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Bild: Masanyanka/Getty Images/WaterAid/Montage Watson

Leben ohne Tampon & Binde: So bewältigen Frauen weltweit die Menstruation

Tampons, Binden und Co. sind nicht bloß teuer, sondern auch nicht überall verfügbar – doch macht die Natur nicht vor ärmeren Frauen Halt.

Menstruation, Tage, Erdbeerwoche – Namen für die weibliche Periode gibt es viele, und dank Tampons, Binden, Menstruationstassen und -schwämmchen inzwischen auch einige Optionen, mit ihr umzugehen. "Lass laufen" ist für die wenigsten Frauen oder Transmänner, die auch ihre Periode kriegen, im Alltag praktikabel. Und warum sollte man auch? Schließlich haben wir mittlerweile die Möglichkeit, in der nächsten Drogerie für wenige Euros die nötigen Produkte zu erwerben, um unsere Menstruation vor der Welt zu verheimlichen.

Aber wie macht man das dort, wo es weder die Drogerien noch das nötige Geld für diese Produkte gibt? Wo es kein frei verfügbares laufendes Wasser oder die entsprechenden Entsorgungsmöglichkeiten gibt?

Die internationale Wohltätigkeitsorganisation WaterAid hat in einer Fotoserie auf beeindruckende Weise festgehalten, welche Methoden Frauen in ärmeren Ländern dieser Welt während dieser paar Tage im Monat anwenden, und hat die Bilder und Geschichten dieser Frauen mit uns geteilt.

Saba, 18, aus Pakistan: Alte Stofffetzen

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Bild: WaterAid/Sibtain Haider

Saba erzählt WaterAid:

"Den Stoff dafür bekomme ich zu Hause, aus alten Kleidungsstücken, die inzwischen abgetragen und rau sind. [...]
Dass ich diesen Stoff verwende, behindert mich bei der Arbeit. Ich kann währenddessen nicht richtig arbeiten, weil ich damit nicht gut laufen kann. [...]
Ich kann es mir nicht leisten, Binden zu verwenden. Das mache ich bloß, wenn ich irgendwo hin muss, aber nicht oft."

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Saba würde lieber Binden tragen, als sich mit einem Stofffetzen aushelfen zu müssen. Bild: WaterAid/Sibtain Haider

Lepera Joyce, 23, aus Uganda: Ziegenhaut-Rock

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Bild: WaterAid/James Kiyimba

"Ich wohne in einem Hirten-Dorf; wir haben viele Rinder, Ziegen und Schafe. Nach dem Schlachten behalten wir die Häute und verwenden sie als Bettwäsche, Kleidung und während der Menstruation.
Ich habe einen speziellen Rock aus Ziegenhaut, den ich während meiner Periode trage. Er ist so geschnitten, dass er hinten dick gefaltet ist. Den Rockzipfel nennen wir 'Abwo'.
Wenn ich meine Periode habe, suche ich mir mit diesem Rock einen guten Ort zum Sitzen, falte den Rockzipfel zwischen meinen Oberschenkeln und warte, bis das Blut hinten in den Rock läuft. [...]
Ist der Blutfluss verebbt, schmiere ich den Rock mit Kuh-Ghee [eine spezielle Art von Kuhmilch-Butter, Anm.] ein. Ich suche mir dafür einen ruhigen Ort, denn niemand darf das Blut sehen. Dann wringe ich das Blut aus dem Rock, als würde ich Wäsche waschen. [...]
Während der Menstruation bleibe ich zu Hause, weil ich dann als unsauber gelte. Ich nehme mir dafür normalerweise drei Tage Zeit."

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Lepera Joyce näht sich einen neuen Ziegenhaut-Rock, wenn der Alte zu alt wird. Bild: WaterAid/James Kiyimba

Limpo, 22, aus Sambia: Getrockneter Kuhdung

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Bild: WaterAid/Chileshe Chanda

"Je nach der Jahreszeit sammle ich trockenen oder halbtrockenen Kuhdung ein. Während der feuchten Jahreszeit lagere ich ihn, bis er komplett trocken ist. [...]
Es dauert ein bisschen, bis ich den Dung mit dem Messer richtig geformt habe, sodass er komfortabel in meine Unterhose passt. [...]
Ich lege den Dung nicht direkt auf meine Haut, sondern wickle ihn in ein Stück Stoff [...]. Mir gefällt diese Methode, weil Kuhdung viel Blut aufsaugen kann, ehe er komplett vollgesogen ist.
So kann ich meinen Alltag problemlos bewältigen.
Sobald es vollgesogen ist, entledige ich mich im Privaten davon: Ich grabe ein kleines Loch im Boden und vergrabe es.
In unserer Kultur ist es verboten, dass Männer das zu sehen bekommen."

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Limpo formt den getrockneten Kuhdung mit einem Messer. Bild: WaterAid/Chileshe Chanda

Nowana, 45, aus Sambia: Getrockneter, pulverisierter Kuhdung im Täschchen

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"Ich benutze größtenteils Kuhdung, um meine Periode zu bewältigen. Manchmal nehme ich auch ein Stück Stoff aus einer alten Decke, aber nur dann, wenn ich zu Hause bin und nirgendwo hingehe. Den Kuhdung kann ich jederzeit verwenden, ob nun zu Hause oder unterwegs.
Getrockneter Kuhdung​ riecht nicht mehr, daher würde nie jemand etwas davon mitbekommen. So können wir diese Methode schon sehr lange nutzen.
Das Geld ist knapp und ich kann es mir nicht leisten, Binden zu kaufen [...]. Ich habe Kinder, die inzwischen selbst Binden bräuchten, und wenn man uns alle zusammenrechnet, wird man sich eingestehen müssen, dass das viel Geld wäre, das wir nicht haben. [...]
Hätte ich die Wahl, würde ich Binden benutzen. Sie sind unkompliziert und bereits fertig; sie brauchen keine lange Vorbereitung wie die Kuhdung-Methode. Wann immer ich heute den Dung benutze, trauere ich in meinem Herzen, weil ich weiß, dass es eigentlich bessere Methoden gibt."

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Nowana zerbröselt den Kuhdung und füllt ihn in ein Säckchen um. Bild: WaterAid/Chileshe Chanda

Munyes, 44, aus Uganda: Ein Loch im Boden

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Bild: WaterAid/James Kiyimba

"Als Frau spüre ich es, wenn das Blut kommt. Dann grabe ich ein kleines Loch im Boden, wo man mich nicht sieht – manchmal unter einem Baum oder im Garten. Ich setze mich über das Loch, sodass das Blut direkt hineinfließt.
So bleibe ich gemütlich sitzen und breite meinen Rock aus. Selbst wenn jemand vorbeikommt, wissen sie nicht, was ich dort tue; es sieht aus, als würde ich mich ausruhen.
Ist es vorbei, fülle ich das Loch mit Erde.
In unserer Karamoja-Kultur sollten andere niemals davon erfahren, wenn eine Frau gerade menstruiert.
Habe ich drei oder vier Tage lang meine Periode, heißt das, dass ich jeden Tag ein neues Loch grabe. Beginnt der Blutfluss in der Nacht, verwende ich ein altes Stück Stoff. Morgens gehe ich dann zum Fluss und wasche es in einem speziellen Schlamm, der das Blut und den Geruch entfernt."​

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Munyes hat ein Loch gegraben, wo sie vorzugsweise niemand sieht. Bild: WaterAid/James Kiyimba

Tamala, 23, aus Malawi: Nyanda, ein Stück Stoff

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Bild: WaterAid/Dennis Lupenga

"Während unserer Menstruation benutzen wir ein Nyanda – einen Stofffetzen aus einem alten, traditionellen Chitenge-Umhang. Das legen wir uns in die Unterhose. Leider kann sich nicht jeder Unterwäsche leisten; dann wird ein langes, dünnes Stück Stoff vom Umhang abgerissen und um die Hüfte gebunden, um das Nyanda zu sichern.
Ist man verheiratet, darf der Mann keinen dieser Stoffe sehen. Daher werden die Stofffetzen in einer kleinen Plastiktüte aufbewahrt, die man nahe der Decke in einer Ecke des Schlafzimmers aufhängt. So kommt der Mann garantiert nicht in direkten Kontakt mit dem Stoff, selbst dann nicht, wenn die Frau gerade nicht menstruiert. [...]
Nach dem Waschen dürfen wir das Nyanda nur im Schlafzimmer aufhängen, trotz des faulen Gestanks, der entsteht, wenn es nicht mit Seife gereinigt wurde. Es im Schlafzimmer zu trocknen, sorgt außerdem dafür, dass der Ehemann weiß, dass es 'die Zeit im Monat' ist und er sich sexuell von uns fernhalten soll.
Das Reinigen kann für uns und unsere Familien Schwierigkeiten bedeuten, insbesondere im Bezug auf die Hygiene. Um ein benutztes Nyanda zu reinigen, nehmen wir zuerst die Füße und reiben den Stoff am Boden, um ihn nicht mit den Händen berühren zu müssen. Dann waschen wir ihn im Mbiya [ein Tontopf, in dem Wasser gelagert wird, Anm.], was aber heißt, dass danach kein anderes Familienmitglied den Mbiya benutzen darf. Daher brauchen wir meistens zwei Tontöpfe, obwohl sich die meisten Familien nur einen leisten können."

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Bild: WaterAid/Dennis Lupenga

Sangita, 32, Nepal: Wiederverwendbare Binden

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Bild: WaterAid/Mani Karmacharya

"Ich habe Stofffetzen aus alten Saris zu einer Baumwoll-Binde genäht. Anfangs wirkt das vielleicht teuer, weil die selbstgemachten Baumwoll-Binden ziemlich genau dasselbe kosten wie die industriell hergestellten Einweg-Binden; langfristig sind die Baumwoll-Binden aber deutlich günstiger, weil sie wiederverwendet werden. [...]
Wir müssen darauf achten, sie ordentlich mit Seife zu reinigen und im direkten Sonnenlicht zu trocknen, um die Bakterien abzutöten.
Einweg-Binden sind teuer und können die Umwelt verschmutzen, wenn man sie nicht richtig entsorgt. In einer Wohngegend wie unserer, wo es keine richtige Müllentsorgung gibt, können benutzte Binden unser Trinkwasser kontaminieren.​ Selbstgemachte, wiederverwendbare Binden sind also sicherer."

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Sangita präsentiert ihre selbstgenähte Binde aus alten Saris. Bild: WaterAid/Mani Karmacharya

Diese Frauen beweisen: Es geht auch ohne Tampon – aber wie haltet ihr das mit der Menstruation? Tampon, Binde, Cup? Schreibt uns einen Kommentar!

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