Joyce Ilg hat ein Video-Statement bei Instagram veröffentlicht.
Joyce Ilg hat ein Video-Statement bei Instagram veröffentlicht.Bild: imago images / imago images

Shitstorm nach makabrem Witz: Joyce Ilg meldet sich zu Wort – "bin selbst Opfer"

27.04.2022, 11:25

Vergangene Woche hatte Schauspielerin und Youtuberin Joace Ilg für viel Wirbel gesorgt, als sie ein Foto von sich und Comedian Luke Mockridge auf ihrem Instagram-Kanal gepostet hatte. Darunter hatte Ilg geschrieben: "Hat hier irgendwer von euch Eier gefunden? Ich hab nur ein paar K.O.-Tropfen bekommen."

Die 38-Jährige wurde von vielen Followern und bekannten Persönlichkeiten für diesen Spruch kritisiert. Influencerin Medeleine Darya Alizadeh, bekannt als "Dariadaria" kommentierte bespielsweise: "Verharmlosung von sexualisierter Gewalt gegen Frauen. Wow, selten so gelacht." Auch Autorin Jasmina Kuhnke alias "Quattromilf" schrieb: "Was soll dieser Seitenhieb, der auf Kosten von Opfern sexualisierter Gewalt geht?" Die Autorin Sophie Passmann meldete sich ebenfalls unter dem Post und schrieb: "Der Witz ist handwerklich so schlecht geschrieben, der könnte von Luke Mockridge sein."

Als Reaktion auf den "Shitstorm" kündigte Joyce Ilg in einem weiteren Instagram-Post an, über das Thema mit ihren Followern sprechen zu wollen. Wörtlich schrieb sie: "Sollten wir neben Humorgrenzen nicht auch mal über Shitstormgrenzen reden?" Sie habe schon "eine Idee", wie sie mit ihren Kritikern ins offene Gespräch kommen könne. Diese Ankündigung hat sie nun wahrgemacht und am Dienstag ein knapp 12-minütiges Video-Statement gepostet.

"Ich armes Opfer habe jetzt einen Shitstorm"

Im Video-Statement, das sie als "Teil 1" gekennzeichnet hat, erklärt Joyce, wieso sie nicht entschuldigt hat, sondern stattdessen ein Video postet:

"Viele Leute ziehen aufgrund des Drucks zurück und entschuldigen sich. Das wollte ich nicht machen."

Sie habe das Gefühl, dass derartige Entschuldigungen von Prominenten nach "Shitstorms" nur durch äußeren Druck entstünden.

Weiter erzählt die Youtuberin, dass sie über die "Grenzen in dieser Gesellschaft" sprechen wollen würde. Sowohl, was Humor "darf", als auch wie weit ein Shitstorm gehen dürfe. Sie stellt klar: "Das sollte nicht heißen: 'Ich armes Opfer habe jetzt einen Shitstorm.' So ist es nicht." Trotzdem kritisiert sie die öffentliche Gegenreaktion auf ihren Post: "Ich höre mir gerne die andere Seite an. Aber es war eine Überflutung."

"Ich bin Opfer von Dingen geworden"

Joyce Ilg erklärt, dass die Wut und der Hass, den sie erfahren habe, aus einer Traurigkeit resultiere und findet "diese Gefühle dürfen da sein". Sie selbst sei "Opfer von Dingen geworden, wo ich noch nicht den Mut hatte, mich zu äußern. Ich würde mich nicht über die persönliche Leidensgeschichte einer Person lustig machen." Sie verstehe jedoch, dass Betroffene, ihren "Gag" auf sich beziehen würden. "Ich würde nie sagen: 'K.O.-Tropfen sind harmlos'. Wie krass wäre das denn?"

Immer wieder rechtfertigt Ilg ihren "Witz" auch damit, dass sie Zuspruch von anderen dafür erhalten habe: "Mir haben viele Menschen, die Opfer von K.O.-Tropfen geworden sind, geschrieben, dass sie den Gag nicht schlimm fanden." Auch prominente Freunde würden im Hintergrund noch zu ihr stehen, wie Ilg verrät:

"Ihr glaubt gar nicht, wie viele Prominente mich angerufen haben, dass sie hinter mir stehen, aber das in der Öffentlichkeit aus Angst um ihre Karriere nicht tun können."

Es hagelt Kritik

Wenig überraschend kommt dieses Video-Statement bei vielen nicht gut an. Ein User kritisiert beispielsweise: "Einen geschmacklosen 'Witz' zu machen und sich dann vollkommen uneinsichtig zur Rächerin des Humors zu stilisieren, ist nicht nur unangenehm mit anzusehen/anzuhören, sondern tatsächlich auch größenwahnsinnig."

Eine weitere Instagram-Nutzerin schreibt: "Kontext ist das Zauberwort! Es darf beziehungsweise soll nicht jeder oder jede sich lustig machen über alles. Und dann noch zusammen mit einer Reizfigur. War einfach geschmacklos. Und der Gag sehr, sehr schlecht."

Viele Zuschauer äußern in den Kommentaren den Eindruck, dass es Joyce vor allem um ihre eigene Perspektive und nicht die Opfer von sexualisierter Gewalt gehe. Sie entschuldige sich im Video-Statement zwar, schob aber die Bedingung "wenn ich jemanden ernsthaft verletzt habe" nach. Eine Userin schreibt dazu: "Ich höre nur Rechtfertigungen und leeres Gerede 'nehme eure Gefühle ernst, ABER ich ich ich ich ich'". Ein andere Nutzer meint: "Nonpology at its finest".

(si)

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