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FILE - In this Thursday, June 13, 2019, file photo, the website of the Telegram messaging app is seen on a computer's screen in Beijing. In early January 2021, encrypted messaging apps Signal and Telegram are seeing huge upticks in downloads from Apple and Google's app stores, while WhatsApp's growth is on the decline following a privacy fiasco where the company was forced to clarify a message it sent to users. (AP Photo/Andy Wong, File)

Millionen Nutzer dazugewonnen, ein paar Dutzend Kanäle gesperrt: die Messenger-App Telegram. Bild: ap / Andy Wong

Nach Sturm auf US-Kapitol: Telegram sperrt offenbar Dutzende Kanäle

Eine Woche, nachdem eine Gruppe von Pro-Trump-Extremisten das US-Kapitolgebäude stürmte, hat die Messenger-App Telegram erklärt, dass sie "Dutzende" von Kanälen auf ihrer Plattform gesperrt hat.

Die Begründung lautet laut CNN: "Aufrufe zur Gewalt". "Wir begrüßen friedliche Diskussionen und friedliche Proteste, aber entfernen routinemäßig öffentlich zugängliche Inhalte, die direkte Aufrufe zur Gewalt enthalten", zitiert der US-Sender einen Telegram-Sprecher.

Die Sperren kommen ausgerechnet, nachdem dem Telegram innerhalb weniger Tage seit dem vergangenen Wochenende 25 Millionen neue Nutzer hinzugewonnen hat, wie die "New York Times" berichtet. Das soll einer Gesamtzahl von rund 500 Millionen Nutzern entsprechen.

Telegrams konsequentes Vorgehen steht allerdings im Kontrast zu seiner bisher sehr lockeren Inhaltsmoderation. So können beispielsweise der Schlager-Sänger Michael Wendler oder der ehemalige Koch Attila Hildmann bis dato ungehindert ihre kruden Verschwörungsmythen über den Messenger verbreiten. Vielleicht hat man nun aber einfach Angst, das Schicksal von Parler zu erleiden, einer von Rechten bevorzugten Social-Media-Plattform, die aus den App-Stores von Google und Apple geworfen wurde, nachdem Nutzer dort zur Gewalt aufgerufen hatten.

"Inhalte kommen völlig ungefiltert beim User an"

Faktencheckerin Uschi Jonas von "Correctiv" hatte kürzlich im Gespräch mit watson erklärt, was aus ihrer Sicht das Problem bei Telegram ist: "Der Gruppenadministrator kann einstellen, dass nur er selbst in seiner Gruppe etwas posten kann." Dadurch kämen die Inhalte dann völlig ungefiltert beim User an, der im Gegensatz zu einer Whatsapp-Gruppe keine Möglichkeit habe, zu kommentieren oder zu hinterfragen. "Durch Nachrichtendienste wie Telegram rutscht die Verbreitung falscher Informationen und Verschwörungsmythen immer mehr ins Private, und das finde ich gefährlich". Es sei schwierig, Menschen zu erreichen, die solche Behauptungen glaubten und teilten.

Der auf Medienrecht spezialisierte Rechtsanwalt Christian Solmecke wiederum erklärte gegenüber watson, Telegram sei ein idealer "Rückzugsraum für Rechtsextremisten, Verschwörungstheoretiker, Schwurbler und andere Populisten".

(om)

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