Moderatorin und Journalistin Visa Vie ist durch ihre Covid-Erkrankung Diabetikerin geworden.
Moderatorin und Journalistin Visa Vie ist durch ihre Covid-Erkrankung Diabetikerin geworden. Bild: Screenshot / Instagram / visavieofficial

Visa Vie teilt wichtige Bitte – und erntet dafür heftige Beschimpfungen

12.04.2022, 18:34

Für die Rap-Journalistin und Moderatorin Visa Vie hatte ihre Corona-Infektion äußerst unschöne Auswirkungen: Im Dezember gab sie auf Instagram preis, dass sie nach ihrer schweren Covid-Erkrankung Diabetikerin geworden ist und mit Long-Covid zu kämpfen hat. Auch jetzt, Monate später, machen sich die Langzeitfolgen der Infektion noch bemerkbar – bis heute ist auch durch fortwährende Selbstisolation ein Leben wie vor Corona für Visa Vie so gut wie unmöglich.

Visa Vie machte ihre Diagnose aber nicht ohne Hintergrund öffentlich. Sie klärt ihre Community regelmäßig über die Sorgen und Interessen von Long-Covid-Patienten auf und zeigt an ihrem Beispiel, dass die Pandemie trotz immer laxer werdender Maßnahmen eben noch lange nicht für alle Menschen vorbei ist. "Ich hab anhand eurer Nachrichten das Gefühl, dass (unter anderem) meine Situation ein paar Menschen sensibilisiert hat, sich und andere wieder mehr zu schützen. Ich würde es mir wirklich sehr wünschen, damit euch dieser ganze Wahnsinn einfach erspart bleibt", erklärte sie unter anderem auf Instagram.

Seit Anfang April gibt es nun in den meisten Bundesländern keine Maskenpflicht mehr im Einzelhandel, Menschen sollen eigenverantwortlich sich und andere schützen. Visa Vie forderte aufgrund ihrer Situation von der Öffentlichkeit, trotz dessen Rücksicht zu nehmen – und bekam dafür etliche Hass-Nachrichten im Netz.

Visa Vie macht Hassnachrichten wegen Masken-Aufforderung öffentlich

Ende vergangener Woche teilte die Visa Vie ein Foto auf Instagram, auf dem sie mit einer Maske zu sehen ist und schrieb dazu: "Wollte hiermit ein bisschen virtuelle Liebe und Dankbarkeit für alle Menschen da lassen, die aktuell weiterhin freiwillig Maske tragen (auch wenn's schönere Accessoires auf der Welt gibt und trotz inzwischen schon teilweise abwertender Blicke und unnötigen Kommentaren)!"

Visa Vie zeigt, was für Kommentare sie derzeit bekommt.
Visa Vie zeigt, was für Kommentare sie derzeit bekommt.Bild: Screenshot / Instagram / visavieofficial

Dafür gab es viel Zuspruch, aber auch viele Kommentare, die die Forderung von Visa Vie nicht nachvollziehen konnten. Die entsprechenden Bemerkungen teilte sie nun in einer Instagram-Story. Dort ist unter anderem zum freiwilligen Tragen einer Maske zu lesen: "Glücklicherweise wird hier in der Schweiz nicht so ein Tohuwabohu gemacht. Hier sind alle Maßnahmen aufgehoben. Wer sich schützen will, der soll das gerne tun und sich den Mundlappen vors Gesicht hängen. Oder sich im Keller einschließen."

Weitere Kommentatoren gingen noch weiter: "Ihr kommt jetzt mit Solidarität, ist klar, verpisst euch mal alle. Erst immer die Ungeimpften überall ausschließen und jetzt wollt ihr, dass man mit euch solidarisch ist" oder "Man, du Nuss. Es gibt keine Pandemie. Schau dich um. Blödsinn. Wach mal auf", ist unter anderem auf Screenshots in Visa Vies Story zu lesen.

Visa Vie kann wegen laxer Maßnahmen nicht mehr in den Supermarkt gehen

Die Einstellung der wenig solidarischen Kommentatoren sorgt bei Long-Covid-Patienten wie Visa Vie nun dafür, dass sie beispielsweise nicht mehr in Supermärkte gehen können. Das berichtete sie ebenfalls in ihrer Story: "In Brandenburg tragen übrigens 90 Prozent der Menschen beim Einkaufen keine Masken mehr (ist ja auch ihr 'gutes' Recht)." Auf dem Supermarkt-Parkplatz im Auto sitzend fügte sie außerdem an: "Irgendwie bezeichnende Situation, da nicht mehr reingehen zu können, u.a. wegen solcher Leute..."

Nicht nur körperliche, sondern auch psychische Folgen hat die Erkrankung für die 34-Jährige. Nach über "fünf Monaten Isolation" und dank PCR-Tests habe sie nun aber endlich wieder Zeit mit ihren Freunden verbringen können. "Ganz viel Natur und Musik und vor allem mentale Heilung erlebt", erklärte sie.

Dass die Politik aber auf Eigenverantwortung in dieser Phase der Pandemie setzt, hält sie jedoch für gescheitert. Es Menschen selbst zu überlassen, ob sie sich und andere mit Masken schützen, führe dazu, "dass man soziale Grundpfeiler wie Solidarität dafür vollends verdrängt und nur noch die individuelle, aber nicht mehr die gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt", urteilte Visa Vie auf Social Media.

(cfl)

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