Boy eating at a Mexican Restaurant

Schmeckt gut, kühlt, enthält aber oft nicht zertifiziertes Kokosfett aus den Tropen: Speiseeis. Bild: iStockphoto / Orbon Alija

Kokosfett aus den Tropen: WWF-Studie kritisiert deutsche Eis-Hersteller

Wenn die Temperaturen über die 25-Grad-Marke klettern, wandert die Hand fast automatisch in die Tiefkühltruhe: Sommerzeit ist Eiszeit. Doch so lecker und erfrischend das auch ist – nachhaltig ist das Eis der großen Hersteller oft nicht. Denn viele deutsche Speiseeis-Produzenten erfüllen offenbar nicht einmal minimalste Anforderungen an ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Das geht aus einer Studie der Umweltstiftung WWF Deutschland hervor. Demnach wird beispielsweise Kokosfett oft ohne Zertifizierung gekauft und Raps- und Sonnenblumenöl würden aus Übersee importiert.

Ausgerechnet der Trend unter Eisherstellern, vom verpönten Palmöl zu Kokosfett zu wechseln, ist dem WWF zufolge schlecht für die Umwelt. Denn Palmöl benötigt weniger Anbaufläche – der Ertrag der Ölpalme liegt mit durchschnittlich etwa 3,8 Tonnen Öl pro Hektar weit über dem von Kokosöl mit 0,7 Tonnen Öl pro Hektar.

Dem WWF zufolge bedroht der Anbau von Kokospalmen auch die Artenvielfalt – und zwar in einem noch höheren Maße als Palmöl, das beim Verbraucher stark vorbelastet ist und als umweltschädlich gilt. "Wer den Kunden nicht zertifiziertes Kokosöl als grüne Alternative verkauft, betreibt Augenwischerei", kritisierte die Referentin für Landnutzung und nachhaltige Biomasse beim WWF, Ilka Petersen.

Laut der WWF-Analyse setzen alle befragten Eishersteller und Verkäufer – bis auf das Unternehmen Friesland Campina – Kokosfett als Bestandteil ein. Langnese und Magnum-Produkte werden sogar ausschließlich mit Kokos als Pflanzenöl-Bestandteil hergestellt. Kein einziges Unternehmen achtete bei Kokos demnach auf ökologische und soziale Anforderungen bei der Produktion. Nur beim Palmöl geben inzwischen alle befragten Unternehmen an, zertifizierte Ware einzusetzen.

Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) hält dagegen: Es gebe weltweit nur wenig nachhaltig erzeugtes oder zertifiziertes Kokosfett. Grund sei unter anderem, dass für den Anbau von Kokospalmen kein Zertifizierungssystem für den industriellen Bereich bestehe, das mit dem Anbau von Ölpalmen vergleichbar sei. Zudem verarbeiten die deutschen Produzenten laut dem BDSI bei Speiseeis mit pflanzlichen Fetten schon seit langem nahezu ausschließlich Kokosfett. Einen Wechsel von Palmöl zu Kokosfett sei entgegen der WWF-Annahme in der jüngeren Zeit nicht erfolgt.

Lieber Bio- und Fairtrade-Eis schlecken

Kritisch ist der WWF-Studie zufolge jedoch nicht nur die Verwendung von Kokosfett. Erschwerend kommt hinzu, dass bei vielen Herstellern Raps- oder Sonnenblumenöle aus Australien, China, Lateinamerika oder Kanada importiert werden. Und gentechnikfreies, zertifiziertes Soja bekommen ausschließlich die Kühe, die für das Landliebe-Eis von Friesland Campina Milchfett und Sahne liefern. Fünf der 17 befragten Unternehmen gaben dem WWF zufolge überhaupt keine Auskunft.

Um einen Stopp der Regenwaldrodungen zu erwirken, fordert die Organisation daher ein Lieferkettengesetz. Dieses soll Unternehmen dazu verpflichten, Umweltstandards und Menschenrechte in ihren Produktionsketten zu beachten. Nach Aussagen des BDSI ist hierbei jedoch ein europäischer Standard erforderlich und nicht ein nationales Gesetz.

2019 wurden 557 Millionen Liter Eis in Deutschland konsumiert – 8,3 Liter pro Kopf. Dabei wurden rund 22.000 Tonnen Kokosfett verarbeitet. "Bezogen auf die Menge des 2019 in Deutschland hergestellten Speiseeises ist das ein Anteil von 5,5 Prozent", teilte der BDSI mit. Der bedeutendere Grundstoff beim Eis sei Milch.

Der WWF rät Verbrauchern trotzdem zu Eissorten mit Bio- oder Fairtrade-Zertifizierung. "Zahlreiche Eisdielen machen ihr Eis auch selbst und achten auf Bio-Zutaten", sagt Petersen. "Die gute Eisdiele nebenan kann Unterstützung gebrauchen. Denn der Anteil, den traditionelle Eisdielen am Eiskonsum haben, sinkt, sodass sich der Eismarkt auf wenige größere Hersteller und Verkäufer konzentriert."

(ftk/dpa)

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