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Two teenage girls having fun in the urban part of the city.

Photoshop oder echt? So große Kaugummiblasen können doch gar nicht möglich sein... Bild: Getty Images

Alltagsfrage

20 Jahre im Magen? Warum an der Kaugummi-Theorie etwas dran ist

In der Jugend hören wohl die meisten Sprüche von ihren Eltern, die sie erst Jahre später hinterfragen: "Dreck reinigt den Magen", "Fernsehen macht viereckige Augen", "Wenn du nicht aufisst, gibt es schlechtes Wetter". Welche meteorologische Bedeutung hat mein Essen? Und warum sollte Dreck, etwas Schmutziges, den Magen reinigen? Von den viereckigen Augen brauchen wir gar nicht erst anfangen. Klassisch ist auch: "Kaugummis liegen jahrelang im Magen, also nicht verschlucken."

Das mit den Kaugummis kann einem allerdings selbst im Erwachsenenalter noch zu denken geben. Jeder Streifen löst Unbehagen aus. Mit jedem Biss konzentrieren wir uns, das Teil nicht zu verschlucken. Irgendwas wird am Kaugummi-Mythos dran sein. Wir haben uns das näher angeschaut und ja, etwas ist da schon dran. Sorgen müsst ihr euch trotzdem nicht.

Warum wir Kaugummis nicht verdauen

Kaugummi passt sich perfekt jeder Umgebung an. Rillen in der Schuhsohle oder Kratzer auf dem Holztisch kann er perfekt ausfüllen. Er verschmilzt sozusagen mit ihnen. Naheliegend also, dass er im Körper selbiges tun müsste. Doch in Speiseröhre, Magen und Darm befindet sich ein Feuchtigkeitsfilm, der es dem Kaugummi unmöglich macht, sich anzuheften. Er flutscht durch.

Trotzdem können wir festhalten, dass wir Kaugummis nicht verdauen können. Nur winzige Bestandteile lösen wir aus ihnen, etwa den Zucker, der in unsere Blutbahn gerät. Größter Bestandteil ist jedoch die Kaumasse. Das sind Kunststoffe, die lebensmittelrechtlichen Vorschriften entsprechen. Die sind weder verdaulich noch biologisch abbaubar. Kaugummis gehören also weder auf den Boden noch in den Magen. Vom Mundraum in den Mülleimer ist okay.

Verschlucken wir aber doch ein Kaugummi, passiert erstmal nicht viel. Unser Magen führt ihn via Wellenbewegungen zusammen mit allem anderen, was wir sonst so zu uns nehmen, Richtung Dünndarm. Von da aus geht's in den Dickdarm und dann in die Toilette. Eine beschwerliche Reise mit deprimierendem Ende. Das letzte, was er vorm Abgang hört, ist das Rauschen der Spülung.

Wenn wir jedoch zu viele Kaugummis verschlucken, sie verzehren wie Fritten, kann es problematisch werden. Auf Stopfen folgt Pfropfen – und der kann zum Beispiel unsere Speiseröhre blockieren. Essen wird dann schwer, gar unangenehm. Es gibt sogar einen Präzedenzfall, wie es im "British Medical Journal" heißt.

Abführender Kaugummi

Eine Frau kam mit Schluckbeschwerden ins Frenchay Hospital im englischen Bristol. Sie hatte die Beschwerden, sowohl bei fester als auch flüssiger Nahrung. Als die Ärzte sie untersuchten, entdeckten sie einen fünfmal fünf Zentimeter großen Ball. Sie aß täglich drei Packungen Kaugummis, die sie auch hinunterschluckte. Immerhin hatte sie stets einen frischen Atem.

Sowas passiert jedoch nicht oft. Außerdem sind drei Packungen täglich eine Hausnummer. Mediziner geben in dem Punkt Entwarnung.

Gefährlicher ist hingegen Sorbit in zuckerfreien Kaugummis, was abführend wirkt. In einem Bericht der Charité heißt es, dass eine Frau unter schwerem Durchfall litt. Es stellte sich heraus, dass sie täglich 16 Streifen zuckerfreien Kaugummi kaute, wodurch sie 20 Gramm Sorbit zu sich nahm. Der Stoff bindet im Darm Wasser und verdünnt den Stuhl. Die Reaktion darauf lässt sich in etwa mit einer Colaflasche und Mentos vergleichen, nicht schön.

Hilfe gegen Sodbrennen

Trotzdem bietet Kaugummi auch Vorteile. Wer beispielsweise unter Sodbrennen leidet, kann sich mit einem Streifen helfen, wie es im "Ärzteblatt" heißt. Durchs Kauen steigern wir die Speichelproduktion, welcher wiederum die Magensäure neutralisiert. Kaugummi ist also nicht zwangsläufig schädlich und lässt sich auch in humanen Mengen verkraften.

(tkr)

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