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12.04.2018, Nordrhein-Westfalen, Witten: Zwei junge Wildschweine, sogenannte Frischlinge, laufen im Wildgehege am Hohenstein im Synchronschritt durch ihr Freigehege. Foto: Bernd Thissen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bild: Bernd Thissen/dpa

Warum die Dänen einen Grenzzaun bauen – und er wenig bringen wird

Franziska Hoppen
Franziska Hoppen

Das ist passiert:

70 Kilometer lang, 10 Millionen Euro schwer. Am Montag hat das dänische Parlament beschlossen, die Grenze nach Deutschland mit einem Zaun abzuriegeln. Statt Menschen soll der 1,50 Meter hohe Zaun jedoch Wildschweine aufhalten. So steht es im Antrag der liberal-konservativen Regierung, dem das Parlament heute seine Zustimmung gab. Vertreter der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DF), die die Minderheitsregierung im Parlament stützt, freuen sich über das Unterfangen. Sie fordern seit langem, den Grenzschutz im Land zu verstärken – notfalls auch gegen Wildschweine. 

"Wir müssen jede Verbesserung des Schutzes unserer Grenzen begrüßen", sagt der Fraktionsvorsitzende der DF

Das war der Auslöser:

Die afrikanische Schweinepest (ASP) breitet sich zurzeit in Osteuropa aus. Die Virusinfektion, durch Reiseverkehr aus Afrika eingeschleppt, verläuft tödlich – ist für den Mensch aber ungefährlich. Dänen fürchten gigantische Wirtschaftseinbußen, sollte das Virus auch ihre Fleischproduktion treffen. Zurzeit exportieren sie Fleisch im Wert von rund 4 Milliarden Euro jährlich.

Hier sind bereits Schweine gestorben

- Polen
- Baltikum
- Moldawien
- Rumänien
- Tschechien
- Weißrussland
- Russische Föderation
- Ukraine
- Georgien
- Armenien 
- Aserbaidschan
- Ungarn

In Deutschland wurde das Virus noch nie nachgewiesen. Laut Friedrich-Loeffler-Institut besteht aber jederzeit ein hohes Risiko.

Friedrich-Loeffler-Institut

Warum der Wildschwein-Zaun nichts bringt:

Vertreter unterschiedlicher Umweltorganisationen halten den Grenzzaun schlicht für nutzlos. Mit dem Virus infizierte Tiere entwickeln Fieber, Atemprobleme und Bewegungsstörungen. Statt auf große Wanderschaft zu gehen, sterben die Schweine binnen einer Woche.

"Gerade Wildschweine zeigen eine verringerte Fluchtbereitschaft, sie haben keine Lust auf Bewegung oder sind desorientiert."

 Elke Reinking, Pressesprecherin Friedrich-Loeffler-Institut watson

“Abgesehen davon ist nicht klar, ob ein Zaun überhaupt Wildschweine aufhalten könnte. Denn die Tiere buddeln sehr gerne”, sagt Moritz Klose, Wildtierexperte des World Wide Fund for Nature (WWF).

Der wichtigste Punkt: 

"Der Hauptüberträger der Schweinepest ist nicht das Wildschwein, sondern der Mensch."

Moritz Klose, Wildtierexperte des WWF watson

Das Virus wird vor allem durch Blut und durch damit kontaminierte Kleidung, Speiseabfälle oder Schweinefleischprodukte übertragen – also von Menschenhand, nicht durch wandernde Wildschweine. 

Das hilft tatsächlich:

Weil in Dänemark und Deutschland viele Wildschweine leben, ist Früherkennung essentiell. Nur dann besteht die Möglichkeit, die Seuche einzudämmen. Weil kein Impfstoff existiert, helfen nur Jagd und hygienische Maßnahmen gegen weitere Ausbreitung. (Friedrich-Loeffler-Institut)

Warum will Dänemark dann diesen Zaun?

Oliver Kumbartzky ist Abgeordneter für die FDP im Landtag von Schleswig-Holstein

Seit Jahren diskutiert die EU über offene Grenzen. Auch in Dänemark dominiert das Thema Migration die öffentliche Debatte – gerade die Dänische Volkspartei pusht Themen wie Herkunft, Identität und Grenzschutz. Seit dem vergangenem Jahr verstärkt die Regierung kontinuierlich ihre Grenzkontrollen zu Deutschland. Im Herbst bewachten bewaffnete Soldaten in Kampfuniform den Landstrich, installierten Kontrollzelte. Dass der Anti-Wildschweinzaun quer durch Naturschutzgebiete führt und dabei laut WWF Flora und Fauna gefährden könnte, interessiert die dänische Regierung vorerst wenig.

Grenzbefestigung statt inter-europäischer Zusammenarbeit – das passt zum Dialog der vergangenen Jahre. Zwar muss es noch Natur- und Umweltprüfungen geben, bevor der Bau beginnen kann, das Ministerium rechnet aber bereits im Herbst mit dem Baubeginn.

Weitere tierische Opfer:

Das letzte tierische Opfer der EU-Grenzpolitik war übrigens die rumänische Kuh Penka, die, im sechsten Monat schwanger, illegal aus ihrer Heimat floh... 

Weil Serbien kein EU-Partner ist, durfte sie nicht zurückreisen und muss nun erschossen werden.

Anfang Mai rissen dänische Wölfe zwölf Schafe in Schleswig-Holstein. Ob Deutschland demnächst einen einen Grenzzaun gegen dänische Wölfe aufstellen wird, ist noch unklar.

(mit Material von dpa)

Braucht Deutschland auch einen Grenzzaun gegen Wildschweine? Postet in die Kommentare unten!

Übrigens: So schön ist unsere Erde

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