Die Ermordung Soleimanis sei aus handfesten Geschäftsinteressen erfolgt, sagt Michael Lüders (links).
Die Ermordung Soleimanis sei aus handfesten Geschäftsinteressen erfolgt, sagt Michael Lüders (links).
Bild: dpa/ZDF/watson-montage

Nahost-Experte mit steiler These bei"Lanz": Soleimani aus geschäftlichem Interesse ermordet

09.01.2020, 11:2109.01.2020, 11:58

Auch Markus Lanz kann sich der aktuellen Weltlage nicht entziehen. In der Sendung am Mittwochabend ging es schon zum zweiten Mal um die Krise zwischen den USA und Iran.

Während die Lage sich fast eine Woche nach Ermordung des Generals Soleimani schon deutlich weiter entwickelt hat, blieb man in der Runde, zu der auch Gregor Gysi und Margot Käßmann zählten, noch bei der Analyse des Ausbruchs der Krise.

Zum Einstieg lieferte Nahost-Experte Michael Lüders eine Perspektive, die aufhorchen ließ: Er erklärte, der getötete Soleimani habe sich in Bagdad auf einer Friedensmission befunden. Auf Einladung des irakischen Ministerpräsidenten al-Mahdi habe er zwischen dem Iran und Saudi-Arabien vermitteln sollen. Die beiden Länder sind erbitterte Konkurrenten um die Vorherrschaft in der Region.

Soleimani schlecht fürs Waffengeschäft?

Hinter der Ermordung vermutete Lüders statt militärischer Motive handfeste Geschäftsinteressen. Zehn Prozent ihrer Rüstungsexporte lieferten die USA an Saudi-Arabien, das Königreich am Golf ist einer der engsten Verbündeten der USA.

"Stellen wir uns mal vor, es gebe Frieden zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, oder wenigstens eine Entspannung – das wäre nicht gut für's Geschäft."

Die Ermordung Soleimanis also aus finanziellen Motiven und dazu eine Vereitelung von Entspannung – das hat man so noch nicht gehört. Lüders führte weiter aus, es gebe in solchen Konflikten keine Guten oder Bösen.

"Alle Parteien verfolgen ihre eigenen Interessen, ohne Rücksicht auf Verluste. Und in Sachen Rücksichtslosigkeit sind unsere amerikanischen Freunde gut aufgestellt."

Iran setzt auf Vorwärtsverteidigung

Es sei wichtig, die iranische Strategie zu verstehen, für die Soleimani maßgeblich mitverantwortlich gewesen sei. Die iranische Regierung wüssten, dass sie in einem konventionellen Krieg gegen die USA oder Israel keine Chance hätten. Also verlege sie sich auf eine asymmetrische Kriegsführung, indem sie pro-iranische Milizen im Irak, im Libanon und in Syrien aufgebaut oder sich mit diesen verbündet habe. Dies diene aber der Verteidigung, sagte Lüders: "Dahinter steckt die Absicht, im Falle eines Angriffs auf den Iran diese Stellvertreter als Vorwärtsverteidigung zu nutzen, um den Einsatz für die Angreifer zu erhöhen."

Die Hauptverantwortung für die instabile Lage in der Region wies Lüders den USA zu. Diese hätten seit den Terroranschlägen von 2001 in fünf Ländern der Region militärisch interveniert – mit dramatischen Folgen:

"Millionen von Menschen haben ihre Zukunft verloren in Folge dieser Interventionen. In den Ländern, wo interveniert wurde, ist ein riesiges Chaos entstanden. Allein im Irak gab es zwei Millionen Tote."

Widerspruch – aber leider keine Vertiefung der Diskussion

Dem widersprach der US-Politologe und Publizist Andrew Denisson entschieden. Seine Meinung: „Man musste auf die Belagerung und versuchte Stürmung der US-Botschaft reagieren.“ Die Tötung Soleimanis sei vollkommen richtig und sogar notwendig gewesen.

„Man kann nicht mit Don Corleone verhandeln.“

Die Fronten waren also klar. Daraus hätte sich nun eine spannende Diskussion entwickeln können, was aber nicht geschah. Das lag vor allem daran, dass Moderator Lanz mit dem Thema einigermaßen überfordert zu sein schien.

Es gelang ihm leider nicht, eine Vertiefung der sehr unterschiedlichen Sichtweise von Lüders und Denisson zu initiieren. Stattdessen irritierte Lanz mit längeren Monologen, die wenig zum Thema beitrugen und streute eher themenferne Anekdoten ein, etwa die, er habe einmal Gregor Gysi am Flughafen in Tel Aviv getroffen. Hat ja auch irgendwie mit dem Mittleren Osten zu tun.

Apropos Gysi. Der Linken-Politiker argumentierte vor allem juristisch. Er erklärte, man könne Rechtsbrüche nicht auf dem Weg des Rechtsbruchs bestrafen. "Das Völkerrecht wird seit Jahren missachtet. Wir können es nicht einfordern, wenn wir es selbst verletzen. Und dieser Mord ist eine Verletzung des Völkerrechts."

Pfarrerin Margot Käßmann beharrte auf die einzige Alternative zum Krieg: internationale Diplomatie. Ein versöhnlicher Ansatz. Eine tiefer gehende Diskussion konnte das aber leider auch nicht ersetzen.

(om)

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