Sanofi und GSK b

Die erste Corona-Welle klingt gerade etwas ab, für die zweite hofft die Welt auf einen Impfstoff. Den braucht es aber vielleicht gar nicht. Bild: dpa / RICHARD MORAN PHOTOGRAPY LTD 15

Virologe zweifelt an Impfstoff-Erfolg – seine Begründung ist plausibel

Wann hat das Warten ein Ende? Während der Lockdown weltweit nach und nach aufgehoben wird, hofft die Menschheit weiterhin auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Kein Wunder, Maskentragen ist zumindest im westlichen Kulturkreis sehr ungewohnt und ein Impfstoff verspricht zudem wesentlich besseren Schutz.

Allein, das Hoffen könnte am Ende vergebens sein. Bereits am Donnerstag hatte die US-Tageszeitung "Washington Post" ihre Leser auf ein Leben mit Sars-CoV-2 vorbereitet. Heute legt in Deutschland der Bonner Immunologe Hendrik Streeck in einem Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) nach. "Das Virus ist da und wird bleiben. Und wir müssen uns darauf einstellen, damit umzugehen", sagte der Leiter der Heinsberg-Studie zur Corona-Verbreitung dem RND.

Streecks Erklärung ist plausibel

Streeck hegt große Zweifel daran, dass in absehbarer Zeit ein Impfstoff zur Verfügung stehen wird. Er beruft sich dabei auf seine Erfahrungen mit dem HI-Virus, das die Immunkrankheit Aids auslöst.

"Gegen HIV wurden schon über 500 Impfstoffe konstruiert, wenige auf Effektivität getestet, aber keiner hat funktioniert."

Hendrik Streeck

Entsprechend seien alle Vorhersagen, wann es einen Impfstoff geben werde, "nicht seriös".

Werden wir das Virus also wirklich nie wieder los?

Streeck macht Hoffnung

Bevor ihr jetzt alle Hoffnung fahren und euch den Tag versauen lasst: Grundsätzlich hält der Viren-Experte Corona für beherrschbar. Er geht jedoch davon aus, dass wir es mit lokalen Ausbrüchen zu tun bekommen werden, wie etwa zuletzt in einer Kirchengemeinde an der Nordsee. Bei einem Gottesdienst in Bremerhaven haben sich mindestens 20 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt.

"Das wird vielleicht im Herbst auch vermehrt und überraschend geschehen – aber ich glaube nicht, dass wir eine zweite Welle sehen werden, die uns regelrecht überschwemmt und überfordert", sagte der Wissenschaftler zu solchen lokal begrenzten Ausbrüchen.

Einen entscheidenden Schlüssel für die Eindämmung sieht Streeck vor allem im Verbot von Großveranstaltungen.

"Die zu unterbinden scheint am ehesten was gebracht zu haben."

Hendrik Streeck

Auch Drosten sieht optimistisch in die Zukunft

Damit bewegt sich Streeck in etwa auf der Linie, die auch der Charité-Virologe Christian Drosten in seinem NDR-Podcast am Donnerstag zog. Drosten machte auf die Bedeutung von Superspreading-Events aufmerksam, also Situationen, in denen nur eine hochansteckende Person viele weitere Menschen infizieren kann – bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen oder Konzerten etwa. "Wenn man diese Situationen abschafft, schafft man auch die Superspreading-Situationen ab", stellte Drosten klar.

Auch Drosten gab sich zuversichtlich, was die befürchtete zweite Welle angeht.

"Ich glaube so langsam, dass wir sogar eine Chance haben, ohne Impfung und mit dieser generellen Steuerung von Maßnahmen glimpflich in den Herbst und den Winter zu kommen, sprich ohne eine tödliche neue zweite Welle."

Es sei allerdings wichtig, genau hinzuschauen und bestehende Maßnahmen nachzujustieren, sollte es nötig werden. Dann ließen sich gezielt Superspreading-Events verhindern.

(pcl)

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