4 Fakten zum Kükenschreddern und warum es bald ein Ende haben könnte 

30.06.2018, 15:42

Sie sind flauschig, süß und sterben im Akkord: 50 Millionen männliche Küken werden jedes Jahr, unmittelbar nach dem Schlüpfen, in Deutschland getötet. Nun könnten Wissenschaftler eine Methode entwickelt haben, um das zu verhindern.

Der Grund für das Gemetzel: Die Aufzucht von männlichen Küken ist unwirtschaftlich. Sie legen keine Eier und setzen nur schlecht Fleisch an, weshalb sie sich nicht als Masthähnchen eignen. Töten ist für die Lebensmittelindustrie wirtschaftlicher als eine Aufzucht. 

So sieht das aus: 

Vier Fakten zum Kükenschreddern: 

Warum wird das nicht einfach verboten?

  • Tierschützer fordern seit Jahren ein Verbot dieser Praxis. 
  • Nach dem Tierschutzgesetz dürfen Tiere nur getötet werden, wenn es einen vernünftigen Grund dafür gibt. (§ 4 Tierschutzgesetz)
  • Deshalb wird seit Jahren darüber gestritten, ob ein wirtschaftlicher Grund eben auch ein vernünftiger Grund ist, oder nicht.
  • Weil das nicht klar ist, geht das Schreddern weiter.

Auch ansonsten sind wir Menschen nicht gerade nett zu Tieren: 

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Arme Tiere mit Plastik
quelle: istockphoto / choice76
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Das sagt die Politik dazu:

  • Politiker versprechen seit langem ein Ende der Praxis. 
  • Ex-Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte erst für Ende 2017 den Ausstieg angekündigt. 
  • Die Landesregierungen von Niedersachsen und Hessen haben das Kükeschreddern sogar rechtskräftig verboten. 
  • Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte erst vor wenigen Wochen angekündigt, dass sie sich sicher sei, dass Deutschland beim Ausstieg aus dem Kükentöten "Vorreiter" werde. 

Warum wird trotzdem immer weiter geschreddert?

Tierschützer und Politiker scheinen sich einig zu sein. Das Problem: Solange es keine Technologie gibt, die das Schreddern überflüssig macht, greifen die Verbote nicht. Die Länder versuchen, die Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe zu erhalten und tolerieren die Praxis weiter.

Nötig ist eine Technologie, die das Geschlecht des Kükens weit vor dem Schlüpfen bestimmt. Dann könnten die Eier wenige Tage nach der Befruchtung aussortiert und anderweitig verarbeitet werden.

Wie könnte so eine Technologie aussehen?

Weltweit forschen Teams an Methoden zur Früherkennung des Geschlechts von Küken, die das Schreddern sowieso überflüssig machen könnte. Auf zwei Methoden aus Deutschland wurde bereits Patente angemeldet: 

  • Forscher aus Sachsen haben ein Bestimmungsverfahren mittels einer spektroskopischen Untersuchung entwickelt. Das bedeutet: Sie bestrahlen das kurz bebrütete Ei mit Licht bestimmter Wellenlänge. Die von Blutgefäßen reflektierten und transmittierten Strahlen werden dann außerhalb des Eis analysiert.
  • Forscher der Technischen Universität München verwenden Kernspintomographen (MRT), die bereits in der Medizin genutzt werden. Die Technik ermögliche sowohl das Geschlecht als auch den Befruchtungsstatus kontaktlos zu bestimmen. 

Bei beiden Methoden bleibt die Eierschale unbeschädigt. So können keine Keime ins Ei eintreten und den empfindlichen Embryo schädigen.

Durch die Tests zur Bestimmung des Geschlechts könnten dein Ei etwas teurer werden. Das Landwirtschaftsministerium geht allerdings davon aus, dass das lediglich ein bis zwei Cent pro Ei ausmachen würde.  

(mit Material von dpa) 

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Video: watson/Saskia Gerhard, Lia Haubner
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