Masked Singer

Thomas Anders bei der Enthüllung der "The Masked Singer"-Schildkröte. Bild: ProSieben/Willi Weber

Nach Seitenhieben auf Bohlen bei "Masked Singer" stellt Thomas Anders klar: "Rache hat keinen Stil"

Thomas Anders musste sich im großen "The Masked Singer"-Finale am Dienstagabend als erster von insgesamt vier Finalisten zu erkennen geben – wie bereits ein Großteil des Publikums vermutet hatte, steckte der Schlagersänger tatsächlich unter der Schildkröten-Maske.

Den besonderen Wiedererkennungswert konnte der ehemalige Modern-Talking-Sänger nicht ablegen. Und obwohl seine jahrelange Zusammenarbeit mit Dieter Bohlen weit hinter ihm liegt, seit 2003 gilt das Musiker-Duo als offiziell getrennt, kam der Poptitan auch in der ProSieben-Show zur Sprache: Der nervige Sidekick der Schildkröte war nämlich ein Papagei, der zu allem seinen Senf dazu gab.

Als bekannt wurde, dass Bohlen seinen Jury-Posten bei "Das Supertalent" und "DSDS" abgeben muss, stellte sich der Papagei eindeutig als Bohlen-Symbol bei "The Masked Singer" heraus. "Hier ist ein Platz frei geworden, Leute, und ich hab auch gerade Zeit. Ich erwarte heute hammermäßige Performances!", verkündete der Vogel vollmundig im Bohlen-Sprech zu Beginn einer "The Masked Singer"-Ausgabe.

Der Papagei bei

Der Papagei bei "The Masked Singer" mit Rateteam-Gast Katrin Bauerfeind. Bild: ProSieben / Willi Weber

Was Anders von diesen Anspielungen gehalten hat, wieso er wegen der Show vor allem Friseure gemieden hat und was er den zukünftigen "The Masked Singer"-Kandidaten rät, erzählte er im Interview mit watson.

watson: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer "The Masked Singer"-Platzierung?

Thomas Anders: Ich bin super happy, dass ich es ins Finale geschafft habe. Damit war mein Ziel, nicht gleich in der ersten Sendung rauszufliegen, definitiv übertroffen. Es war für mich auch einfach ein tolles und befreiendes Gefühl endlich die Maske abzunehmen.

"Ich hatte das Gefühl, dass es nach der ersten Sendung das öffentlichste Geheimnis Deutschlands war, dass ich die Schildkröte bin."

Wie haben Sie das Finale erlebt?

Man muss ganz klar sagen: Es war mit Abstand das schwierigste Finale, weil alle vier Finalistinnen und Finalisten Topsänger sind. Und das hat es vorher so noch nie gegeben. Am Ende liegt die Platzierung dann vielleicht an der Titelauswahl oder an der Sympathie für eine Maske. Egal, Hauptsache dabei sein, Hauptsache im Finale, Hauptsache Spaß gehabt zu haben.

Bei einem TV-Interview wurden Sie auf Ihre mögliche "The Masked Singer"-Teilnahme angesprochen. Wie haben Sie sich in dem Moment gefühlt, kurz vor der Enttarnung?

Man denkt natürlich: Hach, was muss ich jetzt hier erzählen, wo doch sowieso alle zu wissen glauben, dass ich es bin. Aber man muss dann konsequent mitspielen und versuchen, die Fährte umzulenken. Ich hatte das Gefühl, dass es nach der ersten Sendung das öffentlichste Geheimnis Deutschlands war, dass ich die Schildkröte bin. Am Ende waren es in der App 88 Prozent, die gesagt haben, dass ich es bin. Deshalb fand ich es auch so passend zu sagen: "Im Namen des Volkes, es ist Thomas Anders", so wie es Rea Garvey mal in Folge fünf gesagt hat.

Hat Ihr privates Umfeld Sie erkannt und wenn ja, woran?

Es war immer wieder die Stimme. Ich habe so oft gehört: "Du hast den ersten Ton gesungen und wir wussten, dass du es bist." Oder: "Es war so eine Phrasierung und wir wussten, dass du es bist." Und diese für mich ganz typischen Phrasierungen habe ich auch versucht mithilfe meines Vocalcoaches wegzulassen.

Und hat das geklappt?

Ich hatte mich bei dem ersten Song "In The Air Tonight" von Phil Collins so angestrengt und dachte noch: Der Song ist so weit weg von Thomas Anders, der Song hatte noch dazu ein besonderes Arrangement, da kann man nicht direkt drauf kommen. Tja, aber das Erste, das ich gelesen habe, war: "Das war eindeutig Thomas Anders".

"Meine Stimme trägt den Künstler Thomas Anders und dass die Leute das sofort erkennen, sehe ich auch als Kompliment."

Sie sind schon seit mehreren Jahrzehnten im Showgeschäft, meinten nach Ihrer Enttarnung aber dennoch, dass es Sie überrascht hat, dass der Wiedererkennungswert Ihrer Stimme so groß ist. Wie passt das zusammen?

Ich analysiere ja nicht meine Stimme und schaue dann, wie hoch der Wiedererkennungswert ist. Denn ich sehe mich als Gesamtperson, logischerweise. Wenn ich auftrete, sind Gesicht, Gestik und Stimme für mich ein zusammenhängender Kosmos. Unter der Maske großartig von Ausdruck sprechen ging auch nicht. Dass dann die Stimme aber allein so stark wahrgenommen wird, mit einem so hohen Wiedererkennungswert, damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. Aber im Umkehrschluss: Das ist wahrscheinlich einer der Gründe meines Erfolges. Wenn man wie ich seit 35, 36 Jahren so erfolgreich dabei ist, dann haben die Menschen sich auch daran gewöhnt und wissen, wie ich klinge.

Das ist ja auch ein großes Kompliment für Sie als Künstler.

Auf jeden Fall, das ist meine ID. Die Stimme hat mich zu dem gemacht, was ich künstlerisch bin. Meine Stimme trägt den Künstler Thomas Anders und dass die Leute das sofort erkennen, sehe ich auch als Kompliment. Das macht sie immerhin kaum austauschbar, so muss man es auch sehen.

"Notiert euch die Namen derjenigen, die ihr 'angelogen' habt, damit ihr am Tag danach wisst, bei wem ihr euch entschuldigen müsst."

Wer wusste von Ihrer "The Masked Singer"-Teilnahme?

Meine Frau und mein Sohn wussten es, und sonst nur diejenigen, die es wissen mussten. Und dann habe ich versucht, die letzten sechs Wochen so wenig wie möglich rauszugehen, damit ich nicht konfrontiert werde.

Was für Situationen meinen Sie damit konkret?

Ich bin extra nicht zum Friseur gegangen, damit ich nicht auf dem Stuhl sitze und nicht flüchten kann, wenn die Nachfrage zur Schildkröte kommt. Das wollte ich auf gar keinen Fall. Ich habe mich sehr zurückgehalten.

Haben Sie einen Tipp an künftige Kandidaten?

Ich kann nur jedem raten, der mir nachfolgt: Macht euch eine Liste, tippt sie ins Handy, notiert euch die Namen derjenigen, die ihr "angelogen" habt, damit ihr am Tag danach wisst, bei wem ihr euch entschuldigen müsst. (lacht)

Thomas Anders bei

Der Papagei und die Schildkröte bei "The Masked Singer". Bild: ProSieben / Willi / Weber

Was an Ihrem Kostüm hat es besonders schwer gemacht, darin zu performen?

Innerhalb von gut zehn Minuten sind Sie knapp 13 Kilo schwerer. Dann ist das Kostüm unten gepolstert, darüber kommt ein Ledermantel, im Rücken hatte man einen Panzer. In der einen Hand hatte ich das Mikrofon und in der anderen den Enterhaken. Ich konnte also immer nur mit dem Enterhaken rumfuchteln, ich konnte gar nichts anderes machen. Ich konnte nicht auf die Knie gehen, denn ansonsten wäre ich mit dem Panzer auf den Boden geknallt. Ich konnte mich aber auch nicht setzen, das ging ebenfalls durch den Panzer nicht. Es war eine sehr, sehr große Einschränkung. Ich habe aber versucht, soweit es ging, der Schildkröte Leben einzuhauchen.

Mit Erfolg! Trotz der Widrigkeiten...

Dann darf man auch den riesigen Kopf mit dem Hut nicht vergessen. Im Kopf waren drei Ventilatoren und man bekommt trotzdem kaum Luft. Wenn man sich bewegt und performt, war das körperlich schon sehr anstrengend. Wenn man es nicht mitgemacht hat, unterschätzt man es total.

Waren die anderen Masken Ihrer Meinung nach ähnlich anspruchsvoll?

Es gibt mit Sicherheit auch Masken, die leichter sind. Ich glaube, am schlimmsten hat es den Monstronauten getroffen. Und der Dinosaurier hatte das Problem, dass sein Gebiss so weit nach vorne ging, dass der Kopf drohte, nach vorne zu kippen. Man musste mit der Halsmuskulatur den Kopf immer nach hinten halten, damit das nicht passiert und trotzdem dann noch singen.

Sind Sie froh, das Kostüm bei der Auswahl erwischt zu haben?

Ich hätte mir zumindest kein anderes vorstellen können.

Zu Ihrem Kostüm gehörte ja auch ein ziemlich plärrender Papagei, der sich in der Staffel symbolisch als Dieter Bohlen herausstellte. Besonders in einer "The Masked Singer"-Ausgabe gab es eindeutige, aber auch fiese Verweise auf Bohlen ("Schnabel-Dieter, halt mal schön den Rand"). Was sagen Sie zu den Bemerkungen in der Ausgabe über Bohlen?

Das war nicht meine Idee. Ich wusste zwar, als ich das Kostüm bekam, dass auch ein Papagei zum Schildkröten-Kapitän gehört. Ich glaube aber, dass das zum damaligen Zeitpunkt gar nicht so in diesen persönlichen Kontext geschoben wurde und sich das erst entwickelt hat. Damit hat Matthias Opdenhövel dann auch gespielt und damit hat man dann plötzlich auch in den Indizien-Clips gespielt. Das war ein Selbstläufer.

"Da werden die Damen und Herren von RTL schon wissen, was sie tun."

Dieter Bohlen hat sich in seiner "DSDS"-Laufbahn ja auch nie mit fiesen Sprüchen gegenüber der Kandidaten zurückgehalten. Sehen Sie die Bemerkungen über ihn bei "The Masked Singer" vielleicht als Gegenschlag oder Ausgleich dazu?

Nein. Rache hat keinen Stil. Das braucht man nicht. Das ist etwas, da habe ich mich nie dran erlabt. Ich finde, am Ende zählt nur Qualität.

ARCHIV - 27.04.2019, Nordrhein-Westfalen, K

Dieter Bohlen war lange Zeit Juror bei "DSDS". Bild: dpa / Henning Kaiser

Denken Sie, dass "DSDS" und "Das Supertalent" ohne Dieter Bohlen eine Zukunft haben?

Also da möchte ich mich nicht zu äußern, denn das interessiert mich auch im Grunde nicht. Ich habe die Shows vorher auch nicht gesehen. Da wird RTL schon die richtige Entscheidung treffen und bei der jetzigen Entscheidung hat RTL sich sicher auch Gedanken gemacht, das wurde ja sicher nicht am Frühstückstisch besprochen. Da werden die Damen und Herren von RTL schon wissen, was sie tun.

Könnten Sie sich vorstellen, der Nachfolger von Bohlen in den Shows zu werden?

Nein. Das ist für mich sofort ausgeschlossen. Das wäre auch ein bisschen zu platt und das wäre zu sehr Effekthascherei. Ich würde es auch gar nicht machen wollen, weil das auch nicht mein Genre ist. Es geht mir nicht darum, junge Menschen irgendwie bewerten zu müssen, die oft kein Talent haben. Das will ich nicht.

Was steht in Zukunft bei Ihnen an?

In den kommenden Wochen habe ich viele weitere Fernsehaufzeichnungen für diverse andere Sendungen. Dann kommt am Freitag mein englischsprachiges Album, aber das ist für den internationalen Markt gedacht, für meine internationalen Fans. Seit sieben Jahren habe ich kein englischsprachiges Album mehr gemacht und jetzt sind die auch mal an der Reihe und nicht nur die deutschen Fans. Und dann geht schon die Vorbereitung für das nächste Album los. Außerdem ist da immer noch die Hoffnung, dass wir ab Sommer doch hin und wieder auftreten dürfen.

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