Italiener im Januar 2022 in Rom: Hier tragen noch einige eine Maske. Dies wird in Italien aber nach aktuellem Stand in vielen Bereichen freiwillig bleiben.
Italiener im Januar 2022 in Rom: Hier tragen noch einige eine Maske. Dies wird in Italien aber nach aktuellem Stand in vielen Bereichen freiwillig bleiben.Bild: imago / IMAGO / Xinhua
Analyse

Pandemie vorbei, nur nicht in Deutschland? Wie die Corona-Regeln im Rest Europas aussehen

23.09.2022, 15:4524.09.2022, 16:52

In Deutschland billigte der Bundesrat vergangene Woche das geänderte Infektionsschutzgesetz zum ersten Oktober, welches die Grundlage für die Corona-Regeln im kommenden Herbst und Winter darstellen soll. In den USA dagegen hat Präsident Joe Biden die Corona-Pandemie für beendet erklärt.

"Die Pandemie ist vorbei", sagte Biden wortwörtlich am Sonntagabend (Ortszeit) in einem TV-Interview. Das Zitat fiel, als er die Auto-Messe in Detroit im Bundesstaat Michigan besuchte. "Wie Sie sehen, trägt hier niemand eine Maske. Alle scheinen in ziemlich guter Verfassung zu sein. Ich glaube also, dass sich die Situation ändert, und ich denke, dies ist ein perfektes Beispiel dafür", sagte der US-Präsident weiter. Dennoch räumte er ein, dass Covid noch immer ein Problem darstelle.

Strenge Regeln für Herbst in Deutschland

In diesem Punkt zumindest ist sich Biden mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) einig, der sich auf Twitter über das kürzlich beschlossene Infektionsschutzgesetz freute:

Ein Blick in die europäischen Nachbarländer zeigt: Tatsächlich scheint in vielen Ländern, gemessen an der Lockerheit der Corona-Maßnahmen, die Pandemie deutlich an Bedeutung verloren zu haben. Deutschland geht dagegen, unter anderem mit der Verpflichtung zum Tragen von FFP2-Masken in Bussen und Bahnen, im Fernverkehr, in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sowie den Arztpraxen, mit recht strengen Corona-Regeln in die kalte Jahreszeit.

Die Maske griffbereit – in Deutschland bald wieder Alltag. Wie sieht es bei unseren europäischen Nachbarn aus?
Die Maske griffbereit – in Deutschland bald wieder Alltag. Wie sieht es bei unseren europäischen Nachbarn aus?bild: imago / michael gstettenbauer

watson hat sich die Regeln der europäischen Nachbarländer im Vergleich angesehen.

Frankreich

Unsere direkten Nachbar:innen im Westen hatten lange Zeit sogar die strengsten Corona-Auflagen. Doch aktuell gilt die Maskenpflicht nur noch in Krankenhäusern und Altenheimen. Im Flugzeug und in den öffentlichen Verkehrsmitteln wie Zug oder U-Bahnen und Bussen ist diese bereits seit Monaten passé.

Das Leben in Paris, wie hier auf einem Markt in Montmartre, verläuft aktuell fast wie vor der Corona-Pandemie.
Das Leben in Paris, wie hier auf einem Markt in Montmartre, verläuft aktuell fast wie vor der Corona-Pandemie.Bild: imago images / FedericoPestellini / Panoramic

Im anstehenden Herbst und Winter wird es laut der Regierung von Präsident Emmanuel Macron keine Verschärfung der Regeln geben. Es gibt lediglich die Empfehlung, in Büros und Schulgebäuden regelmäßig zu lüften und in geschlossenen Räumen eine Maske zu tragen. Für Infizierte gilt aber weiterhin eine Isolationspflicht von sieben Tagen.

Spanien und Portugal

In Spanien und Portugal gilt die Maskenpflicht noch in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Flugzeugen, sowie in Krankenhäusern, Gesundheitszentren und Apotheken. Eine Isolationspflicht gibt es in beiden Ländern auch für Infizierte nicht mehr. Spanien plant für den Herbst eine neue Impfkampagne, aber keine neuen Corona-Regeln.

Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland

Die Skandinavier sehen im europäischen Vergleich der kalten Jahreszeit und der damit einhergehenden Gefahr neuer Corona-Wellen am entspanntesten entgegen: In Norwegen, Schweden und Finnland gibt es nur noch die Empfehlung für Infizierte, eine Maske zu tragen. Gesetzlich verbindliche Corona-Regeln gelten nicht mehr, auch keinerlei Isolationsauflagen für Infizierte.

Keine Masken mehr: In Stockholm kann auch im Herbst und Winter das Leben weiter ohne Corona-Maßnahmen stattfinden.
Keine Masken mehr: In Stockholm kann auch im Herbst und Winter das Leben weiter ohne Corona-Maßnahmen stattfinden.bild: imago images / agefotostock

Auch in Dänemark gibt es seit Beginn des Jahres so gut wie keine Corona-Maßnahmen mehr, eine Wiedereinführung ist nicht geplant. Lediglich das Angebot an kostenlosen PCR-Tests will die dänische Regierung im Fall steigender Infektionszahlen ausweiten.

In Dänemark sind PCR-Tests immer noch kostenfrei.
In Dänemark sind PCR-Tests immer noch kostenfrei. bild: imago images / Francis Joseph Dean

Italien

In Italien sieht man die Lage nicht ganz so entspannt wie im Norden. Hier muss man in Gesundheitseinrichtungen und öffentlichen Verkehrsmitteln (außer in Flugzeugen) mindestens noch bis 30. September eine Maske tragen. Pflegeheime und Krankenhäuser verlangen darüber hinaus einen aktuellen Corona-Test sowie einen Nachweis über Impfung oder Genesung. Keine Maske mehr braucht man in Kinos, Theatern oder bei Hallensportveranstaltungen.

Infizierte müssen sich zehn Tage isolieren, ein frischer Booster reduziert die Isolation auf sieben Tage. Neue Folgeregeln ab Oktober sind bislang nicht geplant.

Griechenland

Seit Juni dieses Jahres gilt die Maskenpflicht in Griechenland nur noch in Pflegeheimen, Gesundheitseinrichtungen, im öffentlichen Nahverkehr sowie für Menschen, die sich mit Corona infiziert haben. Die Entscheidung über etwaige strengere Regeln für Herbst und Winter soll noch im September getroffen werden.

Österreich und Schweiz

Wer die Herbstferien in den Bergen Österreichs oder der Schweiz genießen will, oder dieses Jahr einen Skiurlaub plant, kann dem bisher recht gelassen entgegensehen. Allerdings sollten Urlauber:innen die aktuellen Corona-Regeln beider Länder in den kommenden Wochen im Auge behalten. Denn sowohl die Wiener Regierung als auch die Eidgenoss:innen behalten sich die Einführung neuer Maßnahmen, abhängig vom Infektionsgeschehen, vor.

Wer mal wieder unbeschwertes Pistenleben erleben möchte, ist in Österreich richtig – nach aktuellem Stand.
Wer mal wieder unbeschwertes Pistenleben erleben möchte, ist in Österreich richtig – nach aktuellem Stand.Bild: imago images / MiS

Sollte es zu einer neuen Infektionswelle kommen, könnte die Maskenpflicht in Österreich ausgeweitet werden, die bis dato nur noch in geschlossenen Räumen von Krankenhäusern und Pflegeheimen sowie im Wiener Nahverkehr gilt.

Ein ähnliches Vorgehen ist im Fall steigender Infektionszahlen in der Schweiz vorgesehen: Dort können die Kantone neue Regeln erlassen oder Maßnahmen empfehlen, etwa eine Maskenpflicht in besonders sensiblen Bereichen. Bundesweite Maßnahmen könnte es nur geben, wenn das Parlament eine besondere pandemische Lage feststellt.

Großbritannien

Eine Maskenpflicht gibt es in Großbritannien nur noch in England und Wales im Gesundheitsbereich, in Schottland und Irland ist diese auch hier abgeschafft. Erkrankte müssen sich nicht isolieren.

Trauern ohne Maske: Besucher des Staatsbegräbnisses von Queen Elisabeth II. in London.
Trauern ohne Maske: Besucher des Staatsbegräbnisses von Queen Elisabeth II. in London.Bild: imago images / Pat Scaasi MI News / NurPhoto

Niederlande

In den Niederlanden muss die Maske nur noch auf Flughäfen und in Flugzeugen getragen werden, nicht aber in Gesundheitseinrichtungen. Eine Isolationspflicht für Erkrankte gilt, relativ streng, für zehn Tage. Neue Regeln soll es nicht geben.

Polen, Tschechien und Belgien

In Polen, Tschechien und Belgien ist das Maskentragen in Apotheken, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen weiter Pflicht.

In Tschechien und Belgien müssen Infizierte für sieben Tage in Quarantäne, in Polen entfällt die Isolationspflicht für Coronakranke komplett. Aktualisierte Corona-Maßnahmen sind in keinem der drei Länder in Planung.

(mit Material der dpa)

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