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FC Bayern feiert 10. Titel in Folge: Wieso die Fußballwelt eine andere war, als der Meister noch BVB hieß

23.04.2022, 20:24

Nun ist es also wieder passiert. Der FC Bayern ist nach dem 3:1-Sieg gegen Borussia Dortmund (Tore: Gnabry, Lewandowski, Musiala und Can) zum zehnten Mal in Folge und zum insgesamt 32. Mal Deutscher Meister der Fußball-Bundesliga. Überraschend ist das für niemanden, eher eine Sache der Gewohnheit. Fast schon bemerkenswert ist nur die Tatsache, dass die Münchner erst drei Spieltage vor Schluss den Titelgewinn perfekt machten.

Es gab schon Spielzeiten, da tanzten die Münchner bereits Ende März – sieben Spieltage vor Schluss – mit der Schale durch das Berliner Olympiastadion.

Und es gab tatsächlich auch Zeiten, da kam der Deutsche Meister zweimal in Folge nicht aus München, sondern hieß 2011 und 2012 Borussia Dortmund.

Früher war alles anders. Ein Blick zurück.

Angesichts der Dortmunder Chancenlosigkeit im Titelrennen in den vergangenen Jahren klingt es fast wie eine Nacherzählung aus zwei Saisons bei der Fußballsimulation Fifa: Der BVB hatte unter Jürgen Klopp 2011 sieben Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten Leverkusen und sogar zehn auf den FC Bayern auf Rang drei. Und im Jahr darauf standen die Westfalen ebenfalls vor den Münchnern an der Tabellenspitze, mit acht Punkten mehr auf dem Konto.

Hinzu kam, dass die Bayern im DFB-Pokalfinale gegen Dortmund mit 2:5 untergingen. Doch seitdem hat sich in Fußball-Deutschland viel getan.

Vom EM-Aus durch Balotelli zum WM-Triumph 2014

Die Nationalmannschaft wurde erst im Sommer 2012 bei der EM von einem gewissen Mario Balotelli aus dem Turnier geschossen, nur um zwei Jahre später an der Spitze des Weltfußballs zu stehen. Beim WM-Titel 2014 standen übrigens noch vier Dortmunder Spieler im Aufgebot von Jogi Löw. Doch so steil es mit der Nationalmannschaft bergauf ging, so schnell ging es samt peinlichem WM-Vorrunden-Aus 2018 in Russland auch wieder bergab.

Mario Balotelli (r.) mit seinem ikonischen Jubel, nachdem er seinen zweiten Treffer gegen Deutschland erzielte.
Mario Balotelli (r.) mit seinem ikonischen Jubel, nachdem er seinen zweiten Treffer gegen Deutschland erzielte.null / imago images

Aktuell steht sie unter Bundestrainer Hansi Flick vor einem Neuanfang. Wenn der 56-Jährige seinen Kader für die Nations-League-Spiele im Sommer nominieren wird, ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass kein einziger Dortmunder Spieler dabei ist.

Absteiger Eintracht Frankfurt und Hannover in der Europa League

Und kaum zu glauben, dass sich Eintracht Frankfurt vom Absteiger am Ende der Saison 2011 zum mittlerweile gefürchteten Gegner in Europa entwickelt hat. In dieser Saison haben die Hessen sogar die große Chance, ins Finale der Europa League einzuziehen – vor zehn Jahren war das noch undenkbar.

Mit dem Abstieg 2011 "feierten" sich die Frankfurter Fans als "Deutscher Randale Meister". Heute schwärmt Fußballeuropa von dieser Fanszene.
Mit dem Abstieg 2011 "feierten" sich die Frankfurter Fans als "Deutscher Randale Meister". Heute schwärmt Fußballeuropa von dieser Fanszene.null / imago images

Es kann sich aber auch in eine ganz andere Richtung entwickeln. Aus potenziellen Bayern-Herausforderern, Vizemeistern oder zumindest Bundesliga-Gegnern können schnell Zweitligisten werden. Schalke (Platz 3), Hannover (7, Einzug in die Europa League), Bremen (9) , Nürnberg (10) und der Hamburger SV (15) waren in Dortmunds letzter Meistersaison noch Bundesligisten. Das damalige Schlusslicht Kaiserslautern musste zwischenzeitlich sogar Insolvenz anmelden, steht aktuell aber immerhin vor der Rückkehr in die 2. Bundesliga.

Übrigens: RB Leipzig verpasste zum gleichen Zeitpunkt knapp den Aufstieg aus der Regionalliga Nordost in die 3. Liga. Neben dem BVB sind die Sachsen in Zukunft wohl der einzig ernsthafte Kandidat, um den Bayern im Meisterrennen gefährlich zu werden.

An dieser Stelle ein kleines Rätsel zwischendurch: Wer war damals Trainer von RB? Na? Denk kurz darüber nach. Die Auflösung gibt es am Ende des Textes.

Die Hoffnung auf Spannung bleibt. Zumindest auf dem Papier

Doch alles Schwelgen in Erinnerungen hilft nichts. Am Ende der Saison 2021/22 stehen die Münchner ganz oben in der Tabelle der Bundesliga und sind wieder einmal Deutscher Meister. Und das natürlich auch hochverdient. An dieser Stelle: herzlichen Glückwunsch!

Seien wir ehrlich: Es scheint kaum vorstellbar, dass sich an diesem Endergebnis in Zukunft etwas ändern wird. Grob überschlagen wär's schon überraschend, wenn in den kommenden zehn Jahren nicht mindestens siebenmal der Deutsche Meister FC Bayern heißt. Auch wenn der BVB aktuell mit den Transfers von Süle plus eventuell Schlotterbeck und Adeyemi zumindest gefühlt aufrüstet und der FC Bayern in Sachen Personalplanung etwas planlos umherirrt, als wäre noch der 2012 entlassene Christian Nerlinger Sportdirektor der Münchner.

Weshalb der einzige Strohhalm die Hoffnung und ein erneuter kurzer Blick zurück ist. 2012 hätte auch noch niemand daran geglaubt, dass Deutschland 2014 tatsächlich Weltmeister wird. Und Ex-Leipzig-Trainer Thomas Oral (sei ehrlich, du wusstest es nicht, oder?) hat sich vermutlich auch nicht vorstellen können, dass sein Verein gut zehn Jahre später einer von ganz wenigen Vereinen ist, denen man zumindest theoretisch noch zutraut, dass irgendwann der Meister doch ausnahmsweise mal nicht der FC Bayern München ist.

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