Eine Frau zahlt im Drogeriemarkt mit FFP2-Maske: Aufgrund hoher Infektionszahlen nimmt Österreich die Lockerung der Maskenpflicht Mitte dieser Woche wieder zurück.
Eine Frau zahlt im Drogeriemarkt mit FFP2-Maske: Aufgrund hoher Infektionszahlen nimmt Österreich die Lockerung der Maskenpflicht Mitte dieser Woche wieder zurück.Bild: VIE7143 / Leopold Nekula
Analyse

Lockerungen zu früh: Österreich führt Maskenpflicht wieder ein

21.03.2022, 14:2221.03.2022, 19:07

Während in Deutschland weitgehende Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen beschlossen wurden, sollen diese in Österreich wieder verschärft werden. Das Nachbarland hatte am 6. März trotz hoher Infektionszahlen seine Corona-Beschränkungen weitgehend aufgehoben. Die Pflicht, eine FFP2-Maske zu tragen, wurde unter anderem auf Krankenhäuser, öffentliche Verkehrsmittel und Geschäfte des täglichen Bedarfs beschränkt.

Doch offenbar waren diese Vorsichtsmaßnahmen nicht ausreichend: Nach Corona-Infektionszahlen von über 50.000 pro Tag wird in Österreich voraussichtlich ab Mitte dieser Woche wieder eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken in Innenräumen gelten. Das kündigte Gesundheitsminister Johannes Rauch von den Grünen laut der Nachrichtenagentur APA am Freitagabend vergangener Woche an. Eine entsprechende Verordnung soll demnach bis kommenden Mittwoch vorliegen.

Der österreichische Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) am 18. März 2022 während einer Pressekonferenz über das weitere Vorgehen der Regierung in Sachen Corona.
Der österreichische Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) am 18. März 2022 während einer Pressekonferenz über das weitere Vorgehen der Regierung in Sachen Corona.Bild: www.picturedesk.com / GEORG HOCHMUTH

Inzwischen habe sich gezeigt, dass die Lockerungen zu früh gekommen seien, sagte Rauch in einer Pressenkonferenz. Auch in den kommenden beiden Wochen würden Corona-Infektionszahlen von über 50.000 pro Tag erwartet.

Der Epidemiologe Timo Ulrichs warnte im Gespräch mit watson auch in Deutschland vor einer verfrühten Lockerung der Corona-Maßnahmen, vor allem angesichts der neu entdeckten Hybridmutante des Coronavirus, genannt Deltakron. "Je mehr Viren wir zurzeit zirkulieren lassen, desto mehr erhöhen wir das Risiko, dass sich solche Varianten weiterhin verbreiten", sagte der Professor für Infektionsepidemiologie der Akkon Hochschule für Humanmedizin in Berlin gegenüber watson.

Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs
Epidemiologe Prof. Timo UlrichsBild: Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften Berlin

Die österreichische Corona-Kommission begrüßte die Wiedereinführung der Maskenpflicht. Die Maßnahme könne die Infektionszahlen "deutlich senken", erklärten die Experten laut APA. Der Ansicht ist auch der Virologe Hendrik Streeck, er erklärte im Interview mit watson:

"Masken sind das Mittel, von dem wir wissen, dass sie am besten eine Infektion verhindern. Oder, wenn eine Infektion stattfindet, dass man darüber die Infektionsdosis herunterreguliert und der Verlauf wahrscheinlich milder ist. Wobei auch hier gute Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Im Bereich hoher Infektionsgeschehen sollten wir also auf Masken zurückgreifen."
Hendrik Streek, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn, plädiert für Selbstverantwortlichkeit in Bezug auf Coronamaßnahmen.
Hendrik Streek, Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Bonn, plädiert für Selbstverantwortlichkeit in Bezug auf Coronamaßnahmen.Bild: dpa / Fabian Sommer

Langfristig müsse man aber dahin kommen, so Streeck gegenüber watson, dass die Leute selber für sich entscheiden, wie sie mit diesem Virus umgehen und ob sie eine Maske tragen wollen. Und so sollte man es auch den Geschäften und Einrichtungen selbst überlassen, ob dort eine Maskenpflicht gelten soll, meinte Streeck.

Der österreichische Gesundheitsminister Rauch kündigte zugleich mit der Wiedereinführung der Maskenpflicht eine Lockerung der Quarantäne-Regelung für infizierte Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen an. Grund sei eine Überlastung des Personals wegen der hohen Patientenzahlen in den Einrichtungen. "Der Betrieb ist nur noch mit Mühe aufrechtzuerhalten", sagte der Gesundheitsminister. Es gebe dringenden Handlungsbedarf. Die neuen Vorschriften würden jedoch noch diskutiert. Derzeit können sich Beschäftigte in österreichischen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nach fünf Tagen freitesten.

Geschäft in Salzburg mit Hinweis auf die Maskenpflicht.
Geschäft in Salzburg mit Hinweis auf die Maskenpflicht.Bild: www.picturedesk.com / BARBARA GINDL

In Deutschland hatten Bundestag und Bundesrat am Freitag das neue Infektionsschutzgesetz gebilligt, das die meisten der bisherigen Corona-Maßnahmen nur noch übergangsweise bis 2. April erlaubt. Danach gilt ein sogenannter Basisschutz, der im Kern lediglich eine Maskenpflicht für öffentliche Verkehrsmittel und Einrichtungen mit besonders durch das Coronavirus gefährdeten Menschen vorsieht. Schärfere Maßnahmen dürfen die Bundesländer künftig nur für sogenannte Hotspots anordnen.

Epidemiologe Ulrichs zeigte sich bezüglich der nahen Zukunft mit weniger Corona-Maßnahmen in Deutschland besorgt – und das nicht nur wegen der Mutante Deltakron: "Um den Sommer müssen wir uns vor allem deshalb Sorgen machen, weil die Omikron-Welle wegen der BA.2-Untervariante und unserem fahrlässigem Verhalten mit Lockerungen sehr stark verbreitert wird und das Risiko besteht, dass wir nicht in eine Sommerentspannung gehen, sondern eine Plateauphase erleben mit konstant hohen Zahlen."

Das bedeute möglicherweise eine hohe Zahl an Neuinfektionen, Krankenhauseinweisungen und sogar Todeszahlen, so Ulrichs, auf die dann eine Herbstwelle aufsetzen könnte. Auch Hendrik Streeck dämpft im Gespräch mit watson die Hoffnung auf einen dauerhaften Abschied von Maske und Co in der nächsten Zeit: "Es gibt einen Sommer-Modus und einen Winter-Modus: Im Winter wird es das und das wieder geben müssen – dazu gehören in meinen Augen Masken –, so dass die Bürger darauf vorbereitet sind."

(mit Material der afp)

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