Hochzeitsgesellschaften werden sich vor allem im Freien aufhalten, so die Experten. (Symbolbild)
Hochzeitsgesellschaften werden sich vor allem im Freien aufhalten, so die Experten. (Symbolbild)Bild: iStockphoto / Halfpoint
Analyse

Corona-Einschränkungen in 2021, Hochzeits-Boom in 2022: Was Brautpaare nun wissen sollten und welcher Trend besonders angesagt ist

12.06.2021, 13:1412.06.2021, 17:32

Zahlreiche Brautpaare haben sich auf diesen Sommer gefreut, in der Annahme, dass ihre geplante Hochzeitsfeier nun endlich stattfinden kann. Viele warten seit über einem Jahr darauf. Doch noch sieht es nicht danach aus, dass unbeschwerte Familienfeiern im großen Rahmen möglich sind.

Zwar finden Trauungen im Standesamt weiter statt, allerdings oft nur im engsten Kreis und mit Maskenpflicht. Auch kirchliche Trauungen sind natürlich erlaubt, aber mit wenigen Gästen und meist ohne Gesang. Das größte Problem bleibt jedoch die sonst übliche Party danach, denn die Corona-Maßnahmen erschweren ihre Planung enorm.

Wie sehen Hochzeitsfeiern dieses Jahr also aus? Gibt es noch Hoffnung für eine Trauung 2021? Oder sollte man eine Heirat lieber ein weiteres Jahr verschieben? Watson verschaffte sich einen Überblick und sprach mit Hochzeitsexpertinnen über die zweite Saison während Corona.

Was ist momentan überhaupt erlaubt?

Wie und vor allem auch wie groß ein Hochzeitspaar feiern darf, hängt davon ab, in welchem Bundesland das Fest stattfindet. Die Corona-Maßnahmen der Länder richten sich auch nach den Inzidenzen der Region – und da sich diese schnell ändern können, sollten Brautpaare auf dem Laufenden bleiben.

Derzeit liegt die bundesweite Inzidenz unter 35 (Stand 10. Juni), damit sind viele Lockerungen möglich, die auch Hochzeitsfeiern betreffen. Zumeist sind in Außenbereichen sehr viel mehr Gäste erlaubt als in Innenräumen, häufig gilt auch eine Testpflicht. Der Bund Deutscher Hochzeitsplaner fasst die einzelnen Regelungen der Länder immer aktuell auf seinem Instagram-Account zusammen – ein hilfreiches Tool für alle Heiratswilligen.

Die größten Feiern sind demnach momentan in Thüringen möglich. Dort gibt es für Outdoor-Hochzeiten keine beschränkte Teilnehmerzahl mehr, sofern die Inzidenz unter 35 liegt und die Hygieneregeln eingehalten werden. Andere Bundesländer sind noch verhalten: In Sachsen und Hamburg zum Beispiel sind größere Hochzeitsfeiern noch nicht möglich.

"Zum Teil ist dann nicht einmal klar, ob Geimpfte zur maximalen Gästezahl dazuzählen oder nicht."
Wedding-Plannerin Anikó Arzner

Das Länder-Wirrwarr ist für die Hochzeits-Branche ärgerlich, erklärt Wedding-Plannerin Anikó Arzner im Gespräch mit watson. "Jeden Tag auf dem neuesten Stand der Corona-Verordnungen zu sein, ist für uns viel Mehrarbeit, gerade weil sich die Regeln unterscheiden: In einigen Bundesländern gibt es ein Tanzverbot oder ein Alkoholausschank-Verbot in der Nacht. Wieder andere öffnen nur Außenbereiche oder haben Maskenpflicht."

An ihrem Standort Dresden gibt es bislang noch keine Öffnungsansätze für Hochzeiten. "Wir hoffen jetzt auf Lockerungen im Juni, sodass im Juli gefeiert werden kann", sagt sie. "Wie es im September und Oktober mit dem Heiraten aussieht, ist noch ungewiss. Ich würde mir sehr wünschen, dass die Politik diesbezüglich einheitliche Regelungen findet." Momentan herrschen in jedem Bundesland andere Vorgaben, was zu großer Verunsicherung in der Branche – und nicht zuletzt bei den Brautpaaren führt: "Zum Teil ist dann nicht einmal klar, ob Geimpfte zur maximalen Gästezahl dazuzählen oder nicht."

Micro-Weddings ist Trend: Wer 2021 heiraten will, sollte sich klein halten

Das heißt auch: Die Hochzeitsplanung unter Corona bleibt mühsam, selbst für einen professionellen Wedding-Planner, wie Arnzer berichtet: "Momentan organisieren wir eine Hochzeit in Südtirol und haben, zusammen mit dem Brautpaar, tatsächlich den Impfstatus der Gäste einzeln abgefragt. Dann gleichen wir ab, ob diese Gäste mit der Quadratmeterzahl der Location zusammenpassen – da gibt es eine Obergrenze. Diesen Aufwand können Brautpaare ohne Wedding-Planner kaum betreiben."

Das einzig Gute sei, dass die Gäste derzeit viel Verständnis hätten, selbst wenn rückwirkend eine Ausladung stattfände. Auch Dienstleister und Locations kommen den Brautpaaren momentan – trotz ihrer prekären Lage – sehr entgegen. Das Unternehmen WeddyPlace hat ermittelt, dass über 95 Prozent der deutschen Hochzeitslocations und 66 Prozent der Hochzeits-Dienstleister Stornierungen unter Corona erstattet hätten (Umfrage unter 1289 Unternehmern).

Traurednerin Friederike Delong sieht für Heiratswillige unter Corona eigentlich nur eine Chance: "Heiratet klein!", sagt sie. "Kleine Hochzeiten mit nur einer handvoll Gäste sind wundervoll. So beschränkt man sich auf die allerliebsten Menschen und besinnt sich auf das, worum es doch geht: Die Liebe zwischen zwei Menschen."

"Heiratet klein! Kleine Hochzeiten mit nur einer handvoll Gäste sind wundervoll."
Traurednerin Friederike Delong

Von großen Hochzeiten während einer Pandemie hält sie – selbst unter Testkonzepten und Hygieneregeln – gar nichts. "Hochzeitsgesellschaften halten sich nicht ans Hygienekonzept und die Maskenpflicht", ist sie überzeugt. "Die Menschen, die sich da begegnen, kennen und lieben sich, die gehen nicht auf Abstand. Die wollen sich umarmen und feiern. Alles was an Hygieneregeln besteht, hält maximal bis zum Sektempfang und dann ist die Pandemie vergessen."

2020 war sie selbst als Traurednerin bei größeren Hochzeiten eingeladen und fühlte sich dabei vor allem eins: "Unwohl". Die Pandemie könne doch auch eine Chance sein, sagt sie, sich fern der Tradition im kleinen Kreis das Ja-Wort zu geben. Die Branche setze weiter zu sehr auf die großen Feste und habe es verpasst, Micro-Hochzeiten attraktiver zu machen, die gerade jetzt in der Pandemie eine echte Alternative wären, glaubt sie und schrieb darüber sogar ein Buch ("Heiraten in der Pandemie").

Draußen feiern, klein feiern und flexibel bleiben – das ist den Expertinnen nach der beste Fahrplan für Hochzeitspaare im zweiten Coronajahr.

"Wer klein heiratet, kann auf Qualität statt Masse setzen und seinen Gästen einen unvergesslichen Abend bescheren. Eine Gruppe von fünf Menschen fühlt sich sowieso mehr 'zusammen' an, als ein Saal mit 150 Gesichtern", so Friederike Delong. "Die Paare, die ich unter Corona im kleinen Kreis getraut habe, sagen durch die Bank, dass es intim und wunderbar war."

Auf neue Konzepte setzt auch Wedding-Plannerin Arzner und hat für Corona-Brautpaare alternative Feier-Ideen zusammengestellt. Darunter auch: Staffelhochzeiten, Hochzeiten per Streaming oder eben Micro-Weddings. Draußen feiern, klein feiern und flexibel bleiben – das ist den Expertinnen nach der beste Fahrplan für Hochzeitspaare im zweiten Corona-Jahr. Aber was, wenn ich das nicht möchte?

Wer die Hochzeit auf 2022 verschiebt, muss mit Konkurrenz rechnen

Wer weiter auf ein rauschendes Fest spekuliert, sollte sich schon jetzt um die Hochzeit 2022 kümmern, denn die Termine seien bereits ziemlich ausgebucht, erklärt Arzner. Brautpaare aus den Corona-Jahren und Frisch-Verlobte konkurrieren dann nämlich um Locations und Hochzeitstermine. "Wer dennoch 2022 heiraten möchte, wird vielleicht auch einen Tag in der Woche in Betracht ziehen müssen, um noch Locations buchen zu können", gibt sie zu Bedenken.

Sie freut sich auf die Wiederkehr der Hochzeitsfeiern, auch weil die Branche gelitten hat. "Partner, mit denen wir sonst gerne zusammengearbeitet haben, hören einfach auf, Locations wechseln den Besitzer", sagt sie. "Es ist schade, dass es so weit kommen musste."

Auf die Rückkehr von Sekt und Brautkleid freut sich auch Friederike Delong bereits: "Ich ziehe meine Glücksgefühle aus Hochzeiten und die fehlen mir inzwischen sehr. Letztes Jahr hatte ich nur fünf Trauungen, sonst sind es bis zu 50 Stück im Jahr. Das hat mich echt depressiv gemacht, mir fehlten die Endorphine", sagt die Wiesbadenerin. 2022 wird es die dann vermutlich im Überfluss geben – vorausgesetzt, die Pandemie flaut tatsächlich ab und das Leben in Deutschland normalisiert sich.

Was die Hochzeits-Profis allen Brautpaaren raten

Doch ob 2021 oder 2022 – Spontanität bleibt wichtig, so Arzner: "Brautpaare müssen unter Corona sehr agil mit der Situation umgehen. Ich rate meinen Kunden momentan, offen zu sein für neue Lösungen, Locations und Termine. Nichts ist mehr konkret planbar und ich gehe davon aus, dass auch nächstes Jahr noch viel Flexibilität gefragt ist."

"Täglich auf die Inzidenzzahlen zu schauen und um die Traumhochzeit zu bangen, das ist eigentlich das Schlimmste – da geht jede Vorfreude baden."
Wedding-Plannerin Anikó Arzner

Dafür plädiert auch Friederike Delong. "Die meisten wiederholen einfach, was Generationen vor ihnen schon getan haben. Seit der Antike gibt es große Hochzeitsfeste, damit auch das ganze Dorf die Verbindung mitbekommt – aber das ist doch schon lange nicht mehr nötig", sagt die 38-Jährige.

Das Geheimnis glücklicher Brautpaare sei es vor allem, hinzunehmen, dass eine Hochzeitsfeier unter Corona-Bedingungen anders laufen wird als gedacht und dann ehrlich loszulassen, sagt Arzner abschließend: "Denn täglich auf die Inzidenzzahlen zu schauen und um die Traumhochzeit zu bangen, das ist eigentlich das Schlimmste – da geht jede Vorfreude verloren."

Intensivpfleger Ricardo Lange im Interview: "Wir behandeln ja auch Gewalttäter – warum also eine solche Debatte bei Ungeimpften?"

Auf Instagram, Twitter, Zeitungen und TV-Talkrunden: Überall begegnet einem derzeit das Gesicht von Ricardo Lange, der Alarm schlägt, weil die personelle Situation in deutschen Kliniken kollabiert. Dass ein Intensivpfleger aus Berlin zu einem Fast-Schon-Prominenten wird, verrät viel über die Corona-Zeit und die Menschen, die sie zu schultern haben.

Zur Story