Schule

Uni-Absage! Und dann bin ich Zeile für Zeile mein Scheitern durchgegangen

Bianca Xenia Jankovska
Bianca Xenia Jankovska

Liebe Bianca!
 
Ich hab mich rechtzeitig vor dem Abi erkundigt, an welchen Kunsthochschulen ich studieren möchte und sehr viel Arbeit und Mühen in meine Mappe(n) gesteckt. Letztlich hab ich mich sogar landesweit beworben, um im schlimmsten Fall irgendwo in Buxtehude unterzukommen – aber selbst bei meiner Drittwahl hab ich es nur in die zweite Runde geschafft und ein paar Wochen später die schriftliche Absage erhalten. 

In dem Moment als ich den Brief geöffnet habe und Zeile für Zeile mein Scheitern durchgehen konnte, hat es mir echt die Füße unter dem Boden weggerissen.

Ist dir so etwas auch schon mal passiert? Falls ja: Was hast du daraus gelernt? 

Grüße von Jung und Alternativlos

Wie war das für dich nach der Schule?

Lieber Jung und Alternativlos!  

Oh wie ich diese Zeit nicht vermisse, in der ich achtzehn war und das Gefühl hatte, mir stünde die Welt offen (Spoiler: Tut sie nicht), nur um nach ein paar gescheiterten Bewerbungen an Wiener Fachhochschulen zu merken: Puh, irgendwie hat da draußen doch niemand auf mich gewartet, auch wenn ich ganz gute Noten / ein bisschen Talent / pure Freude an meiner Schreiberei habe.  

Die schlechte Nachricht zuerst: Von der Wunschuni abgelehnt zu werden, ist ego-crushing. Big Time.

Das Warum steht im Raum wie ein nicht rechtzeitig vom Nachbar abgeholtes Paket von DHL und raubt dir den Schlaf inklusive Selbstwert, bis du nach drei Semestern an einer anderen, weniger hippen Uni drüber hinweg bist.

Das Gute ist: Du wirst immerhin nicht in Versuchung geführt aufgrund deines Universitätsausweises das Ego eines 55-jährigen tätowierten Ex-Rockstars zu entwickeln, dem Zeit seines Lebens von unterschiedlichen Groupies das Gefühl gegeben wurde, unersetzbar zu sein. Solange, bis er unleidbar wurde.    

Aber:

Lass dir deine Freude an der kreativen Arbeit nicht nehmen, nur weil du keine Institution hinter dir hast, die dir dafür die Berechtigung gibt.

Leidenschaft für etwas zu haben ist mehr wert, als ein Studienplatz, mehr wert als alle Kurse, die du online besuchen kannst. Denn nur diese ungefilterte, ungebrochene Leidenschaft, die du genau jetzt mit 18, 19 und Anfang 20 hast, wird dich dazu bringen, deinen Weg weiter zu verfolgen. Du bist nicht der einzige, der nicht angenommen wurde. Du bist sogar in der Mehrheit.  

Es gibt an jeder Uni – und sei sie noch so unrenommiert – verschiedenste Projekte und Kleingruppen, die sich in ihrer Freizeit zu Kollektiven vereinen, um Texte zu schreiben oder zu diskutieren; um zu malen oder eine Band zu gründen. Geh da hin, und lerne so viel du kannst von den Menschen, die da sind, ohne dich ständig zu ärgern, nicht bei "den richtigen" gelandet zu sein.  

Niemand kann garantieren, was zum Erfolg führt, sonst hätten wir alle welchen.

Eine Kunsthochschule schafft vielleicht soziale Kontakte, die den Einstieg erleichtern, aber so tut es auch das Internet. Auch wenn ich vieles daran kritisieren könnte: Das Internet hat mir geholfen, meinen Weg als selbstständige Autorin zu finden, indem ich so lange und hartnäckig an meinen Texten und Kanälen gearbeitet habe, bis ich gehört wurde.

Es braucht nur eine Person, die dich hört. Eine Person, die dir den ersten Job gibt.

Klar, es wird immer Menschen geben, die dir einen Auftrag oder vielleicht sogar einen Arbeitsplatz verwehren, weil du dieses oder jenes Zertifikat nicht hast. Aber ganz ehrlich: möchtest du mit denen zusammenarbeiten? Möchtest du mit jemandem zusammenarbeiten, der dich nur schätzt, wenn du wie Markenklamotten das Abschlusszeugnis einer vermeintlich renommierten Schule trägst? Was sagt das über ein Unternehmen aus?  

Eben.

Was würdest du 'Jung und Alternativlos' antworten? Schreib uns in die Kommentare.

Bianca Xenia Jankovska...

...hat bisher in vier Städten in drei Ländern gewohnt, die Sicherheit einer Festanstellung gegen konstante Ungewissheit getauscht und dabei unter anderem gelernt, dass man nicht ewig gegen seine inneren Neigungen arbeiten kann, ohne unglücklich zu werden. Als freie Autorin und Bloggerin schreibt sie über Machtstrukturen und persönliche Kämpfe auf dem Arbeitsmarkt und Privilegien, die manchmal selbst enge Freunde entzweien. Ihr erstes Buch "Das Millennial Manifest" erscheint im Herbst 2018.

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