersachsen, anspricht. Der Moderator ist nun im harten Fragemodus angekommen und will den Politiker zur Rede stellen. Lanz konfrontiert den SPD-Politiker mit Berichten über den Gasspeicher, der schon im Sommer 2021, weit vor dem Krieg, sich zu leeren begann.

Weil geriet bei "Lanz" in Bedrängnis.
Weil geriet bei "Lanz" in Bedrängnis.Bild: zdf screenshot

Weil sieht den Fehler ein, dass auf so etwas nicht entschieden reagiert wurde. Doch Lanz hakt in Kombination mit Sparringpartner Robin Alexander weiter nach und spricht den Verkauf des Speichers 2015 nach Russland an, immerhin ein Jahr nach der Krim-Annexion. Der "Welt"-Journalist spricht von Naivität bei der Liberalisierung des Gasmarkts und beim Eingehen der Geschäfte mit Gazprom. Durch den gemeinsamen Handel würde es keinen Krieg geben, dachte die Politik, aber das "Gegenteil sei passiert".

In schneller Abfolge wird der ehemalige Oberbürgermeister von Hannover mit weiteren Zitaten konfrontiert, die aus heutiger Sicht naiv gegenüber Russland wirken, laut Weil aber damals gesamtpolitisch in Deutschland keine Gegenstimmen bekommen haben, wie beispielsweise die Veräußerung von Gasspeicher an Russland. Er stellt aber klar, dass inzwischen der Grundsatz gelten muss, kritische Infrastruktur nicht mehr in andere Hände abzugeben.

Politik und Wirtschaft sind zu sehr in Abhängigkeiten geraten

Der SPD-Politiker wird vor allem von Robin Alexander noch kritisiert, da er zwischen SPD und Union bezüglich der Russland-Haltung differenziert. Die Sozialdemokraten wollten es nicht wahrhaben, während Angela Merkel sich für den "Welt"-Journalisten nie "Illusionen über Putin gemacht habe".

Monika Schnitzer wird nach längerer Zeit von Lanz wieder in die Diskussion eingebunden und spricht nicht nur von Fehlern in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft. Zudem ist Deutschland nicht nur von Russland, sondern auch von China abhängig. Den Glauben, mit dem gemeinsamen Handel ändere sich auch etwas in den Ländern, sieht die Wirtschaftsweise skeptisch.

Monika Schnitzer spricht von Fehlern in Politik und Wirtschaft.
Monika Schnitzer spricht von Fehlern in Politik und Wirtschaft.Bild: zdf screenshot

In der letzten halben Stunde der Sendung wird ZDF-Reporter Johannes Hano zugeschaltet, er ist an Corona erkrankt und kann der Runde deswegen nicht im Studio beiwohnen. Der Journalist war bis vor Kurzem noch in der Ukraine für eine Reportage unterwegs. Hano bestätigt nochmal Alexander und kritisiert Stephan Weil für das Beschönigen der damaligen Entscheidungen.

Hano: "Eine Niederlage ist für die ukrainische Bevölkerung nicht akzeptabel"

Zudem spricht der Reporter an, dass Deutschland die Ukrainer falsch einschätzt, denn die würden "nicht einen Quadratmeter an Russland abgeben". Eine Niederlage sei für die Bevölkerung nicht akzeptabel, denn das wäre gleichbedeutend mit der Auslöschung, so der Journalist. Er spricht an, dass ein Friedensschluss ohne Nato oder Amerika nicht mehr denkbar ist. Danach werden zwei kurze Ausschnitte aus der Reportage gezeigt, in denen ukrainische Bäuerinnen über die russischen Gräueltaten berichten.

Hano legt noch nach und spricht davon, dass Russland so sehr in die Knie gezwungen werden muss, dass kein Nachbarland mehr angegriffen werden kann. Die direkte Konfrontation der Nato mit Russland sieht der Rest der Runde sehr kritisch. Stephan Weil wehrt sich entschieden dagegen und hat kein Interesse daran, dass die Nato zur Kriegspartei wird, denn das würde weitere Eskalation bedeuten. Dem pflichtet auch Robin Alexander bei, spricht davon, nicht ins nächste Extrem zu fallen. Bei Twitter reagieren viele Zuschauer geradezu entsetzt auf den Gedanken, die Nato könne direkt in den Krieg eingreifen. "Spiel mit dem Höllenfeuer" ist hier etwa zu lesen.

Auch mit China droht uns ein Konflikt

Zum Ende der Sendung spricht Markus Lanz noch einen weiteren Konfliktherd für Europa an: China. Gegenüber China hat die deutsche Wirtschaft ein massives Abhängigkeitsverhältnis, Volkswagen verkauft fast die Hälfte seiner Autos an China und zudem sind wir laut der Wirtschaftsweisen Schnitzer bezüglich seltener Erden zu 90 Prozent auf China angewiesen. Beim Szenario China will Taiwan übernehmen stellen sich in Deutschland viele Fragen, deutet ZDF-Reporter Hano an und plädiert für ein generelles Umdenken in der Wirtschaftspolitik.

Insbesondere bei sicherheitspolitischen Themen ist es laut Schnitzer wichtig, zu handeln, dabei spricht die Ökonomin vor allem die Bedenken bezüglich Huawei an. Die Runde stellt zum Abschluss auch fest, dass Deutschland sich nicht ausruhen darf, sondern die Unternehmen selbst aktiv und vor allem innovativ sein müssen, damit wir aus den Abhängigkeiten insbesondere mit China herauskommen.

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