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Frank Plasberg nimmt Schlachthof-Chef Heiner Manten ins Gebet. bild: screenshot ard

Plasberg verliert Geduld und redet auf Schlachthof-Chef ein

Dirk Krampitz

Im Zuge der Corona-Pandemie rückten Schlachthöfe wegen Masseninfektionen unter den dort Beschäftigten mit dem Virus in die Öffentlichkeit. Das ist gefühlt zwar nun schon wieder einige Zeit her im schnelllebigen Corona-Newsstrom, aber Frank Plasberg nimmt sich in seiner Sendung "Hart aber fair" diesem Seitenthema an.

"Corona im Schlachthof – sind uns Mensch und Tiere Wurst?", so lautet das Thema am Montagabend in der ARD.

"Käfighaltung kommt nicht nur bei Hühnern vor", sagt Frank Plasberg, regt aber auch an, dass die Verbraucher bzw. Zuschauer "mal im eigenen Kühlschrank" nachsehen, ob ihr Konsum von unter günstigsten Umständen produziertem Fleisch nicht Teil des Problems ist.

"Hart aber fair": Reporter berichtet von Missständen

Der Deutschlandfunk-Journalist Manfred Goetzke hat mit rumänischen Schlachthof-Arbeitern über ihre Arbeitsumstände gesprochen. Er beherrscht ihre Sprache, weil seine Mutter aus Rumänien kommt, und hatte so einen direkten Zugang.

Er erfuhr: Die bei Subunternehmern angestellten Arbeiter verdienen 1100 bis 1200 Brutto für zehn bis zwölf Stunden Arbeit an jeweils sechs Tagen in der Woche. Abgezogen werden vom Unternehmen 220 Euro fürs Bett und auch noch 25 Euro für Arbeitskleidung und 35 Euro Fahrgeld. Eine Rumänin habe ihm gesagt, dass sie im ersten Monat sogar keinen einzigen Euro wegen der Unkosten herausbekommen hätte. Im Durchschnitt bleiben 600 bis 700 Euro übrig.

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Reporter Götzke rechechierte in Fleischbetrieben. screenshot ard

Um Arbeitsschutz und Mindestlohn zu umgehen, sei es unter anderem gängig, den Arbeitern zwei Zeiterfassungskarten für die Doppelschichten zu geben, aber nur eine zu Schicht zu bezahlen. "Die Leute können sich nicht vorstellen, dass sie in Deutschland ausgebeutet werden", fasst der Journalist Goetzke seinen Eindruck zusammen. Aber genau das geschehe.

Auch die Investigativjournalistin Anette Dowideit ("Die Welt") hat über schlechte Bedingungen bei den Fleisch-Arbeitern recherchiert. Sie würden in hygienisch bedenklichen "Schrottimmobilien" wohnen, bis zu 400 Euro für ein Bett zahlen. Schutzkleidung? Fehlanzeige. "Es kommt ziemlich viel zusammen."

"Hart aber fair"-Moderator missachtet Mindestabstand

Heiner Manten ist Vorsitzender des Verbands der Fleischwirtschaft und Chef des Fleischproduzenten Manten-Fleisch. Und offenbar kein Talkshow-Profi.

Er formuliert umständlich, wirkt aufgeregt und er sieht das Problem eher nicht bei den Betrieben, sondern bei den Umständen. Zum Beispiel, weil es kalt sei bei der Arbeit. "In den Betrieben allein ist das Problem nicht zu suchen. Dass vier Leute zusammen wohnen, das kenne ich so nicht." Die Geschichten der Reporter könne er gar nicht glauben. Dann fragt er den Journalisten, der zuvor von seinen Gesprächen mit Arbeitern berichtet hatte, ob die 1200 Euro denn brutto oder netto seien. Mit Detailfragen das große Ganze zerreden – eine beliebte Taktik.

Da reicht es Frank Plasberg. Er verlässt sein Moderationspult und geht zu Mantens Tischchen, lehnt sich etwas übergriffig drauf.

"Herr Manten, Sie sind ein feiner Kerl, Sie sind vom Niederrhein wie meine Frau, ich will nicht, dass es Ihnen schlecht geht."

Frank Plasberg

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null / screenshot ard

Aber der Fleischunternehmer solle doch mal alles vergessen, was ihm möglicherweise Kommunikations-Agenturen als Strategie für die Teilnahme an einer Talkshow beigebracht haben. "Reden Sie für sich."

Manten schaut bedröppelt auf den Tisch vor sich. Und Plasberg entfernt sich flink, weil ihm aufgefallen ist, dass er in Corona-Zeiten nicht den Abstand eingehalten hat. "Ich bin Ihnen gerade zu nahe gekommen, aber es war mir ein Bedürfnis."

Hubertus Heil kündigt bei "Hart aber fair" Besuch an

Und doch Plasbergs Appell hat gewirkt. Manten wirkt wie ausgewechselt: Auch ein Lohn von 1300 Euro sei ein "klarer Verstoß gegen den Mindestlohn. Das lehne ich ab". Er zahle in seinem Betrieb durchschnittlich 12,50 Euro "plus Zuschläge".

Und zu Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagt er: "Ich lade Sie ein an den Niederrhein." Hubertus Heil antwortet: "Ich komme."

Plasberg bekräftigt die Zusage des Ministers: "Sie müssen damit rechnen, der kommt wirklich."

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Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) will die Fleischbetriebe "aufräumen". bild: screenshot ard

Nun gut, der Minister wird sich also den Betrieb ansehen. Und kann dann gleich mal die Zustände bei Manten checken. "Anständig, korrekt und fair ist genau meins", betont der Unternehmer. Aber auch er kommt nicht ohne Subunternehmer aus. Weil er ja gar keinen Kontakt zu rumänischen Arbeitern habe.

Und dann folgt ein seltsam klingendes Detail: Denn seine Subunternehmerin ist nämlich seine eigene Frau. Das habe aber keine finanziellen Gründe, sondern es sei "historisch gewachsen". Warum seine Frau als Subunternehmerin an der Erledigung der Schlachtaufträge mitverdient und nicht einfach im Rahmen des Familienbetriebs um das Personal kümmert, erklärt er nicht. Stattdessen klagt er: In seiner Branche gebe es eine Umsatzrendite von einem Prozent. "Da macht sich niemand die Taschen voll."

Hubertus Heil lässt sich davon nicht erweichen. Er bekräftigt, dass es der Bundesregierung ernst sei, die Schlachthöfe in die Pflicht zu nehmen und dass er "aufräumen" will.

"Die Branche wird sich auf Änderungen einstellen müssen. Wir reden nicht über das Ob. Wir werden das machen, wir reden übers Wie", sagt Heil und stellt nochmal klar, dass die Branche lange Jahre Besserungen mittels Selbstverpflichtung versprochen, aber nicht gehalten hat.

Habeck spricht von einem "Dumpingschlachtland"

Grünen-Chef Robert Habeck hat ein generelles Problem mit dem Schlachtsystem und schlecht bezahlten Arbeitern. Er ist sich sicher: "Corona hat den Blick auf ein System geöffnet, das so nicht weitergeführt werden kann. Das ist kein Zufall, sondern ein Geschäftsmodell", sagt er über die schlechten Bedingungen in den Betrieben. "Wir sind ein Dumpingschlachtland geworden".

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Grünen-Chef Robert Habeck kommt vom Arbeiter- schnell zum Tierwohl. bild: screenshot ard

Und dann kapert er die Diskussion und kommt von den schlechten Arbeitsbedingungen ganz schnell zum Tierwohl. Die Politik sei für ein Minimum an Tierschutz zuständig. "Wir müssen die Politik ändern und nicht den Menschen." Er spricht über den Kastenstand, in dem eine Sau sich kaum bewegen könne und der eigentlich schon seit 28 Jahren verboten, aber trotzdem noch überall zu finden sei. "Wenn man die Preise minimiert, richtet man die Tiere auf die Ställe ab, und nicht die Ställe auf die Tiere und das ist das System, in dem wir leben", sagt er düster.

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    Alle Leser-Kommentare
  • celine01 09.06.2020 11:06
    Highlight Highlight Werksverträge, Franchaise und ähnliches gehört sofort verboten. Es sind Konstruktionen, um die Ärmsten auszubeuten, nicht nur Ausländer, siehe McDonalds aber auch bei Edeka (Inhaber geführte Märkte). Jede Firma ist einem Tarifvertrag zu unterwerfen. Wenn die Fleisch- und Wurstpreise steigen, können in Deutschlnd viele Menschen dies nicht mehr kaufen, weil sie zu wenig verdienen und die Mieten zu hoch sind. Die Reichen müssen viel höher besteuert werden, damit den Armen helfen kann.

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