Diese Buden bleiben 2021 geschlossen: Der traditionelle Münchner Christkindlmarkt wurde am Dienstag abgesagt.
Diese Buden bleiben 2021 geschlossen: Der traditionelle Münchner Christkindlmarkt wurde am Dienstag abgesagt.Bild: www.imago-images.de / Frank Hoermann
Analyse

Immer mehr Weihnachtsmärkte werden abgesagt: Jetzt folgt der Hammer in Bayern – Christkindlmarkt in München findet nicht statt

15.11.2021, 12:5916.11.2021, 16:40

Aufgrund der stark steigenden Corona-Infektionen werden hierzulande bereits zahlreiche Weihnachtsmärkte abgesagt – doch zugleich befinden sich auch über 3.000 traditionelle Märkte bereits im Aufbau. Es bleibt in vielen Städten weiterhin unklar, ob alle geplanten Weihnachtsmärkte öffnen dürfen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach spricht sich am Montag gegenüber der "Bild" gegen Weihnachtsmärkte aus: "Auch die Weihnachtsmärkte sind in der jetzigen Situation nicht wirklich planbar und durchführbar. Da müssen wir ehrlich sein." Lauterbach erwartet, dass die Intensivstationen noch vor Weihnachten überlastet sein werden.

Immer mehr Veranstalter rudern zurück und sagen Weihnachtsmärkte ab – nicht zuletzt, weil auch die Länder schärfere Maßnahmen ergreifen. So wurde auch mit Spannung die Pressekonferenz von Bayern-Minister Söder am Mittwoch erwartet: Hier erhofften sich vor allem Veranstalter großer Märkte Klarheit, ob und unter welchen Bedingungen zum Beispiel der bekannte Christkindlmarkt auf dem Münchner Rathausplatz stattfinden kann. Allerdings hielt sich Söder sehr vage und sprach lediglich davon, dass es auf einen "Lockdown für Ungeimpfte" rauslaufen könnte – konkrete Corona-Pläne und Ansagen vergebens.

München sagt Weihnachtsmarkt ab: Entscheidung stößt nicht überall auf Zustimmung

Doch am Dienstag folgt der erste Hammer, der Symbolcharakter für ganz Bayern haben könnte: Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter teilt in einer Erklärung der Stadt mit, dass die Absage des Christkindlmarktes in München nun beschlossene Sache sei. Dies berichtet der BR. Die hohen Inzidenzen und die "dramatische Situation in den Kliniken" haben demnach zu der Absage geführt, die der Krisenstab der Stadt treffen musste. Das sei eine "bittere Nachricht", sagte Reiter in der Erklärung. Dennoch habe man angesichts der "dramatischen Situation" keine andere Wahl. "Alles andere wäre eine nicht zu verantwortende Erhöhung des Infektionsrisikos und darüber hinaus auch das falsche Signal", wird Reiter zitiert. Aktuell müssten große Menschenansammlungen verhindert werden.

Noch am Freitag hieß es von Wolfgang Nickl, Sprecher der Stadt München, gegenüber watson: "Das Referat für Arbeit und Wirtschaft will als Veranstalter den Münchner Christkindlmarkt ermöglichen."

Die Entscheidung des Oberbürgermeisters Dieter Reiter stößt nicht überall auf Zustimmung. Clemens Baumgärtner, Wirtschaftsreferent der Stadt München, respektiere die Entscheidung Reiters zwar, jedoch hätten seiner Meinung nach die besseren Argumente für eine Durchführung gesprochen. "Ich halte es für bedenklich, dass die Weihnachtsmärkte als Platzhalter für die steigenden Infektionszahlen herangezogen werden. Dabei haben sie doch noch gar nicht stattgefunden", sagt der Sprecher auf Anfrage von watson.

Vor Corona drängten sich die Besucher auf dem Christkindelsmarkt in Nürnberg.
Vor Corona drängten sich die Besucher auf dem Christkindelsmarkt in Nürnberg.Bild: NurPhoto / Alexander Pohl

Nürnberg hält an der geplanten Öffnung des Christkindlesmarkts fest

In Nürnberg hingegen findet der bekannte Christkindelsmarkt 2021 statt, wie der Wirtschaftsreferent von Bayerns zweitgrößter Stadt, Michael Fraas, am Montag mitteilte. Allerdings gibt es Auflagen: Statt 170 Buden soll es dieses Jahr nur 101 Buden geben. Diese sollen zudem großflächiger verteilt werden als noch im Jahr 2019. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass zu viele Menschen sich auf zu kleinem Raum sammeln.

Gegenüber watson teilte Fraas am Dienstag mit, dass die Planungen weiterhin laufen würden – unabhängig der Absage des Weihnachtsmarktes in München. Dennoch hätte Fraas Verständnis für die gefallene Entscheidung in München, man müsse "nach Lage in der jeweiligen Stadt beurteilen", sagte er.

Doch ganz sicher ist die Öffnung des Christkindlesmarkts in Nürnberg nicht, denn die Entscheidung auf der Bund/Länder-Konferenz am Donnerstag stehe noch aus, erklärte Fraas. Dennoch ist der Wirtschaftsreferent optimistisch, dass der Markt stattfinden kann, da "2G oder 3G bereits in der Planung im Frühjahr berücksichtigt" worden war.

Kretschmer fordert Absage von Weihnachtsmärkten

Angesichts der Infektionsdynamik wurden in den vergangenen Tagen mehrere Stimmen laut, die eine bundesweite Absage der Weihnachtsmärkte fordern. Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ist dieser Ansicht:

"Man kann sich doch nicht vorstellen, dass man auf dem Weihnachtsmarkt steht, Glühwein trinkt und in den Krankenhäusern ist alles am Ende und man kämpft um die letzten Ressourcen"
Michael Kretschmer im RTL/ntv-Interview für die Sendung "Frühstart"

Dagegen wehren sich jetzt offensichtlich einige Städte. Denn in Leipzig soll der Weihnachtsmarkt, der zu den ältesten Deutschlands zählt, weiterhin, wie geplant, öffnen. Doch mit einer Einschränkung: Es wird in diesem Jahr keinen Glühwein geben, wie die "Bild" berichtet. Die Begründung: Damit sollen unkontrollierte, stundenlange Menschenansammlungen vermieden werden – dem Virus soll so die Chance genommen werden, sich zu verbreiten, heißt es in der "Bild".

Dresden verzichtet auf die Bergparade und das Stollenfest, wie die Stadt am Montag in einer Pressemitteilung schreibt. Allerdings habe "die heutige Entscheidung keinen Einfluss auf den aktuellen Aufbau der Weihnachtsmärkte". Es werden lediglich "zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um Konzentrationen zu vermeiden", heißt es weiter. So wird es zum Beispiel kein Kulturprogramm auf den Bühnen geben.

Hamburg: Weihnachtsmarkt mit Zaun

Hamburg geht hier ganz andere Wege: Die Veranstalter des Weihnachtsmarktes auf dem Rathausplatz haben sich dazu entschlossen, das Gelände in einen 2G-Bereich für Geimpfte, Genesene und unter 18-Jährige und einen Bereich ohne Zugangsbeschränkung zu unterteilen. Getrennt werden soll der Weihnachtsmarkt durch einen Zaun, wie das "RND" berichtet.

Auch die Stadt Köln teilte mit, dass die Weihnachtsmärkte in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt stattfinden werden – unter 2G-Regelungen. Alexander Vogel, Sprecher der Stadt Köln, teilt auf Anfrage von watson mit: "Der Krisenstab der Stadt Köln hat heute beschlossen, dass die Weihnachtsmärkte nur mit 2G betreten werden sollen." Eine Zustimmung des Landes NRW dazu stünde jedoch noch aus, sagte er.

Baden-Württemberg startet unter 3G in die Weihnachtssaison

Im Land Baden-Württemberg gilt zur Bewertung des Infektionsgeschehens ein Dreistufen-Warnsystem mit Basis-, Warn- und Alarmstufe. Aktuell gilt die Warnstufe. Das bedeutet für die Weihnachtsmärkte lediglich eine 3G-Nachweispflicht.

Im Falle des Freiburger Weihnachtsmarktes bedeutet dies konkret: "Der Weihnachtsmarkt ist für alle Besucher frei zugänglich. Auf dem ganzen Gelände herrscht Maskenpflicht. Trotz des Mund-Nasen-Schutzes ist es Pflicht, 1,50 m Abstand zu halten. Lediglich zum Essen und Trinken darf die Maske abgenommen werden", erklärt der Veranstalter auf Nachfrage von watson. "Sollte jedoch die Alarmstufe eintreten", führt der Veranstalter aus, "ist ein 2G-Nachweis erforderlich."

Kretschmer mit Forderung an Ampel

2G, 3G, kein Alkohol oder getrennt durch einen Zaun? Sachsen Ministerpräsident Kretschmer forderte sofortige Entscheidungen von Bund und Ländern bereits vor Inkrafttreten des neuen Corona-Gesetzes am 25. November: "So wie die neue Regierung, die sich jetzt aufmacht, agiert, ist es viel zu langsam." Damit meint er auch die Weihnachtsmärkte:

"Wir brauchen jetzt ein gemeinsames Agieren. Wir müssen denjenigen Mut machen, die jetzt schwere Entscheidungen treffen. Es sind Bürgermeister und Landräte, es sind Marktbetreiber, die jetzt vor der Entscheidung stehen, Weihnachtsmärkte abzusagen und wir sollten ihnen das klare Signal geben, ihr habt Recht, trefft diese schwere Entscheidung."

(lc)

Intensivpfleger Ricardo Lange im Interview: "Wir behandeln ja auch Gewalttäter – warum also eine solche Debatte bei Ungeimpften?"

Auf Instagram, Twitter, Zeitungen und TV-Talkrunden: Überall begegnet einem derzeit das Gesicht von Ricardo Lange, der Alarm schlägt, weil die personelle Situation in deutschen Kliniken kollabiert. Dass ein Intensivpfleger aus Berlin zu einem Fast-Schon-Prominenten wird, verrät viel über die Corona-Zeit und die Menschen, die sie zu schultern haben.

Zur Story