"Befremdlich, wenn man mich 'sie' nennt" – Conchita Wurst tritt künftig als Mann auf

06.09.2018, 14:56

"Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei" – und das auch in diesem Fall, denn Kunstfigur Conchita Wurst, die 2014 für Österreich den Sieg beim Eurovision Song Contest holte, hat sich seitdem zweimal komplett neu erfunden. Künftig möchte Conchita als Mann auftreten. 

Conchita beim ESC 2014.
Conchita beim ESC 2014.
Bild: imago/Hollandse Hoogte

2015 war erstmals Schluss mit Wurst: In seinem Buch "Ich, Conchita – Meine Geschichte. We are unstoppable" nannte er sich nur noch "Conchita", ohne Nachnamen. Die Kunstfigur, die 2014 noch in Drag-Montur auf der Bühne in Kopenhagen mit "Rise Like a Phoenix" den ESC gewann, schaffte erst ihren lustigen Nachnamen ab – und möchte heute auch nicht mehr als Frau betrachtet werden.

Er identifiziert sich jetzt als Mann, verriet er im Interview mit Bild – und diese Verwandlung ist auf aktuellen Fotos deutlich zu sehen:

Die lange Wallemähne ist ab, der Bart deutlich länger, und das Make-up viel dezenter:

Wie kam es dazu?

Seit seinem Sieg beim ESC hat sich für Conchita vieles verändert – nicht nur beruflich, sondern ebenso privat. Nachdem ihn ein Ex-Freund erpresst hatte, outete sich Conchita öffentlich als HIV-positiv; ein mutiger Schritt, für den er in den Medien bejubelt wurde.

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heute ist der tag gekommen, mich für den rest meines lebens von einem damoklesschwert zu befreien: ich bin seit vielen jahren hiv-positiv. das ist für die öffentlichkeit eigentlich irrelevant, aber ein ex-freund droht mir, mit dieser privaten information an die öffentlichkeit zu gehen, und ich gebe auch in zukunft niemandem das recht, mir angst zu machen und mein leben derart zu beeinflussen. seit ich die diagnose erhalten habe, bin ich in medizinischer behandlung, und seit vielen jahren unterbrechungsfrei unter der nachweisgrenze, damit also nicht in der lage, den virus weiter zu geben. ich wollte aus mehreren gründen bisher nicht damit an die öffentlichkeit gehen, nur zwei davon will ich hier nennen: der wichtigste war mir meine familie, die seit dem ersten tag bescheid weiss und mich bedingungslos unterstützt hat. ihnen hätte ich die aufmerksamkeit für den hiv-status ihres sohnes, enkels und bruders gerne erspart. genauso wissen meine freunde seit geraumer zeit bescheid und gehen in einer unbefangenheit damit um, die ich jeder und jedem betroffenen wünschen würde. zweitens ist es eine information, die meiner meinung nach hauptsächlich für diejenigen menschen von relevanz ist, mit denen sexueller kontakt infrage kommt. coming out ist besser als von dritten geoutet zu werden. ich hoffe, mut zu machen und einen weiteren schritt zu setzen gegen die stigmatisierung von menschen, die sich durch ihr eigenes verhalten oder aber unverschuldet mit hiv infiziert haben. an meine fans: die information über meinen hiv-status mag neu für euch sein – mein status ist es nicht! es geht mir gesundheitlich gut, und ich bin stärker, motivierter und befreiter denn je. danke für eure unterstützung!

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Und auch in Hinsicht auf seine geschlechtliche Identität hat sich in Conchitas Leben vieles getan: "Es hat sich irgendwann unangenehm angefühlt, als Frau gesehen zu werden – genau wie es sich vorher unangenehm angefühlt hat, als 'Er' angesprochen zu werden. Jetzt finde ich es befremdlich, wenn mich jemand 'Sie' nennt."

Aber was ist mit denen, die weder "Er" noch "Sie" genannt werden wollen?

Der Auslöser dafür war der Sport, mit dem Conchita vor drei Jahren begann, um die viele Zeit im Flugzeug auszugleichen. "Damals war es eine große Mühe für mich, trainieren zu gehen und heute kann ich schon fast nicht mehr ohne. Daraufhin hat diese Gesamtveränderung ihren Lauf genommen."

Seinen Künstlernamen behält Conchita, der eigentlich Thomas Neuwirth heißt – zumindest vorerst. Langfristig kann es sein, dass auch der dem neuen Image zuliebe weichen muss: "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht darüber nachgedacht habe – weil Conchita eben ein Frauenname ist."

Wie gefällt euch Conchitas neuer Look?

Apropos Männer! Lieber Conchita, werd' bloß nicht so einer:

Video: watson/Lia Haubner, Marius Notter

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