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Portrait of young woman using laptop at cafe wearing  face protective mask to prevent infectious diseases

Für viele gehört das Checken der aktuellen Corona-Daten zum Alltag. (Symbolbild) Bild: Getty Images

Infektionsverlauf anders als bisher gedacht? Das zeigen neue RKI-Daten

Die Infektionszahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) bieten wichtige Erkenntnisse über das Coronavirus, die den Kampf gegen die Pandemie unterstützen. An ihnen machen Politiker fest, wann Maßnahmen gelockert oder verschärft werden sollen. Allerdings spiegeln sie immer nur wider, wann eine Erkrankung den Behörden bekannt geworden ist – nicht, wann sie tatsächlich ausgebrochen ist.

Zwischen Krankheitsbeginn und behördlicher Erfassung können mitunter mehr als zwei Wochen liegen. Denn es dauert meist mehrere Tage, bis nach einem Abstrich ein Testergebnis vorliegt. Bis dieses bei den Behörden landet und nach Berlin geschickt wird, vergeht wieder einige Zeit. Hinzukommt, dass die meisten Behörden am Wochenende nicht besetzt sind, was zu einer weiteren Verzögerung führt.

Um Verzerrungen in der Statistik zu vermeiden, setzt das RKI nun auf ein neues Rechenmodell. Das führt allerdings zu einem anderen Bild der Coronavirus-Pandemie als bisher.

Wie das RKI die Zahlen nun auswertet

In seinen neuen Daten namens "Nowcast" rechnet das RKI den Zeitverzug zwischen Krankheitsbeginn, behördlicher Erfassung und der Übertragung nach Berlin raus. Grundlage dafür sind Erfahrungswerte. Bis eine Neuinfektion sichtbar wird, muss also die Inkubationszeit des Virus vergehen – das dauert bis zu zehn Tage.

So kann das Institut rekonstruieren, wie sich die Fallzahlen tatsächlich entwickelten. Mithilfe dieser Korrekturen kann schneller erfasst werden, wie sich die Zahl der Neuinfektionen ändert.

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Die blauen Balken zeigen die "Nowcast"-Daten, die gelben basieren lediglich auf Meldungen. Bild: Robert Koch-Institut

Die neuangewandte Methode verdeutlicht vor allem eins: Die Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 sinken langsamer als bisher angenommen.

Wichtig dabei ist, dass es so zu deutlich weniger starken Schwankungen kommt, wie die Grafik nahelegt. Zudem zeigen die Daten, dass die Zahl der Neuerkrankungen bereits abnahm, bevor sich Bund und Länder auf Kontaktbeschränkungen einigten. Laut alter Daten sah es hingegen so aus, als wäre es erst zwei Wochen später zu der Wende gekommen.

Die Politik wusste von nichts

Es wäre ein Leichtes, politischen Entscheidern anhand der Daten vorzuwerfen, falsch gehandelt zu haben. Doch laut Angaben des RKI wussten weder Öffentlichkeit noch politische Entscheider vom Rückgang der Infektionszahlen. Schließlich stellte das Institut der Regierung seine "Nowcast"-Werte erst Anfang April vor, wie es in einem NDR-Bericht heißt.

Grund: Das RKI musste laut eigenen Angaben das Rechenverfahren an das Coronavirus sowie das Meldeverhalten aller zuständigen Behörden anpassen. Und das braucht Zeit. Wieso die Zahlen sanken, bevor die Kontaktbeschränkungen inkrafttraten, erklärt Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast "Coronavirus-Update":

"Zunächst wurden Großveranstaltungen unterbunden. Das hat viel an Grundübertragungstätigkeit und am Einstreuen großer Ausbrüche verhindert. Dann wurden die Schulen geschlossen, und in dieser Situation hatte man einen Effekt, dass Übertragungen zwischen Haushalten sehr stark begrenzt waren und das Infektionsgeschehen und Übertragungsgeschehen in Haushalten immer noch weiterging."

Christian Drosten ndr

Wichtiges Werkzeug für künftige Entscheidungen

Die Daten könnten helfen, Maßnahmen effektiver an die aktuelle Lage anzupassen. Wäre da nicht die Dunkelziffer. Viele Menschen tragen eventuell das Virus in sich, ohne krank zu werden. Erst wenn diese Fälle einbezogen werden können, sind die Statistiken vollständig – und die allgegenwärtige Unsicherheit schwindet.

(tkr)

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