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Nelson Müller und Ralf Zacherl sind erfolgreiche TV-Köche. Bild: imago images/ biky/ Horst Galuschka

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"Kurzarbeit reicht nicht": TV-Köche Nelson Müller und Ralf Zacherl ziehen Corona-Bilanz

Nach zwei Monaten Lockdown wurden die Corona-Maßnahmen wieder gelockert. Restaurants, Hotels oder Cafés dürfen in fast allen Bundesländern mit Auflagen wieder öffnen. Doch von Normalität kann noch keine Rede sein. Die Betreiber der Lokalitäten müssen sich an strikte Vorgaben halten. In vielen Bereichen wird gefordert, dass die Gäste vor Ort ihre Kontaktdaten hinterlegen müssen. Die Abstandsregeln gelten nach wie vor, meist müssen sich auch die Gäste vor dem Eintritt in das Lokal die Hände desinfizieren.

Die Gastronomen sind von den wirtschaftlichen Folgen stark getroffen, da sie bis vor Kurzem nur Take-Away anbieten durften und viele ihrer Mitarbeiter, wie viele andere Unternehmen auch, in Kurzarbeit schicken mussten. Dabei steht vielerorts die Existenz auf dem Spiel.

Die beliebten TV-Köche Nelson Müller und Ralf Zacherl erklären watson, wie es nach der Wiedereröffnung um ihre Betriebe steht und wie sie durch die Krise kommen. Dabei schlägt besonders Zacherl ernste Töne an.

Nelson Müller: "Angst, Geld zu verlieren"

Nelson Müller betreibt seit 2009 das Essener Restaurant "Schote" und seit 2014 die Brasserie "Müllers auf der Rü". Er zählt zu den bekanntesten Köchen Deutschlands. 2011 wurde ihm der Michelin-Stern verliehen. Trotz seines großen Erfolges hat er nun mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu kämpfen. Kurz nach dem Lockdown erklärte er watson bereits: "Wir mussten schließen, wie alle anderen auch. Entsprechend melden wir demnächst die Kurzarbeit an." Auf die Frage, wie er sich nun fühlt, da die Restaurants wieder öffnen dürfen, antwortet er:

"Ich habe Hoffnung auf der einen Seite, aber auch die Angst, Geld zu verlieren, da man einkauft und die Crew wieder für die Gäste bereitsteht, die dann aber vielleicht nicht kommen."

Den gewünschten Hygiene-Anforderungen kommt Müller in seinen Lokalitäten nach: "Von Trennwänden als bauliche Maßnahmen bis hin zum Abstand zwischen den Tischen und dem eigenen Hygienekonzept (Desinfektionsspender, laminierte Speisekarten, Masken) setzen wir alle erforderlichen Maßnahmen um." Doch besonders das Konzept der Kurzarbeit macht ihm zu schaffen, wie er offenbart: "Kurzarbeit ist grundsätzlich gut, da es Arbeitsplätze sichert, reicht für viele aber auch nicht aus, um alle Kosten zu bestreiten." Und weiter:

"Um die Qualität zu halten, die wir in unseren Restaurants versprechen, können wir es uns eigentlich nicht leisten, viele Mitarbeiter bei geöffneten Restaurants in Kurzarbeit zu lassen."

Dennoch zeigt sich der 41-Jährige optimistisch: "Wenn sich die Lage weiterhin, wie es sich momentan abzeichnet, so stabil hält und der Sommer gut wird, werden wir schnell wieder zu unserem gewohnten Leben zurückfinden!"

Anders sieht es da bei TV-Kollege Ralf Zacherl aus.

Ralf Zacherl: "Falls wir das nicht schaffen, werden wir schließen müssen"

Ralf Zacherl führt seit 2014 mit Mario Kotaska in Berlin das Restaurant "Schmidt Z&KO". Zudem haben die beiden auch die "Genussschule", wo sie regelmäßig Themenkochkurse anbieten. Falls er nicht selbst in der Küche steht, können ihm seine Fans auch bei der "Küchenschlacht" im ZDF beim Kochen zuschauen. Doch seine wichtigste Aufgabe ist derzeit sein eigener Betrieb.

Nach den verkündeten Maßnahmen sagte Zacherl noch zu watson: "Kurzarbeit ist in Planung, wenn die Schließung nun noch länger anhalten sollte." Dieser Fall ist nun eingetreten. "Wir haben im Augenblick noch mehrere Mitarbeiter in der Kurzarbeit. Aufgrund der Abstände und den damit verbundenen deutlich geringeren Gästen, geht es nicht anders", sagt er nun. Wie es ihm nach der Wiedereröffnung geht, verrät er ebenfalls:

"Grundsätzlich gut, aber man vermisst die Stimmung eines vollen Restaurants. So ist das schon ganz anders. Aber Gesundheit geht vor allem anderen vor."

Auch der 49-Jährige hat sein Restaurant aufgrund der geforderten Maßnahmen verändert:

"Wir haben ein neues Hygienekonzept: Alle Gäste werden platziert, es gibt einen neuen Ablauf im Mittagsservice, alle Tische haben 2 Meter Abstand, es gibt nur noch 60 Prozent der Sitzplätze, alle Gäste müssen ein Datenblatt ausfüllen mit Namen und Telefonnummer und bestätigen, dass sie sich gesund fühlen. Diese Daten werden von uns vier Wochen gelagert und dann vernichtet."

Seine Zukunftsprognose zeigt deutlich, wie schlimm es um die Gastronomie-Szene steht. Zacherl erklärt: "Wir werden die nächsten Wochen entscheiden, wie wir unser Konzept den neuen Bedingungen anpassen können. Falls wir das nicht schaffen, werden wir schließen müssen."

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    Alle Leser-Kommentare
  • Cassie 24.05.2020 10:29
    Highlight Highlight Durch Corona wird uns allen vor Augen geführt,was wirklich wichtig und wirklich lebenswichtig ist und was überflüssig und wirklich Luxus ist.Viele werden nun bewusster ihr hart verdientes Gehalt ausgeben,den Groschen praktisch zweimal umdrehen,überflüssige Käufe vermeiden.Corona war wie ein wachrütteln,sich an die wirklichen Werte zu erinnern.Sollte mal wieder Normalität einsetzen im Alltag,sitzt der Cent auch wieder lockerer,man geht dann wieder shoppen und chic Essen ohne Warteschlangen und Masken.Einen Arbeitslosen fragt auch Niemand wie er mit lächerlichen 60 % vom letzen Gehalt klarkommt.

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