Günther Jauch nahm an der Impfkampagne der deutschen Regierung teil, doch die Aktion verlief für ihn unglücklich.
Günther Jauch nahm an der Impfkampagne der deutschen Regierung teil, doch die Aktion verlief für ihn unglücklich.Bild: imago images / bManfred Thomas Tsp

"Wahnsinns-Shitstorm": Günther Jauch spricht Klartext über seine missglückte Impfkampagne

17.01.2022, 12:46

Günther Jauch zählt zu den beliebtesten Moderatoren im deutschen Fernsehen, doch auch er ist vor Anfeindungen nicht sicher. 2021 warb er für die Impfkampagne der deutschen Regierung, aufgrund verschiedener Umstände ging die Aktion für ihn jedoch nach hinten los. Im Interview mit der "NZZ" blickt der 65-Jährige nun noch einmal darauf zurück und offenbart, dass er zwischenzeitlich sogar aus der Kampagne aussteigen wollte.

Günther Jauch mit Hintergründen zu "Wahnsinns-Shitstorm"

Als ein Fotograf bei Günther Jauch auftauchte, um dessen entblößten Oberarm abzulichten, "wurden aber erst die über 70-Jährigen geimpft", erklärt der Showmaster. Er selbst sei also noch gar nicht dran gewesen und war zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben auch tatsächlich noch nicht geimpft. "Denn wenn ich geimpft gewesen wäre, hätten alle gesagt: Der hat sich vorgedrängelt", so Jauch.

Günther Jauch musste Beschimpfungen im Netz über sich ergehen lassen.
Günther Jauch musste Beschimpfungen im Netz über sich ergehen lassen.Bild: www.imago-images.de / Malte Ossowski/SVEN SIMON

Somit stand die Aktion für ihn eigentlich von vorneherein unter schwierigen Vorzeichen. "Aber es kommt noch schlimmer", meint der Moderator weiter, denn: Ausgerechnet "einen Tag bevor die Kampagne startete" habe er sich mit Corona infiziert. Dies wurde auch öffentlich kommuniziert: In "Denn sie wissen nicht, was passiert!" auf RTL meldete er sich mehrmals aus der häuslichen Quarantäne zu Wort und gab per Videoschalte Updates zu seinem Gesundheitszustand. Als er von seiner Infektion erfuhr, wollte Jauch bei der Impf-Kampagne die Reißleine ziehen, hatte aber keinen Erfolg:

"Ich habe gesagt: Ihr müsst mich aus der Kampagne rausnehmen. Da hieß es, dass das technisch nicht mehr gehen würde. Das führte über Wochen zu einem Wahnsinns-Shitstorm."

Nun wurden von Impfgegnern verschiedenste, teils sehr geschmacklose Anschuldigungen gegen Jauch bzw. die Initiatoren der Kampagne erhoben. Im Gespräch nennt er mehrere Beispiele: "Wahlweise hieß es: 'Das ist Fake, der Jauch lügt, er macht sich zum Komplizen der Regierung, er ist eine Systemhure.' Oder: 'Ein Volksgerichtshof wird Sie irgendwann Ihrer gerechten Strafe zuführen.' Bis hin zu: 'Er ist geimpft, kriegt aber Corona. Das ist der Beweis, dass die Impfung gar nicht gegen Corona hilft.'"

"Aus dieser Nummer kam ich nicht mehr raus", hält der Moderator schließlich fest. Er selbst ist nach wie vor ein klarer Befürworter des Impfens und fügt hinzu: "Im Prinzip wäre die Impfung die Lösung, wenn sich alle konsequent impfen lassen würden."

Jauch schießt gegen die ARD

Im Interview geht es daneben auch um Jauchs TV-Karriere. Unter anderem erinnert er sich an die nach ihm benannte Talkshow in der ARD zurück, die von 2011 bis 2015 ausgestrahlt wurde. Schon 2019 hatte er bei der "Reporterfabrik" ausgeführt, dass die Produktion aus seiner Sicht nicht ideal verlief. Gegenüber der "NZZ" kommt er noch einmal darauf zu sprechen: "Mir haben zu viele Menschen aus dem Sender reingeredet. Und das fing schon bei der Vorbereitung der Sendung an", klagt er an, dabei sei er die Show mit "dem größten Ehrgeiz" angegangen.

Einen beträchtlichen Teil seiner Kräfte habe der Moderator "in die Verteidigung von Themen und Gästen stecken" müssen. Und weiter: "Das hat mit der ARD zu Konflikten geführt, weil die mir vertraglich zugesicherte journalistische Unabhängigkeit nicht im für mich notwendigen Maß gegeben war." Nach drei Jahren habe Jauch "mit Bauchschmerzen noch einmal verlängert", danach sei aber Schluss gewesen.

Einer seiner Talkshow-Gäste war damals übrigens der AfD-Politker Björn Höcke. "Er hatte einen skurrilen Auftritt mit einer Deutschlandfahne, die er über seiner Stuhllehne drapierte. Ich wollte mich davon bewusst nicht provozieren lassen", resümiert der Moderator rückblickend. Statt ihn direkt anzugehen, habe sich Jauch dafür entschieden, ihn sich in der Sendung "selbst entlarven" zu lassen. "Ich würde ihn heute nicht mehr einladen", stellt er abschließend dazu klar.

(ju)

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