Wirtschaft
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Die Blockchain soll Persos ersetzen und die GEMA zerstören. Ich versuche, sie zu verstehen

04.05.18, 19:53 28.05.18, 14:27

Hier kommt Folge 4 unserer Krypto-Kolumne...

Christina  zur Nedden
Christina zur Nedden

Hallo Krypto-Freunde!

ich melde mich heute von Deutschlands größter Digital-Messe bei euch. Auf der re:publica in Berlin trifft sich gerade zum 12. Mal die eingeschworenste Fangemeinde des Internets. Mit dabei: Roboter, VR-Brillen, Internetversteher Sascha Lobo und natürlich auch ein paar Veranstaltungen zu meinem Lieblingsthema, denn Kryptos gehören zum WWW, wie Currypulver auf die Berliner Wurst.

Jedoch kann ich hier leider nicht lernen, wie ich watson noch schneller reich mache, alle reden vor allem über die Blockchain, also dem System hinter den Kryptowährungen. Und die kann angeblich weitaus mehr als nur Coins von A nach B zu bewegen. Der Blick ins Programmheft bestätigt mir: Die Blockchain soll Wälder verwalten, Musiker fair bezahlen können und uns allen eine selbstbestimmte digitale Identität geben.

Ich bin fasziniert. Etwas Großes scheint zu passieren. Etwas, das niemand so wirklich versteht, genauso wie dieses neue Internet damals in den 90ern. Und so begebe ich mich für euch auf Mission um an dem Ort herauszufinden, wo es ja alle wissen müssen:

Was ist diese Blockchain?

Einer, der mir sicher erklären kann was die Blockchain ist und wie sie unser Leben verändern wird, ist Marcus Ewald. Er hat im vergangenen Jahr den Bundesverband für Blockchain, den "Bundesblock" gegründet und damit auch erreicht, dass im Koalitionsvertrag 7 Mal das Wort "Blockchain" auftaucht. Seine Definition:

"Die Blockchain ist eine dezentral gespeicherte, öffentlich einsehbare, digitale Buchhaltung. Das bedeutet, dass niemand die Blockchain nachträglich verändern kann, ohne dass es allen anderen auffällt. Auch kann niemand die Datenbank klauen und verändern, weil sie auf sehr vielen Rechnern gleichzeitig ist."

Marcus Ewald Bild: marcus ewald 

Die Blockchain ist laut Ewald besser als herkömmliche Datenbanken, die zentral auf einem Server gespeichert werden. Wenn zum Beispiel das Einwohnermeldeamt alle persönlichen Daten der Bürger auf einem Server speichert und dieser gehackt wird, sind sie alle weg. Sind die Daten auf Hunderten von Rechnern gespeichert, kann das nicht passieren. Und bisher wurde die Blockchain tatsächlich noch nie gehackt. Dass das gut ist, leuchtet mir ein. Was ich nicht verstehe: wer stellt die Blockchain her und wieso?

Ewald antwortet, dass die Blockchain, die für Bitcoin benutzt wird von sogenannten Minern gemined wird. Dabei wird alle 8 Minuten ein Datensatz in Blöcken (daher der Name Blockchain) festgelegt und an den voherigen Block angehängt. Damit nicht alle dauernd Einträge machen, muss es Arbeit kosten, diesen Datensatz zu produzieren ("Proof of Work" heißt das). Die Miner schalten also ihre Computer ein und ein Zufallsgenerator löst eine komplizierte Rechenaufgabe. Dabei muss eine bestimmte Zahl rauskommen. Der, der als erstes die Zahl kriegt, darf den Datensatz schreiben und kriegt dafür als Bezahlung Coins (oder Bruchteile von Coins, weil die jetzt krass viel wert sind).

Das kostete natürlich alles Strom und Energie. 80 Prozent der Blöcke für Bitcoin werden in China erstellt, weil dort der Strom am billigsten ist. Das ist nicht sehr nachhaltig und es wird schon an anderen umweltfreundlicheren Methoden gearbeitet.

Noch mehr Fragen und Antworten zu Bitcoin & Co.

Wie die Blockchain den Perso ersetzen könnte

"Im Internet weiß niemand, dass du ein Hund bist", heißt es in einem Cartoon des "New Yorker". Damit ist gemeint, dass das Internet ursprünglich nicht erschaffen wurde, um Identitäten zu beweisen, sondern um Maschinen (anonym) miteinander kommunizieren zu lassen. Deswegen haben wir alle unzählige Nutzernamen und Passwörter.

Andrew Tobin möchte das ändern (finde ich gut). Sein Startup "Evernym" baut eine Open Source Software für Identitätsmanagement. Auf dieser Plattform können Nachweise wie Passdaten, Gesundheitsdaten, Kreditkarten oder auch Bildungsnachweise verwaltet werden. Jeder bestimmt selbst, welche Daten er oder sie mit wem teilt.

Praktisch könnte das so aussehen: Ich will eine Kreditkarte beantragen. Heute muss ich dafür in der Bank vorbeigehen und meinen Perso zeigen. Und die Bank muss meine Kreditwürdigkeit checken. Mit Identitätsmanagement auf der Blockchain wird die Bank einen Knopf drücken, ich bekomme eine Nachricht auf mein Handy. Das Handy zeigt mir, welche Infos ich teilen muss. Ich teile sie verschlüsselt mit der Bank, und die Bank kann dank Blockchain die Echtheit der Nachweise prüfen.

Die persönlichen Daten selbst werden niemals zentral auf der Blockchain abgelegt, betont Andrew Tobin, sondern nur anonyme kryptographische Schlüssel, mit denen man die Echtheit prüfen kann. Das gibt mir als Nutzer die maximale Kontrolle – ich teile nur diejenigen Nachweise, die man für den jeweiligen Vorgang auch wirklich benötigt. Das ist Datensparsamkeit.

Unter dem Motto "POP" möchte die re:publica auch die Filterblase des Internets platzen lassen. Ob das gelingt? bild: czn watson

In dieser Welt liegen verifizierte Identitäten auf der Blockchain, die fälschungssicher und nicht manipulierbar ist. Wenn das der Fall ist, kann ich virtuell zum Einwohnermeldeamt, Gewerbeamt und zum Finanzamt gehen. Es gäbe die automatische Steuererklärung und die automatische Gewerbeanmeldung. Ich muss nichts mehr ausdrucken, nichts mehr unterschreiben.

Noch ein Vorteil ist, dass nichts was auf der Blockchain passiert ist, jemals gelöscht werden kann. Eine Liste mit allen Transaktionen macht es dann auch einfacher, die Löschung von Daten zu beantragen.

Blockchain ist nicht gleich Blockchain

Eine wichtige Erkenntnis nach meiner Blockchain-Recherche auf der re:publica ist, dass es gar nicht die eine Blockchain gibt. Ich erfahre, dass fast alle Kryptowährungen ihre eigene Blockchain haben, die eigentlich "Distributed Ledger Technology" heißen (Blockchain ist nur die bekannteste).

Es gibt öffentliche und private DLTs, sie können für alle möglichen Transaktionen genutzt werden, nicht nur um Coins zu bewegen. Ethereum ist zum Beispiel eine Blockchain, die nicht nur Währungen transferieren kann, sondern auch Verträge. Die Verträge, die über Ethereum bewegt werden, nennt man auch "smart contracts". Ein "smart contract" ist ein Vertrag, der in Software-Code geschrieben ist. Wie der genau funktioniert, habe ich noch nicht verstanden, aber er soll die Logistik-Branche komplett revolutionieren, weil er ohne Notar und Transaktionsgebühren auskommt. 

Wen die Blockchain alles arbeitslos machen wird

"Wenn die Blockchain richtig eingesetzt wird, heißt das, dass viele Gatekeeper ihren Job verlieren werden", sagt Marcus Ewald. Damit meint er zum Beispiel Bänker, Notare, Steuerberater oder Versicherungsmathematiker. "Diese Menschen sind heute nur dafür da, das System am Laufen zu halten. Irgendwann wird die Blockchain diese Aufgaben übernehmen".

Das freut auch viele Leute in der Musikbranche, denn auch die 1200 Mitarbeiter der GEMA könnten arbeitslos werden.

Label-Manager Frank Klaffs spricht auf der re:publica von einer "Utopie", in der Künstler nicht mehr das letzte Glied der Bezahlkette in der Musikindustrie sind, sondern direkt über die Blockchain mit Kryptowährungen bezahlt werden.

Copyright-Manager wären dann überflüssig, da man dank der Blockchain öffentlich einsehen kann, wer wann einen Song gehört hat. Künstlerinnen wie Björk und Imogen Heap haben dies bereits ausprobiert, Björks letztes Album, mit dem passenden Titel "Utopia", konnte mit Ether-Coins bezahlt werden. Doch Klaffs bleibt realistisch: "Nicht jeder hat ein Interesse daran, das System zu verändern."

Wie die Blockchain Facebook zerstören wird

Hinter Blockchain bzw DTLs steckt eine ganze Ideologie. Wenn Marcus Ewald auf der re:publica-Bühne über die Blockchain redet, tut er das mit Leidenschaft.

Er wünscht sich:

Außerdem hofft er, dass Monopole wie Facebook durch die Blockchain verschwinden werden. So wie Karl Marx daran glaubte, dass Arbeiter alle Früchte ihrer Arbeit bekommen sollten, glaubt Ewald, dass diejenigen, die Daten für Facebook produzieren (also wir), auch dafür belohnt werden sollten. "Die, die das Netzwerk am Leben halten, sollten auch dafür bezahlt werden", sagt er. 

Natürlich müssen neue Rechtsformen entwickelt werden, um diese dezentralen Systeme zu unterstützen. Aber letztendlich rauben uns Monopole durch ihre Gewinnsucht die Freiheit, die Blockchain wird allen langfristig mehr Wohlstand bringen, glaubt zumindest Ewald. 

"Es geht um einen tiefgreifenden Wechsel in der Art, wie wir unsere Gesellschaft organisieren. Deutschlands Amazon-Chef Ralf Kleber hat mal gesagt: 'Wenn die Digitalisierung ein 10-Gänge-Menü wäre, sind wir gerade Mal beim Gruß aus der Küche'. Die Blockchain ist vielleicht der 2. Gang."

Und weil es in dieser Kolumne ja auch darum gehen soll, watsons Redaktionskasse mit Kryptos aufzustocken, hier der aktuelle Krypto-Kontostand: 

watsons Krypto-Vermögen am 4.5.18

Unsere 0,01197294 Bitcoin und 0,16129352 Ether sind mittlerweile 192 Euro wert. Am 26. April hätten wir nur 162 Euro für unsere Coins bekommen.

Auch bei Ripple läuft es besser: Der Wert unserer 158 Ripple-Coins ist von 102 Euro am 26. April auf 132 Euro gestiegen.

watsons Gesamt-Krypto-Vermögen beträgt also zum jetzigen Zeitpunkt 324 Euro. 

Das heißt, es geht weiterhin schön bergauf und wir haben 24 Euro Gewinn gemacht!!!. Wieso die Kurse nach der langen Durststrecke im Winter wieder steigen, könnt ihr hier nachlesen:

Was machen wir mit dem Geld?

Da watson kein gieriges Unternehmen, sondern eine seriöse Redaktion ist, spenden wir unser Krypto-Vermögen (oder das, was davon übrig ist) Ende des Jahres an einen Verein für Spielsüchtige.

Und damit ihr am Wochenende euren Senf zu Bitcoin& Co. dazugeben könnt, hier die interessantesten News aus dem Krypto-Universum:

Der Krypto-Small-Talk 

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