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Bild: iStockphoto

Meinung

Hört auf, euch für eure Eltern auf Social Media zu schämen!

Meine Mama macht es, mein Papa macht es auch – und sogar mein Opa ist am Start: Sie alle liken, sharen und kommunizieren auf Social Media. Und das beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Facebook. Mein fast 83 Jahre alter Großvater hat außerdem ein Twitter-Profil und mich kürzlich erst gefragt, was dieses Instagram ist und ob er das auch bräuchte.

Die meisten meiner Freunde und Bekannten können sich nicht vorstellen, mit ihren Eltern, oder gar Großeltern auf Social Media verbunden zu sein. Sie finden das "voll peinlich" oder machen sich sogar über das Social-Media-Verhalten der "alten Leute" lustig – und genau das finde ICH peinlich. 

Denn: Dass wir Millenials "Digital Natives" sind, ist ein verdammtes Privileg. Wir chatten, wir posten, wir liken, wir sharen – alles ganz intuitiv. Weil wir das Glück (oder Pech) hatten, mit Social Media aufzuwachsen, oder es zumindest in jungen Jahren erlernt zu haben. Warum nehmen wir uns also das Recht heraus, uns über Menschen, die kein Teil dieser Generation sind, lustig zu machen?

Ihr, die ihr euch darüber lustig macht, welch peinliche Sachen "alte Menschen" auf Social Media machen, betreibt ziemlich heftiges Age-Shaming. Dabei seid ihr, meiner Erfahrung nach, oft diejenigen, die sich ansonsten laut gegen jegliche Diskriminierung stellen. Ihr engagiert euch gegen Seximus, Rassismus oder soziale Ungerechtigkeit, schämt euch aber für eure Eltern, weil sie alt sind?

Wenn ihr Hilfe bei der Steuererklärung benötigt, dann ist Mama die erste, die ihr anruft und um Rat fragt. Papa soll immer parat stehen, wenn es etwas zu reparieren gibt. In solchen Situationen ist es auf wundersame Weise völlig in Ordnung, dass eure Eltern "alt" sind.

Ich habe einen ganz einfachen Vorschlag für euch: Warum gebt ihr euren Eltern nicht mal ein bisschen etwas zurück und nehmt euch die Zeit, ihnen dieses Facebook, dieses Instagram oder dieses WhatsApp zu erklären?

Wirklich peinlich sind Stockfotos von wütenden Frauen!

Wir haben eine wunderbare Chance, unseren Eltern auch mal etwas beizubringen – und das kann ein richtig gutes Gefühl sein. Denn so bringen wir ihnen den Respekt entgegen, den sie verdient haben. Und: Wenn ihr ohnehin schon dabei seid, Nachhilfe in Facebook und Co. zu geben, dann könnt ihr euren Eltern auch erklären, was es mit dem Recht am eigenen Bild auf sich hat, wofür es Privatsphäre-Einstellungen gibt, oder dass ein Profilbild dazu da ist, dass andere Nutzer einen erkennen können.

Wenn ihr das macht, werdet ihr schnell merken: Social Media ist für die meisten Eltern ein Ort der Teilhabe, ein Ort der Kommunikation, ein Ort des Stolzes.

Meine Eltern und Großeltern sind meine größten Fans auf Facebook. Egal was ich teile – sie liken es. Teilweise sind sie auch mit meinen Freunden befreundet und liken auch bei ihnen alles weg. Wenn ich darauf angesprochen werde, dann schäme ich mich nicht. Das sehe ich gar nicht ein.

Was viele bei all der Scham leicht vergessen: Wir alle werden alt – oder sind es schon. Denn wer von euch, die so laut schreien "meine Verwandten sind so peinlich auf Facebook", versteht Snapchat oder weiß, wie TikTok funktioniert?

Jedes Mal, wenn ich wieder etwas "Peinliches" von meinen Verwandten auf Social Media sehe, dann macht mich das richtig stolz! Stolz darauf, dass meine Verwandten überhaupt bereit dazu sind, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen. Ich sehe sie als Vorbilder. Auch ich möchte immer wieder Neues lernen – egal wie alt ich bin. 

Was haben deine Eltern schon Lustiges auf Social Media gemacht? Schreib es in die Kommentare!

Viel peinlicher als deine Eltern auf Social Media:

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Video: watson/Saskia Gerhard, Marius Notter

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