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ZDF-Moderatorin Dunja Hayali (M.) in Begleitung der thüringischen Polizei. zdf

Dunja Hayali besucht Neonazi-Festival – und muss es aus Sicherheitsgründen verlassen

Nach dem mutmaßlich rechtsextremen Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke ging es auch in der ZDF-Sendung "Dunja Hayali" mit der gleichnamigen Moderatorin am Mittwochabend um die Gefahren des Rechtsextremismus. Aus diesem Anlass besuchte Hayali auch das rechte Musikfestival in Themar am Wochenende – aus Sicherheitsgründen musste sie die Veranstaltung verlassen.

Auf dem Festival kam Hayali mit Angela Schaller in Gespräch, die sich selbst als Nationalsozialistin bezeichnet. Schaller erklärte Faschismus zur Meinungsfrage, und meinte: "Wenn er doch meint, dass er Herrn Hitler gut findet, dann soll er das doch machen."

Verbotene Runen-Zeichnungen auf dem Festival und Hitler-Relativierungen

Angesprochen auf die Morde des NS-Regimes sagte Schaller: "Das darf ich nicht bestreiten, weil das strafbar ist." Sie wollte sich dazu weiter nicht äußern. Ein anderer Festivalteilnehmer meinte über den Holocaust: "Da liegt ein Leichenberg, aber ich kann nicht zuordnen, welcher Leichenberg das ist."

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Immer wieder provozierten die Neonazis an dem Tag mit rechten Provokationen. Ein Festivalbesucher trug auf seinem T-Shirt etwa in Deutschland verbotene Pfeil-Runen, die in der NS-Zeit von Hitlers SA und seiner Nachwuchsorganisation, der Hitlerjugend, verwendet wurde. Für das offene Tragen solcher Symbole kann der Themar-Besucher mit einer Geldstrafe oder bis zu einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren belegt werden.

Zuspruch für AfD-Politiker Höcke, der das Holocaust-Mahnmal in Berlin ein "Denkmal der Schande" nannte

Rund um das Festival ist die Begeisterung für die rechtspopulistische AfD und deren größten Provokateure gut sichtbar. Hayali sprach auch mit Tommy Frenck, einem in der rechten Szene vernetzten Wirt, der erklärte, gerade der AfD-Politiker Björn Höcke, Sprecher des thüringischen Landesverbandes und der einflussreichen völkisch-nationalistischen Gruppierung "Der Flügel", habe in der Vergangenheit viele kluge Dinge gesagt.

Höcke hatte Anfang 2017 das Holocaust-Mahnmal in Berlin als "Denkmal der Schande" bezeichnet. Der Wirt Frenck meinte dazu: "Da hat er absolut in meinen Augen Recht." Für einen Politiker sei diese Äußerung jedoch unüberlegt gewesen, die AfD solle schließlich auch bürgerliche Wähler ansprechen. Gerade vor Wahlen solle man sich nicht so äußern.

Sicherheitsbedenken: Hayali musste Konzert verlassen

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Das eigentliche Konzert, bei dem eine Band etwa brüllt, man würde immer zum Deutschen Reich stehen, muss die ZDF-Journalistin dann auf Bitten der thüringischen Polizei verlassen. Der Grund: Sicherheitsbedenken.

Der frühere Rechtsextremist Philip Schlaffer meint über das restriktive Vorgehen der Polizeibehörden auf dem Festival: "Das Polizei-Prinzip der 1000 Nadelstiche, das Durchgreifen, das funktioniert." Insbesondere Alkohol-Verbote würden die Rechtsextremen stören.

Der Aussteiger aus der Neonazi-Szene meint:

"Die Stimmung, wie sie heute ist, ist noch einmal einen Ticken extremer als in den Neunzigern."

In der anschließenden Talkrunde ergänzt NSU-Opfer-Anwalt Mehmet Daimagüler: "Ich glaube, dass es heute sehr viel öfter vorkommt, dass Drohungen ausgesprochen werden."

Ein Grund dafür seien insbesondere die im Vergleich zu den Neunzigern neuen und eben einfacheren Kommunikationswege auf Social Media. BKA-Chef Holger Münch, ebenfalls in der Sendung zu Gast, meint dazu: "Was wir im Internet an Hetze erleben, muss uns Angst machen."

Der politische Aufstieg der AfD sei für die Rechtsextremen ein "feuchter Traum", meint Aussteiger Schlaffer. Manche in der Szene würden die Rechtspopulisten als "Steigbügelhalter" begreifen.

(pb)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Vio Friedmann 11.07.2019 11:24
    Highlight Highlight Dunja Hayali hat sich mit viel Nachhaltigkeit und Mut auf die rechte und Neonazi Szene eingeschossen. Es müssen endlich mal die Wahrheiten auf den Tisch gebracht und nicht weiter um den heißen Brei geredet werden, wie unsere total versagende Politiker, die nur noch ekelhafte Machtkämpfe auf dem Plan haben! Frau Hayali darf aber nicht so tun, als ob das unser einziges Problem sei! Von Anmerkungen wie: "Wir haben auch das steigende Problem der Islamisten und islamischen Terroristen", hat sie immer schnell abgelenkt, auch dass der Vergewaltiger ein Marokkaner war. Das muss auch gesagt werden!!!
  • Eckhard Jahn 11.07.2019 11:08
    Highlight Highlight Deutschland braucht keinen neuen Hitler und auch keine Neonazis.Viele die sich so nennen wissen nicht was sie tun,schaden der Freiheit und der Demokratie.
  • Thomas Riedel (1) 11.07.2019 10:33
    Highlight Highlight Wenn nicht Frau Hayali, sondern ein Herr oder eine Frau Meier, Müller, Huber oder sonst wie auf ein Treffen der türkischen "Grauen Wölfe" (einer extrem nationalistisch aufgehetzten türkischen Bewegung) gegangen wäre, dann wäre ihm/ihr das Gleiche widerfahren. Schon in der Auswahl der Personen liegt die beabsichtigte Provokation durch die Medien.
  • wirdsonix 11.07.2019 08:01
    Highlight Highlight Wenn Politiker aufgrund Drohungen dieser Recht(s)-Haber zurück treten, dann wird den Rechten immer mehr Raum gegeben und unsere System mal wieder unterwandert.
    Schon viel zu lange wird Hetze im Netz nicht belangt, werden Leute mit Fakes belogen und aufgehetzt.
    Die Presse tat nichts, die Polizei nichts. Sogar diese sind teilweise schon unterwandert.
    Jetzt kommt langsam aber ganz heftig das Resultat.
    Und dieses wird nicht nur die "Asylanten", sondern auch ganz normale Bürger treffen die nicht so denken wie "die" wollen.
    • Eckhard Jahn 11.07.2019 11:10
      Highlight Highlight Wenn wir von Fakes sprechen mit denen Menschen verdummt werden müssen wir aber nicht nur über Rechtsextreme reden sondern auch über Geschichten und Märchen die von Grünen und Linken Politikern verbreitet werden zum Thema Klimawandel

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