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Xbox oder Playstation? Spider-Man oder Master Chief? Beides muss erstmal nicht sein. Bild: sony/microsoft/Montage: Tim Kröplin

Analyse

Playstation 5, Xbox Series X/S: Warum du die neue Konsolengeneration noch nicht kaufen solltest

Es ist offiziell! Die neue Xbox und die Playstation 5 sind endlich erschienen. Es war ein langer Weg. Ausgehungerte Gamerinnen und Gamer hangelten sich von Präsentation zu Präsentation, von Trailer zu Trailer, von Bericht zu Bericht. Sie verschlangen jedes Info-Häppchen, spekulierten wild herum. Ständig aktualisierten sie die Seiten ihrer Online-Anbieter, in der Hoffnung, erste Angebote zu erwischen. Ihre F5-Tasten am Rande der Erschöpfung, ihre Nerven sowieso. Na ja, zumindest die der glücklichen Vorbesteller. Viele andere werden wohl weiterhin leiden.

Dabei ist das nicht nötig. Und nein, nicht weil es ja noch ein paar im watson-Bestand gibt (schön wär's), sondern weil sich ein Kauf noch nicht lohnt. Klingt nach einem Wermutstropfen, geht aber darüber hinaus. Portmonees und Nerven können so geschont werden. Das hat sich bereits bei den älteren Konsolengenerationen gezeigt. Also, ab auf die Schiene der Geschichte. Lehnt euch zurück, genießt die Fahrt.

Playstation 5 und Xbox Series X/S: Aus diesen drei Gründen solltest du mit dem Konsolenkauf warten

Starker Preisverfall

Der Preis von jeweils 499 Euro für die Xbox Series X sowie die Playstation 5 ist happig. Zwar gibt es abgespeckte Varianten, die PS 5 ohne Laufwerk, die Xbox mit weniger Leistung, doch kosten die jeweils nur 100 Euro weniger. Damit wären sie auf Augenhöhe mit ihren Vorgängern, als diese 2013 erschienen. Es scheint, als wollten Sony und Microsoft nicht nur technisch, sondern auch preislich einen draufsetzen.

Immerhin: Die PS 5 ist nicht Sonys teuerste Konsole. Die Playstation 3 schlug 2007 mit 599 Euro zu Buche. Kam nicht gut bei den Fans an. So heiß sie auch auf die Konsole waren, es kam zur Kauflust interruptus. Der damals noch neue Blueray-Player konnte die Stimmung auch nicht anheizen. Erst als zwei Jahre später die günstigere und technisch leicht verbesserte Slim-Fassung auf den Markt kam, stiegen die Verkaufszahlen. Wer geduldig war, wurde belohnt. Allen anderen fraß Sony ein Loch in die Geldbeutel.

Ungeduldige Gamerinnen und Gamer

Es ist normal, dass die Konsolenpreise mit der Zeit sinken, hier können wir getrost von einer Tradition sprechen. Als die Playstation 4 im Jahr 2014 erschien, kostete sie 399 Euro. Ein Jahr später bot Amazon sie bereits für 329 Euro an. Bei der Xbox One verhielt es sich ähnlich. Doch Geduld ist unter Gamern keine verbreitete Tugend.

Kaum konnten sie die Konsolen vorbestellen, fluteten sie Online-Shops mit Bestellungen, trieben einige Server ans Äußerste. Gleich einer Heuschreckenplage fraßen sie die Bestände leer. Und das alles nur für das Exklusivrecht, die Geräte direkt nach Veröffentlichung zu nutzen. "Geiz ist geil" war gestern, heute heißt es "Gier ist groß".

Viel wert ist das aber nicht. Vor allem mit Blick auf die Hardware.

Nicht ganz perfekte Technik

Nicht selten befinden sich die Konsolen zum Marktstart in einer Testphase. Stellt sich doch für die Entwickler die Frage, wie sich die Hardware im Alltagsgebrauch schlägt. Häufen sich Meldungen zu technischen Mängeln, folgt eine verbesserte Variante einer Konsole. Man bedenke das "Yellow Light of Death" der PS3 sowie das deutlich prominentere Xbox-360-Pendant, der "Red Ring of Death". Beides technische Defekte, die die Geräte überhitzen ließen, beide verantwortlich für Konsolenkummer dutzender Spieler. Microsoft wie auch Sony konnten die Konsolen zwar reparieren, wohl aber nicht die gebrochenen Herzen der Betroffenen.

Damit nicht noch mehr Menschen im Tal der Trauer landen, brachten Microsoft und Sony neue Modelle ihrer Konsolen heraus. Das Problem war gelöst, alle waren happy – zumindest, wenn sie nicht zu den Erstkäufern zählten. Dabei blieb es aber nicht. Es folgten mehr und mehr Varianten mit kleinen Verbesserungen. Weniger Stromverbrauch, größere Festplatten, neue Designs. Bei der mittlerweile alten Konsolengeneration verhält sich das ähnlich. Bleiben wir bei der PS4. Zwei Jahre nach Release des Ur-Modells brachte Sony zwei neue Ableger auf den Markt. Die Playstation Pro kostete 399 Euro und war leistungsstärker, man bedenke die UHD-Auflösung (gestochen scharf!).

Appetitanreger für Spätzünder

Jetzt waren das bei der PS4 sowie Xbox One "nur" kleine Verbesserungen, technische Probleme gab es nicht, also nicht in dem Ausmaß. Von vornherein ein technisch optimiertes Modell auf den Markt zu bringen, wäre aus Konsumentensicht sinniger, nicht aber aus ökonomischer. Wer zum Erscheinen haderte, könnte schließlich doch noch zum verbesserten Gerät greifen. Sehr wahrscheinlich, dass auch zur Playstation 5 sowie der neuen Xbox Nachfolgemodelle erscheinen, um Spätzünder zum Kauf zu animieren.

Doch gerade deshalb wäre es doch smarter, nicht sofort zu einer neuen Konsole zu greifen, sondern zu warten. Klar, der frühe Vogel fängt den Wurm. Im Konsolenkosmos kriegen aber alle anderen Meisenknödel, die halten länger satt. Und das Beste: Die Knödel werden auf lange Sicht immer fetter, ihr Inhalt immer vielseitiger. Grund sind die Spiele.

Fehlende Games

Gerade zu Anfang sind die exklusiven Spiele für die neuen Konsolen noch rar. Natürlich erscheinen ein paar Ableger, wie "Spiderman: Miles Morales" oder "Goodfall" beweisen. Trotzdem: Mit der Zeit häufen sich die Titel. Große Ankündigungen gab es bereits. Für die PS5 sollen etwa ein neues "God of War" oder "Horizon" erscheinen. Bei der Xbox Series dürften sich hingegen viele Spieler auf "Halo Infinite" freuen. Bis die Titel erscheinen, wird es aber noch etwas dauern.

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"Marvel's Spider-Man: Miles Morales" sieht grafisch ein wenig besser auf der neuen Playstation aus, aber reicht das auch? Bild: Sony

Weiteres Manko: Alle Spiele erscheinen nicht nur für die neue, sondern auch die alte Konsolengeneration. "Spiderman: Miles Morales" oder auch "FIFA 21" gibt es beispielsweise für die PS5 wie auch die PS4. Ein neues Gerät zum vollen Preis scheint hier unnötig. Auch die grafischen Unterschiede fallen zwischen den Konsolen kaum auf. Klar, die Spiele sehen auf den neuen Geräten besser aus, aber allzu stark ins Gewicht fallen die optischen Unterschiede nicht. Ein wenig bessere Beleuchtung, ein wenig flüssigere Animationen, ein wenig mehr Sichtweite. Hübsch, ja, mehr aber auch nicht.

Gute Spiele brauchen Zeit

Es braucht in der Regel Zeit, bis Spieleentwickler das Potenzial der Konsolenhardware voll ausschöpfen. Bei der Playstation 4 wurde das mal wieder deutlich. "Last of Us 2", "Assassins Creed: Valhalla" oder "Ghost of Tsushima" erschienen alle in diesem Jahr und zeigten, zu was die Konsole eigentlich imstande ist. Wunderschöne Landschaften, detaillierte Gesichter, sichtbare Emotionen, herrlich! Nun müssen Gamerinnen und Gamer nicht erst bis zur nächsten Konsolengeneration warten, bevor sie die Playstation 5 oder Xbox Series X oder S kaufen.

Trotzdem lohnt es sich, Entwicklern die Zeit zu geben, sich etwas auf die neuen Konsolen abzustimmen. Erste wirklich sehenswerte Spiele erscheinen häufig ein, zwei Jahre nach Release. Man nehme die Action-Rollenspiele "Witcher 3" oder "Bloodborne" aus dem Jahre 2015.

Geduld ist eine Tugend

Ist sie. Eine schmerzhafte, wohlgemerkt. Natürlich juckt es in den Fingern, vor allem, weil Werbung zu den neuen Konsolen gefühlt überall auftaucht. Schnell kommt der Gedanke auf, etwas zu verpassen. Dem ist aber nicht so. Wie gesagt, ein früher Kauf steht lediglich für Exklusivität. Die taugt maximal, um vor den eigenen, weniger schnellen Freunden anzugeben.

Ein temporärer Spaß. Wer gerne spielt, wird früher oder später Sonys oder Microsofts neue Ableger kaufen. Je später, desto besser. So müssen sich Gamingbegeisterte nicht mit jedem durchgezockten Spiel eine Durststrecke in Kauf nehmen. Und sie sind sich sicher, dass ihre Konsolen tadellos funktionieren. Denn, und das sind aufmunternde Worte für alle, die keine Konsole kriegen konnten, letztlich durchlaufen die Frühkäufer eine Testphase. Sollten sie keine Probleme feststellen, können alle anderen beherzt zugreifen. Wenn nicht, werden sich Microsoft und Sony dessen annehmen. Tja, Geduld wird belohnt.

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