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Bisher sind die Tests zur Feststellung des Coronavirus recht aufwendig. Nicht jedes Krankenhaus kann sie einfach vor Ort durchführen. (Symbolbild) Bild: Digital Vision / Morsa Images

Corona-Test: Virologe Drosten rechnet ab Mai mit zuverlässigem Verfahren

Verhältnismäßig langsam, aber stetig steigen die Zahlen der Coronavirus-Infektionen in Deutschland: Über 1600 Fälle wurden bisher bestätigt.

Da davon auszugehen ist, dass die Fallzahl in den nächsten Wochen oder gar Monaten weiterhin steigen wird, sollten nun sämtliche Maßnahmen ergriffen werden, um eine zu schnelle Ausbreitung zu stoppen. Eine davon wäre, dass Krankenhauspersonal, welches regelmäßig in Kontakt mit bisher ungetesteten Patienten kommt, sich täglich selbst auf Covid-19 testet, um weitere Ansteckungen zu vermeiden.

Diese Maßnahme schlug Virologe Christian Drosten von der Charité bereits am Mittwoch im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" vor. In der Folge vom Donnerstag wurde das Thema noch einmal vertieft, inwieweit es vor allem für kleine Krankenhäuser ohne eigenes Labor möglich wäre, Personal täglich, schnell und kostengünstig auf das Coronavirus zu testen.

Und in der Hinsicht ist der Virologe positiv gestimmt: Er rechnet schon ab Mai mit sogenannten Antigentests, die recht schnell und kostengünstig herzustellen seien.

Zuverlässige Schnelltests für das Coronavirus gibt es bisher noch nicht

Um das Coronavirus feststellen zu können, wird in der Regel ein PRC-Test angewandt: Die Abkürzung steht für Polymerase-Ketten-Reaktion, bei der die DNA künstlich vervielfältigt wird. Das ist eine typische Maßnahme, um Vireninfektionen festzustellen. Eine andere Methode, um eine Infektion mit Covid-19 festzustellen, wäre, die im Körper gebildeten Antikörper zu messen.

Das geht laut Drosten schon mithilfe eines Schnelltests, allerdings sind diese Tests frühestens am Ende der ersten Krankheitswoche möglich. Um weitere Ansteckungen zu vermeiden wäre es allerdings wichtig, das Coronavirus schon vorher eindeutig feststellen zu können.

Was die Möglichkeit für schnelle und zuverlässige Coronavirus-Tests angeht, gibt es laut Drosten im Prinzip zwei Möglichkeiten: Erstere wäre die "Hightech-Lösung" – kleine PCR-Maschinen, etwa so groß wie ein Drucker, die medizinisches Personal problemlos vor Ort bedienen könnte. Der Nachteil an dieser Lösung ist: Bisher sind kaum solche Maschinen vorhanden:

"So etwas ist aber sehr teuer, erstens, und zweitens: Die ersten solcher Maschinen sind gerade erst in der Lage auf das neue Virus zu testen"

Die zweite Möglichkeit – die deutlich realistischere, wie Drosten weiter erklärt – wäre die Einführung von Antigentests. Diese weisen die Proteine des Virus nach und können es so identifizieren. "Diese Tests werden vom Format her so aussehen wie ein Schwangerschaftstest. Das heißt, man macht einen Rachenabstrich und tut den in eine Lösung, damit er flüssig wird. Diese Flüssigkeit tut man dann auf ein Feld, wie den Urin beim Schwangerschaftstest."

Ein angezeigter Streifen könnte dann Auskunft über ein positives oder negatives Coronavirus-Ergebnis geben. Dadurch, dass die Viruskonzentration bei Covid-19 in den Abstrichen laut Drosten sehr hoch ist, ist er positiv gestimmt, dass diese Art von Test sehr gut umzusetzen sei.

Antigentests könnten schon im Mai erhältlich sein, schätzt der Virologe

Er fügt jedoch hinzu: Die Antigentests "werden nie so sensitiv sein wie die PCR." Das heißt, eine Infektion mit Covid-19 würde bei Patienten in beispielsweise der zweiten Krankheitswoche nicht mehr nachgewiesen werden können, weil sie die Viren zu diesem Zeitpunkt bereits in die Lunge verlagert haben und die Konzentration im Rachen, wo der Abstrich genommen wird, nicht mehr so hoch ist.

Da die Antigentests allerdings vor allem zur Feststellung der Krankheit zu Beginn der Symptomatik angewandt werden sollen, wenn die Virenkonzentration noch hoch ist, könnten die Tests gut funktionieren, um Covid-19 nachzuweisen.

Und wann könnten die Tests für Krankenhäuser erhältlich sein? Drosten meint, erste Tests könnten schon in ein, zwei Monaten verfügbar, allerdings auch schnell ausverkauft sein. Die Nachproduktion auch in großen Mengen sollte allerdings kein Problem darstellen.

"Ich hoffe, dass bis Mai, Juni solche Tests bestellbar und verfügbar sind. Und das wird die ganze Testsituation in Deutschland und in allen Ländern drastisch ändern und eine große Erleichterung in diese Testsituation bringen"

Insgesamt wirkt Drosten also recht optimistisch, zumindest was die Möglichkeiten angeht, in naher Zukunft schnell, zuverlässig und unkompliziert auf das Virus testen zu können. Das zumindest würde dabei helfen, Ansteckungen schneller zu erkennen und entsprechende Patienten rechtzeitig zu behandeln.

(ak)

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