Jamal Musiala (l.) spielte bereits während der EM für das DFB-Team. Florian Wirtz gewann mit der U21 die Europameisterschaft.
Jamal Musiala (l.) spielte bereits während der EM für das DFB-Team. Florian Wirtz gewann mit der U21 die Europameisterschaft. Bild: augenklick/firo Sportphoto / firo Sportphoto/J¸rgen Fromme
Analyse

"Von ihrer Qualität begeistert": Wie zahlreiche Jungstars für eine Aufbruchstimmung beim DFB-Team sorgen

08.10.2021, 16:20

Als Bundestrainer Hansi Flick seine Aufzählung beginnt, kommt er aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. "Egal, ob David Raum, Nico Schlotterbeck, Florian Wirtz oder Jamal Musiala – jeder, den wir dabei haben, hat enorme Qualitäten", sagte der Bundestrainer auf der Pressekonferenz vor dem WM-Qualifikationsspiel der DFB-Elf am Freitagabend (20.45 Uhr) gegen Rumänien.

Damit unterstrich Flick einmal mehr den neuen Weg, den die deutsche Mannschaft in Richtung WM in Katar 2022 und EM im eigenen Land im Jahr 2024 geht.

Lange Zeit gab es enorme Kritik an der Nachwuchsarbeit des DFB-Teams, dass keine schlagkräftigen Talente nachrücken würden. Doch nun sorgen besonders die Jungstars dafür, dass bei der Nationalmannschaft unter dem neuen Bundestrainer eine Aufbruchstimmung entsteht.

"Das tut ganz gut und ist für die Mannschaft ein guter Prozess, der da eingeleitet wird."
Bundestrainer Hansi Flick zur Verjüngung der DFB-Elf

Spielweise, die alle begeistert

"Wir haben immer über den deutschen Nachwuchs gesprochen und jetzt haben wir drei ganz junge Spieler dabei", sagte Flick mit Blick auf Musiala (18 Jahre), Karim Adeyemi (19) und Florian Wirtz (18), dessen Entwicklung er nochmal besonders hervorhob.

Hinzu kommen noch die U-21-Europameister Nico Schlotterbeck (21) und David Raum (23) und Champions-League-Sieger Kai Havertz, der mit seinen 22 Jahren und 20 Länderspielen bereits zu den erfahrenen Nationalspielern zählt.

Dabei ist es vor allem die Spielweise, mit der die Offensiv-Nachwuchsstars Musiala, Adeyemi und Wirtz die Verantwortlichen begeistern. Denn spätestens mit dem WM-Titel 2014 stand in der Ausbildung des DFB, nicht die individuelle Genialität eines Einzelkönners im Vordergrund, sondern "die Mannschaft". So stellte auch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff unter der Woche klar, was sich zukünftig in der Nachwuchsarbeit ändern muss. "Der Spieler muss im Mittelpunkt stehen, nicht das System. Die Freude am Fußball und die Förderung der Individualität muss im Vordergrund stehen."

Musiala, der aufgrund seiner dünnen Beine von seinen Mitspielern "Bambi" getauft wurde, Adeyemi und Wirtz verkörpern genau das. Natürlich stellen auch sie den mannschaftlichen Erfolg in den Mittelpunkt, aber mit ihren Dribblings und Tempoläufen kreieren sie immer wieder gefährliche Situationen. Bestes Beispiel ist dabei wohl Adeyemis Premierentor im DFB-Trikot gegen Armenien, das er selbst mit einem Hackentrick einleite und nach einem Doppelpass mit Wirtz sehenswert vollendete.

Mit ihrer Unbekümmertheit tragen sie dazu bei, dass die Fans sich wieder langsam mit dem DFB-Team identifizieren.

Beeindruckende Persönlichkeiten

Beim Qualifikations-Dreierpack im September gegen Liechtenstein, Armenien und auf Island verhalf der Bundestrainer Wirtz, Adeyemi und Raum zu deren Debüts. "Das tut ganz gut und ist für die Mannschaft ein guter Prozess, der da eingeleitet wird", sagte Flick. Und so kann auch Schlotterbeck, der bisher eine herausragende Saison beim noch ungeschlagenen SC Freiburg spielt, auf seine ersten Minuten im Spiel gegen Rumänien oder am Montag in Armenien hoffen.

Nico Schlotterbeck (l.) und David Raum (Mitte) im<br> Trainingsduell.
Nico Schlotterbeck (l.) und David Raum (Mitte) im
Trainingsduell.
Bild: GES-Sportfoto / Markus Gilliar

Dabei ist es nicht nur die sportliche Qualität, die die Jungstars mitbringen, sondern auch ihre ruhige, zurückhaltende Art, die sie so wertvoll für das Team machen. Immer wieder betonten Mitspieler und Mannschaftsverantwortliche, dass die Nachwuchsstars komplett auf dem Boden geblieben und sehr wissbegierig sind.

So wiederholten auch Schlotterbeck und Raum auf einer Pressekonferenz am Mittwoch immer wieder, wie viel sie von ihren Positionskonkurrenten wie Robin Gosens, Niklas Süle und Antonio Rüdiger noch lernen können.

Ein bisschen erinnert es an die Phase des WM-Teams 2010 als die Fußballwelt über den temporeichen und unbeschwerten Spielstil einer DFB-Elf mit einem 20-jährigen Thomas Müller und einem 21-jährigen Mesut Özil staunte.

Raum vor Startelf-Debüt

Außenverteidiger David Raum kann beim Spiel am Freitagabend gegen Rumänien aber nicht von Robin Gosens lernen, sondern ihn womöglich sogar in der Startelf ersetzen. Den gleichen Offensivdrang hat er zumindest – in der vergangenen Saison bereitete er in der 2. Bundesliga bei Greuther Fürth 16 Tore vor.

Denn aufgrund der Verletzung des etatmäßigen Außenverteidigers Gosens, der sich in der vergangenen Woche in der Champions League einen Sehnenabriss im Oberschenkel zuzog, ist der Platz auf der linken Defensivseite frei. Zumal mit Thilo Kehrer ein weiterer Konkurrent wegen einer Erkältung in den vergangenen Wochen nur wenig Spielpraxis sammeln konnte.

Raum wollte dieses Thema gar nicht so hoch hängen, sondern unterstrich vor allem, wie froh er ist, ein Teil des Teams zu sein und sich weiterzuentwickeln. "Es ist schön, dass ich wieder eingeladen wurde. Ich gebe im Training mein bestes und dann wird man sehen, ob ich Einsatzzeit bekomme."

Flick will Talente weiter fördern

Dabei könnten die Jungstars nicht die letzten sein, die bei Flick ihr Debüt im Nationalteam feiern. Gut möglich, dass auch BVB-Wunderstürmer Yousouffa Moukoko im kommenden Jahr eine Einladung von Hansi Flick erhält.

"Wir haben in Deutschland eine gute Struktur und gute Talent. Wir können und müssen in Zukunft aber einiges besser machen. Ich bin bereit, ein Teil dessen zu sein und diesen Weg mitzugehen", erklärte Flick am Donnerstag.

So kündigte der Bundestrainer schon längst an, dass er bei ähnlicher Qualität zweier Spieler auf einer Position auf den Jüngeren setzen wolle.

Gemeinsam mit Jamal Musiala ragt aktuell aber noch Florian Wirtz in der DFB-Auswahl aus der nächsten Generation hinter Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Serge Gnabry und Leroy Sané heraus. Es sei "immer wieder spannend zu sehen, wie junge Spieler nachrücken, wie schnell sie sich an das hohe Niveau anpassen und selbst Akzente setzen", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff.

Jamal Musiala (l.), Karim Adeyemi (Nummer 13) und Florian Wirtz jubeln mit Leader Leon Goretzka.
Jamal Musiala (l.), Karim Adeyemi (Nummer 13) und Florian Wirtz jubeln mit Leader Leon Goretzka. Bild: www.imago-images.de / ULMER

Generation um Kimmich und Goretzka noch nicht auf dem Leistungszenit

Dabei sind auch die aktuellen Leistungssträger des DFB-Teams mit Kimmich, Goretzka, Gnabry und Sané mit gerade einmal 26 Jahren noch lange nicht auf ihrem eigentlichen Leistungszenit angekommen.

"Man merkt ihnen den Glauben und die Freude an, dass sie mit dem Wunsch herkommen, etwas Neues aufzubauen", sagte auch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Und vielleicht beginnen sie damit schon bei der WM im Winter 2022 in Katar.

"Volle Stadien wie Brandbeschleuniger": Epidemiologen kritisieren Vollauslastung bei Bundesliga-Spielen

Der Jubel kannte keine Grenzen. 4:1 besiegte der 1. FC Köln am Samstagnachmittag im Derby Borussia Mönchengladbach. Für viele Anhänger beider Mannschaften ist es das wichtigste Spiel der Saison. Allerdings geriet das sportliche Ergebnis in den Hintergrund. Vielmehr wurde sich darüber aufgeregt, dass 50.000 Fans im Stadion waren und damit Vollauslastung in Köln herrschte.

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