Unterhaltung
 Barbara Schöneberger, Günther Jauch (l.) und Thomas Gottschalk wussten zu Beginn der Live-Show weder, wer von ihnen moderieren wird, noch, wer als Team spielen wird, geschweige denn, gegen welche prominenten Kandidaten sie antreten werden.  

Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf TVNOW gestattet.

Moderatoren auf Abstand: Szene aus "Denn sie wissen nicht, was passiert - Die Jauch-Gottschalk-Schöneberger-Show" auf RTL. Bild: TV Now

Analyse

Zwei Monate Corona-TV – welcher Sender auftrumpft und wer zu kämpfen hat

Seit dem deutschlandweiten Lockdown am 15. März hat sich das Leben vieler Menschen vor allem auf zwei Bereiche verlagert: in die Parks und auf die heimische Couch. Dabei wird nicht nur Netflix gebingt: In einer Umfrage der Mediaagentur Pilot gaben Mitte April rund 17 Prozent der Befragten an, in der Coronakrise häufiger linear fernzusehen. Durchschnittlich verbringen die Deutschen aktuell 252 Minuten vor dem TV. Eine Tatsache, die den Fernsehsendern aktuell zugutekommt, sie aber auch vor neue Herausforderungen stellt.

Watson berichtete in den vergangenen zwei Monaten ausführlich über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Fernsehlandschaft, sprach mit Moderatoren und Machern, analysierte Umstrukturierungen bei TV-Talks und den Umgang mit Hygiene-Vorschriften.

Während es sich aufgrund der unübersichtlichen Nachrichtenlage fast schon von selbst versteht, dass das Zuschauerinteresse an den großen News-Formaten deutlich zugenommen hat und die Sender somit auf das gesteigerte Informations-Bedürfnis der Bevölkerung reagieren müssen, sieht es beim Thema Unterhaltungsshows nicht so eindeutig aus.

Welche Art von Entertainment brauchen die Fernsehzuschauer aktuell? Was kommt an, was überspannt den Bogen? Und welches Konzept funktioniert auch mit Corona-Umstrukturierungen? Eine inhaltliche, von Quoten losgelöste Analyse der großen Gewinner und Verlierer.

Der große Gewinner: ProSieben

Es ist nicht alles TV-Gold, was ProSieben seinen Zuschauern in den vergangenen zwei Monaten seit Beginn des großen Lockdowns auftischte. Doch dem Sender aus Unterföhring gelang es in den vergangenen Wochen gleich mehrfach, mit seinen Shows zum talk of the town zu werden. Dazu zählt unter anderem das Finale von "The Masked Singer", das die Showproduzenten auch ohne Publikum kurzweilig auf die Bühne brachten. Der eingespielte Applaus störte nur bedingt, Moderator Matthias Opdenhövel gab in seiner Musical-Opening-Nummer als "The Greatest Showman"-Zirkusdompteur eine der wohl ironischsten und unterhaltsamsten Auftritte seiner Karriere ab.

Coronabedingt war auch ein Novum, das ProSieben Sender-Dino Stefan Raab zu verdanken hatte: Als Ersatz für den abgesagten ESC in Rotterdam veranstaltete man kurzerhand einen eigenen Gesangswettbewerb, den "Free ESC".

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Conchita Wurst und Steven Gätjen moderierten den "Free ESC". Bild: Screenshot ProSieben

Raab ließ sich nicht nur dazu hinreißen, nach Jahren in der Versenkung wieder in einer Primetime-Show aufzutreten, auch 16 teils sehr bekannte Sänger konnte der Sender für die Musikshow verpflichten, die live im Studio (und mit Abstand) performten. Angesichts dieser Tage eine Top-Aktion, die den Zuschauern ein Gefühl einer ganz normalen großen Samstagabendshow wieder näherbrachte.

Joko und Klaas schaffen große TV-Momente

Um bei der großen Show zu bleiben: Das Revival von "Joko und Klaas gegen ProSieben" war weit vor Beginn der Corona-Krise aufgezeichnet worden. Aber das, was die beiden Entertainer in ihren jeweils 15 Minuten gewonnener Sendezeit abfeuerten, bewegte die Nation. Im ersten Fall hatten sie die Pandemie-Newslage geschickt für sich genutzt, einfach ein RTL-Corona-Spezial abgefilmt und live bei ProSieben gezeigt. Die ewige Rivalität der Privatsender fand in der daraus resultierenden Twitter-Fehde ihren Höhepunkt, am Ende hatten sich aber alle wieder lieb. Vergangene Woche schnürte sich den Zuschauern die Kehle zu: Mit "Männerwelten" zeigten sie auf, wie sehr Frauen unter sexueller Belästigung leiden und rüttelten auf. TV-Momente, die im kollektiven Gedächtnis bleiben.

Außer Konkurrenz: ARD und ZDF

Blickt man von den privaten zu den öffentlich-rechtlichen Sendern, ist abgesehen von den neuen Abstandsregeln, die bei den Polit-Talks gelten, im Abendprogramm keine große Corona-Veränderung zu spüren. Shows wurden entweder vor der Pandemie aufgezeichnet oder funktionieren auch ohne Publikum gut. Einzig der ZDF-"Fernsehgarten" und das ARD-Format "Immer wieder sonntags" wirken in der Biergartenatmosphäre ohne Zuschauer befremdlich.

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Barbara Schöneberger beim ESC-Event der ARD. Bild: Screenshot ARD

Große Ausnahme in jüngster Zeit: Die deutsche Eurovision-Song-Contest-Show, in der Barbara Schöneberger den Gewinner der Herzen kürte. Trotz leerer Halle schaffte es vor allem Kommentatoren-Legende Peter Urban, bei den Fans für echte ESC-Stimmung zu sorgen.

Der große Verlierer: RTL

Als gut gemeintes Experiment startete der Kölner Sender seine "Quarantäne"-WG mit Oliver Pocher, Günther Jauch und Thomas Gottschalk, nur um das an sich innovative Live-Stream-Format nach drei Folgen wieder abzusetzen. Zu unkoordiniert wirkte die Diskussion um das Leben mit Corona, die Optik erinnerte wohl viele Zuschauer an nervtötende Videokonferenzen im Homeoffice.

Tag 3 in der

Kurzes Vergnügen: Die RTL"-Quarantäne-WG". Bild: TV Now

Rekapituliert man das Programm der vergangenen zwei Monate, macht sich ohnehin vieles am selben Personal fest. Auch die Jauch-Gottschalk-Schöneberger-Show "Denn sie wissen nicht, was passiert" schaffte trotz Corona den Sprung ins Live-TV. Doch so ganz ohne Publikum schien dem großen Showmaster Gottschalk die Sendung nicht zu schmecken. Zu oft wurde über (wenn auch wichtige) Abstandsregeln diskutiert, der 70-Jährige ließ einiges an seiner sonst so bekannten Schlagfertigkeit vermissen.

Oliver Pochers Omnipräsenz bei RTL

Pochers Präsenz dagegen wurde noch mehr aufgestockt. Neben besagtem Format und "5 gegen Jauch" spendierte RTL dem Comedian noch eine dritte Show (im Sommer wird eine vierte folgen): Seit vergangener Woche ist er mit seiner Frau Amira im Latenight-Format "Pocher – gefährlich ehrlich" zu sehen. Angeheizt von seinen Parodien auf die Influencer-Community macht er nun das im Live-TV, was seinem Instagram-Channel einen neuen Boom bescherte: sticheln. Ehefrau Amira blieb gegen ihren omnipräsenten Mann in der ersten Folge sehr im Hintergrund, könnte sich ihre Stellung als Leading Lady im deutschen Latenight aber noch erarbeiten.

Nur: Allein auf ein Steckenpferd, in diesem Fall Pocher, zu setzen, hat noch keinem Sender auf Dauer gutgetan. Mehr Vielfältigkeit im Show-Bereich würde RTL an dieser Stelle gut stehen. Zum Glück kommt bald die "Bachelorette" zurück...

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