Covid-19 and vaccination concept.

Astrazeneca wird nicht mehr an unter 60-Jährige verimpft. (Symbolbild) Bild: Moment RF / Halfpoint Images

watson-Story

Viele Gesundheitsämter steigen schnell auf Biontech und Moderna um – warum das möglich war und wie es jetzt weitergeht

Man könnte meinen, ein Fluch laste auf Astrazeneca. Schon vor der Zulassung des britisch-schwedischen Corona-Impfstoffs hagelte es Kritik: Der Impfstoff würde gerade die ältere Bevölkerung nicht gut genug schützen. Also wurde das Vakzin zunächst nur an unter 65-Jährige verimpft, danach an alle – und plötzlich an gar keinen. Immer wieder mussten Impftermine abgesagt werden, bis dann die EMA zu der Entscheidung kam, dass die Impfung mit Astrazeneca nicht bedenklich sei. Bis Dienstag, denn da wurde wieder Skepsis laut: Nachdem zunächst einige Regionen Astrazeneca-Impfungen bei jüngeren Frauen aussetzen, beschloss schließlich die Bundesregierung, Menschen unter 60 Jahren nicht mehr mit dem Corona-Vakzin zu impfen.

Nicht genug, dass die Bevölkerung damit zum Teil verunsichert wurde, auch Städte müssen auf das Hin und Her reagieren: Termine werden abgesagt oder verschoben – oder aber ein anderer Impfstoff muss verabreicht werden. Doch wie gut haben die einzelnen Städte die Organisation hinbekommen? Um das zu erfahren, hat watson bei den Hauptstädten der deutschen Bundesländer nachgefragt.

Viele Städte konnten nach Astrazeneca-Stopp schnell umsteigen

Die meisten Großstädte konnten schnell auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission reagieren: Alle, die am Mittwoch oder Donnerstag mit Astrazeneca geimpft werden sollten, bekamen stattdessen den Impfstoff von Biontech oder Moderna. Dazu zählten Bremen, Düsseldorf, Schwerin, Hamburg, Hannover und Kiel. Auch ganz Sachsen konnte sich schnell anpassen und im ganzen Bundesland unter 60-Jährige mit Biontech oder Moderna impfen. So konnten trotz des Chaos tausende Bürger geimpft werden – und das ohne bürokratischen Aufwand. Allein in Sachsen waren rund 40.000 Menschen davon betroffen, die über Ostern eigentlich mit Astrazeneca hätten geimpft werden sollen. Das teilte das Gesundheitsministerium Sachsen gegenüber watson mit.

München sagt alle Astrazeneca-Termine ab

Anders sieht es hingegen in München, Stuttgart, Mainz und ganz Sachsen-Anhalt aus. Hier konnten die Städte nicht auf Alternativen ausweichen, da es schlicht und einfach keine gab. "Ersatzimpfstoff von anderen Herstellern steht nicht zur Verfügung, die Termine werden vorsorglich abgesagt", teilte das Gesundheitsamt München noch am Dienstag watson mit.

Es wurden alle Astrazeneca-Termine bis einschließlich Donnerstag abgesagt, da das Gesundheitsamt nicht die Möglichkeit habe, das Alter der Impflinge zu sehen. "Dies betrifft die Impfungen im ISAR Klinikum von Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, der Kindertagespflege, in Grund-, Sonder- oder Förderschulen tätig sind, hier waren aktuell rund 1.000 Impfungen pro Tag geplant", hieß es weiter. Ab Freitag nun impft die Stadt weiter mit Astrazeneca, folgt jedoch den Empfehlungen der Stiko.

In Stuttgart konnte die Stadt im Impfzentrum im Robert-Bosch-Krankenhaus auf Alternativen umsteigen. Im Klinikum Stuttgart sei dies jedoch nicht möglich gewesen. Berlin und Potsdam haben entsprechende Fragen bisher nicht beantwortet.

Wie konnten so viele auf Moderna und Biontech umsteigen?

Doch wie kann es sein, dass noch vor Wochen von Impfstoffknappheit der "beliebteren" Marken gesprochen wurde und jetzt Städte doch so schnell auf Biontech und Moderna umsteigen konnten?

Dennis Kramkowski, ärztlicher Leiter Impfzentrum Kiel, hat dafür eine Erklärung: Er könne zwar nur mutmaßen, allerdings könne er sich vorstellen, dass jetzt aktuell Reserven verimpft werden. Es würden etwa 20 Prozent der gelieferten Impfmenge vom Bund zurückgehalten, um Lieferengpässe zu überbrücken. "Da im April mit viel Impfstoff gerechnet wird, können diese jetzt aufgebraucht werden", erklärt der Mediziner.

Sorge vor Astrazeneca wächst

Doch auch wenn die Termine teilweise wie geplant stattfinden können, sehen manche Gesundheitsämter die wachsenden Sorgen der Bevölkerung. "Der Impfstoff von Astrazeneca hat es zunehmend schwerer", erklärt Kramkowski gegenüber watson. Er selbst ist niedergelassener Hausarzt und ist besonders nahe am Geschehen dran.

Auch das Gesundheitsamt in Schwerin hat mit Skepsis zu kämpfen: "Zunehmende Sorgen bezüglich des Impfstoffs Astrazeneca nehmen wir hier auch wahr, zumal die Kommunikation für Außenstehende im Zeitverlauf sehr widersprüchlich wahrgenommen wird – erst Impfung nur unter 65, jetzt Impfung nur über 60." Das Gesundheitsamt hoffe dennoch, die 1800 Astrazeneca-Impfdosen, die in der nächsten Zeit zur Verfügung stehen, verimpfen zu können, heißt es weiter.

"Der Impfstoff von Astrazeneca hat es zunehmend schwerer."

Dennis Kramkowski gegenüber watson

Trotz der steigenden Sorgen würden laut den Gesundheitsämtern nicht viele Menschen ihre Impftermine absagen. "Es kommt vereinzelt zu Terminabsagen, in Einzelfällen lassen sich die Absagen auf den Impfstoff zurückführen", erklärt das Gesundheitsamt Düsseldorf gegenüber watson. Das Gesundheitsamt Stuttgart teilt mit, dass "insbesondere jüngere Menschen in den vergangenen Tagen verunsichert sind beziehungsweise waren. Durch das ärztliche Aufklärungsgespräch konnte jedoch in den meisten Fällen die Verunsicherung genommen werden." Bei den älteren Impfberechtigten sei diese Verunsicherung jedoch kaum zu spüren. Sie seien dankbar, geimpft werden zu können, heißt es weiter.

Auch wenn die Sorgen der Menschen verständlich sind, betont Kramkowski dennoch, dass das Risiko eines schweren Verlaufs einer Corona-Erkrankung hoch, das Risiko eine Hirnvenenthrombose nach einer Impfung mit Astrazeneca jedoch "nach wie vor gering" sei. Es sei viel sinnvoller, sich jetzt mit Astrazeneca impfen zu lassen, statt ein paar Monate auf Biontech oder Moderna zu warten und in dieser Zeit an Corona zu erkranken, so der Allgemeinmediziner.

Analyse

Haustier-Boom – Tierheime warnen: "Nach der Pandemie rechnen wir mit einer großen Abgabe-Welle"

In der Einsamkeit der Pandemie sind sie die idealen Begleiter: Haustiere. Die Zahl der Hunde, Katzen und anderer tierischer Mitbewohner stieg 2020 um fast eine Million an, meldet der Industrieverband Heimtierbedarf. Viele Menschen, die schon seit Jahren mit der Anschaffung eines Haustieres geliebäugelt haben, nahmen die Pandemie offenbar zum Anlass, sich endlich einen kuscheligen Lebenspartner ins Haus zu holen.

Kein Wunder: In den Urlaub kommt man momentan kaum, Gassi-Gehen umschifft sogar …

Artikel lesen
Link zum Artikel