Deutschland
09.04.2020, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, spricht während einer Pressekonferenz der Landesregierung. Die Landesregierung präsentiert die ersten Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts «Covid-19 Case-Cluster-Study», das derzeit in Heinsberg durchgeführt wird, Foto: Federico Gambarini/dpa | Verwendung weltweit

Man dürfe sich bei der Bewertung der Pandemie nicht allein auf die Infektionszahlen beschränken, sagt der Virologe Hendrik Streeck. Bild: dpa / Federico Gambarini

Virologe Streeck plädiert für Strategiewechsel in Corona-Politik

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck hat im Umgang mit dem Coronavirus für einen Strategiewechsel geworben. "Wir dürfen uns bei der Bewertung der Situation nicht allein auf die reinen Infektionszahlen beschränken", sagte Streeck der "Welt am Sonntag". Zwar steige die Zahl der positiv getesteten Menschen in Deutschland und Europa signifikant an. "Gleichzeitig sehen wir aber kaum einen Anstieg der Todeszahlen."

Am Samstag meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) 948 neue Infektionen in Deutschland, womit sich die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle demnach auf 259.428 erhöht hat. Die Zahl der Todesfälle sei um zwei auf 9349 gestiegen, teilte das RKI mit.

Grundsätzlich sollten laut Streeck Infektionen zwar verhindert werden. Die Zahlen könnten jedoch anders interpretiert werden: "Gesellschaftlich betrachtet sind Infektionen mit keinen Symptomen nicht zwangsweise schlimm. Je mehr Menschen sich infizieren und keine Symptome entwickeln, umso mehr sind – zumindest für eine kurzen Zeitraum – immun. Sie können zum pandemischen Geschehen nicht mehr beitragen", sagte Streeck.

Es sei zudem wichtig darauf hinzuweisen, dass niemand – kein Politiker, kein Virologie, kein Epidemiologe – den einen, richtigen Weg im Umgang mit der Pandemie kennt, betonte der Direktor des Institutes für Virologie und HIV-Forschung an der Universität Bonn. Dennoch könnten wir das Leben nicht pausieren lassen. "Wir können nur ausprobieren – und wir müssen auch Fehler machen dürfen."

(lau/afp)

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