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Bushido ist in dem Verfahren gegen Arafat Abou-Chaker Nebenkläger. Bild: www.imago-images.de / Olaf Wagner

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Bushido im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker: Fans haben Urteil schon gefällt

Am Mittwoch fand in Berlin der zweite Verhandlungstag im Prozess gegen Bushidos ehemaligen Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker statt, in dem der Rapper als Nebenkläger auftritt. Watson war live dabei und berichtet, was im Gerichtssaal passiert ist.

Das Kriminalgericht in Berlin-Moabit ist ein alter Prunkbau. An diesem sonnigen Mittwochmorgen gegen 8 Uhr sieht hier alles friedlich aus. Nichts deutet darauf hin, dass in weniger als zwei Stunden Arafat Abou-Chaker auf der Anklagebank Platz nehmen wird – und der Rapper Bushido ihm gegenüber, als Zeuge und Nebenkläger.

Seit Montag stehen Bushidos ehemaliger Geschäftspartner sowie seine Brüder Yasser, Rommel und Nasser vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, sich diverser Vergehen schuldig gemacht zu haben. Räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung und Untreue lauten die Vorwürfe. Der Geschädigte soll Bushido, bürgerlich Anis Ferchichi sein, der nicht nur als Zeuge, sondern auch als Nebenkläger auftritt.

Bushido ist einer der erfolgreichsten deutschen Rapper der vergangenen zwanzig Jahre. Zu seinen besten Zeiten hatte er Millionen von Fans in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Davon ist an diesem Morgen nichts mehr zu spüren: Kein einziger aktueller Fan hat den Weg zum Gericht gefunden. In der Schlange vor dem Besuchereingang stehen nicht viele Menschen. Die, die da sind, sind fast alle Journalisten – und Jurastudenten. Und von den wenigen, die nicht aus beruflichen Gründen so früh aufgestanden sind, sondern aus privatem Interesse, findet sich keiner, der heute noch Sympathien für den Rapper hegt.

Bushido-Fans? Fehlanzeige

Der Tenor lautet eher: Bushido versuche, den Unschuldigen zu spielen, dabei habe er jahrelang von Abou-Chakers hartem Ruf profitiert, ja, sein gesamtes Image als Gangster-Rapper darauf aufgebaut. Dass er jetzt gegen seinen ehemaligen Geschäftspartner vor Gericht aussagt und sich als Opfer darstellt, kommt nicht gut an.

Überhaupt herrscht kein besonders großer Andrang. Der zweite Prozesstag scheint nicht sehr viele Menschen zu interessieren. 12 Zuschauerplätze gibt es im Gerichtssaal, wegen der Coronaregeln deutlich weniger als sonst. Doch wer zwei Stunden vor Beginn der Verhandlung da ist, bekommt auch einen Platz – natürlich mit viel Abstand zu seinen Sitznachbarn. Für 9.30 Uhr war der Prozessbeginn angesetzt, doch die Türen zum Zuschauerbereich öffnen sich erst gegen 9.45 Uhr.

Erklärungen, Anträge – und eine Unterbrechung

Dann eröffnet sich dem Zuschauer folgendes Setting: Links sitzen Bushido und sein Anwalt. Der Rapper sieht müde aus, ist im Vergleich zu früher aufgedunsen. Rechts sitzen Arafat Abou-Chaker sowie seine Brüder Nasser und Rommel. Yasser wiederum sitzt etwas versetzt, links hinter Bushido. Er ist derzeit in Untersuchungshaft. Eigentlich war für heute Bushidos Aussage angekündigt, doch die verschiebt sich nun auf den kommenden Verhandlungstag. So gibt es erstmal wenig Spannendes: Die Staatsanwältin verliest eine längere Erklärung, in der es um die Anträge der Verteidiger geht, Einsicht in bestimmte Aussagen von Bushido sowie seiner Frau Anna-Maria Ferchichi zu erhalten. Der Zweck scheint klar: Sie suchen nach Widersprüchen in seiner Darstellung, um begründete Zweifel an der Schuld des Angeklagten zu streuen. Als juristischer Laie bereitet es einige Mühen, den Ausführungen, die mit vielen Paragrafen, Gerichtsurteilen und Fachbegriffen gespickt daherkommen, zu folgen.

Dann folgt schon die erste Unterbrechung: Zwei Anwälte der Verteidigung beantragen, die trennenden Glasscheiben, die zwischen ihnen und ihren Mandanten aufgebaut wurden, zu entfernen. Sie begründen dies damit, dass sie so ihrer Arbeit nicht nachgehen könnten. Dem Antrag wird stattgegeben, Justizbeamte werden dazu angehalten, die Scheiben zu entfernen. Dafür müssen alle Anwesenden den Saal für etwa fünf Minuten zu verlassen.

Eine Zeugin, die nichts sagt

Danach tritt noch eine Zeugin auf. Es ist die Ehefrau eines der Angeklagten. Sie kommt in Begleitung ihres Anwalts herein, wird über ihre Rechte und Pflichten belehrt, erklärt unter Berufung auf ihre familiäre Beziehung zu einem der Angeklagten, dass sie nicht aussagen wird und geht wieder. Viel mehr passiert nicht. Die Zuschauer sind damit nicht unbedingt glücklich, viele hatten sich wohl mehr erhofft. "Ein Satz mit X, das war wohl nix", meint einer im Hinausgehen.

Dafür kündigt der Vorsitzende Richter Mrosk für den nächsten Verhandlungstag an, dass Bushido seinen großen Auftritt als Zeuge haben soll. In seiner Aussage wird er offenbar seine gesamte Musikkarriere darstellen. Ob dieser Umstand mehr Fans des Rappers anziehen wird, erscheint fraglich. Während das Gericht sich noch kein Urteil erlauben kann, scheinen viele seiner Fans ihres bereits gefällt zu haben.

(om)

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Bushido-Prozess: Rapper darf aussagen – aber nicht gegen Arafat Abou-Chaker

Eigentlich sollte der Mittwoch der erste richtig interessante Tag im Prozess gegen Arafat Abou-Chaker werden. Nach zwei Verschiebungen sollte der Rapper Bushido, der als Nebenkläger auftritt, aussagen. Ursprünglich war das bereits für vergangene Woche geplant, aufgrund diverser Anträge der Verteidigung wurde es dann aber auf Montag verschoben. Da wiederum fiel der Verhandlungstag aus – sodass nun am Mittwoch der große Tag sein sollte.

Tatsächlich sagte Bushido auch aus – allerdings nicht so, …

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