Leben
Atemschutz gegen die Keime aus Wuhan. Wieder ein Virus seit Sars aus China
Informationen zu den neuartigen Coronaviren überschlagen sich rund um die Uhr. Politik und Behörden sehen sich im Januar zum Handeln gezwungen um die Verbreitung der Erkrankungen einzudämmen und eine Epidemie zu verhindern. Verdachtsfälle der Lungenkrankheit sind weltweit mit Vorsicht zu beobachten

Mittlerweile ist das Coronavirus auch in Deutschland angekommen. Bild: Getty Images / Dr_Microbe / picture alliance / newscom / montage watson

Coronavirus: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Das Coronavirus breitet sich immer weiter aus. Seit dieser Woche sind die ersten Fälle in Deutschland bekannt. Doch woran erkennt man eine mögliche Infektion? Und wie kann man sich schützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Bei insgesamt zehn Menschen in Deutschland ist eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus bestätigt. Wie gefährlich ist der Erreger?

Eins vorweg: Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass ihr euch außerhalb Chinas mit dem Coronavirus infiziert. Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) schätzt das Risiko für Sekundärfälle (also ein weiterer Ausbruch einer Krankheit im Umfeld eines bekannten Ausbruchs) nach einer Einschleppung in die EU derzeit als sehr gering ein.

Das Robert Koch Institut (RKI) folgt dieser Einschätzung: Zwar müsse mit einem Import einzelner Fälle gerechnet werden, das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland sei aber gering, heißt es auf der Website. Voraussetzung dafür sei, dass Fälle frühzeitig erkannt und isoliert würden. Außerdem müssten Hygienemaßnahmen "konsequent" eingehalten werden.

Auch müsst ihr euch zur Zeit nicht mit Mundschutz oder Atemasken eindecken. Der Leiter der bayerischen Taskforce Infektiologie, Martin Hoch, sagte am Dienstag in einer Pressekonferenz, das Tragen solcher Schutzmaßnahmen sei derzeit nicht notwendig.

Die wichtigsten Fragen zum Coronavirus.

Eure Fragen unsere Antworten

Bild: watson

Welche Symptome können auftreten?

Grundsätzlich verursachen gewöhnliche Coronaviren laut RKI eine "milde Erkältungssymptomatik", also Husten, Schnupfen und Atemnot. Im Fall des neuartigen Coronavirus, das den Namen 2019-nCoV trägt, kann eine Infektion aber auch zu einer Lungenentzündung führen.

Da es sich in diesem Fall um eine atypische Lungenentzündung handelt (heißt: nicht von Bakterien verursacht), treten die Symptome eher langsam und schleichend auf. Kopf- und Gliederschmerzen gehören laut Techniker Krankenkasse zu den typischen Symptomen, dazu leichtes Fieber und Husten.

Die Inkubationszeit (der Zeitraum zwischen Ansteckung mit einem Erreger und Auftreten der ersten Symptome) beträgt zwischen 2 und 14 Tagen. Menschen sind vermutlich während der Inkubationszeit ansteckend.

Wie verhalte ich mich bei einem Ansteckungsverdacht?

Solltet ihr aus Wuhan oder der chinesischen Provinz Hubei zurückkehren oder bereits zurückgekehrt sein (hier findet ihr eine Auflistung der Risikogebiete) und an den oben beschriebenen Symptomen leiden oder die Symptome entwickeln, dann besteht Verdacht auf eine Infektion mit dem Virus.

Das RKI rät in diesem Fall:

Wie wird das Virus übertragen?

Das Virus kann von Mensch zu Mensch übertragen werden – meist per Tröpfcheninfektion (also etwa durch Anhusten). Auch sogenannte Schmierinfektionen sind möglich. Dabei nehmt ihr die Viren etwa von einer Türklinke auf. Fasst ihr euch dann zum Beispiel ins Gesicht, könnt ihr euch mit dem Erreger infizieren.

Wie schützt ihr euch vor einer Ansteckung?

Grundsätzlich gelten auch für das neuartige Coronavirus dieselben Schutzmaßnahmen, mit denen ihr euch auch vor einer Erkältung oder Grippe schützen könnt.

Wie gehen Krankenhäuser mit Verdachtsfällen um?

Krankenhäusern, die mit Verdachtsfällen einer Infektion mit dem Coronavirus umgehen müssen, empfiehlt das RKI vorbeugende Maßnahmen gegen Tröpfcheninfektion:

Diese Maßnahmen sollen eine Ausbreitung des Virus verhindern und das Krankenhauspersonal schützen. Für eine Diagnose werden euch dann mehrere Proben entnommen, aus den oberen Atemwegen (Mund- und Nasenhöle, Rachen, Kehlkopf) und den unteren Atemwegen (Luftröhre, Bronchien und Lungenbläschen).

Diese Proben werden aufwendig verpackt und zur Untersuchung an Labore übergeben. Außerdem wird der Verdacht beim örtlichen Gesundheitsamt gemeldet. Die Ämter geben das an die Landesbehörden weiter, allerdings ohne Namen, Adressen und andere Kontaktdaten weiterzugeben.

Welche Therapien gibt es?

Derzeit gibt es laut Robert Koch Institut keine spezifischen Behandlungsmöglichkeiten gegen das neuartige Coronavirus 2019-nCoV. Allerdings sei die unterstützende Behandlung der Infektion sehr wirkungsvoll.

Je nach Schwere des Krankheitsbildes können dazu etwa Sauerstoffgabe, Ausgleich von Flüssigkeitshaushalt oder die Behandlung von bakteriellen Begleitinfektionen mit Antibiotika gehören. Außerdem werden die relevanten Grunderkrankungen behandelt, also etwa euer Husten.

Solltet ihr euren Urlaub in China absagen?

Das Auswärtige Amt rät zumindest von Reisen in die Provinz Hubei ausdrücklich ab. Zudem hat Lufthansa ohnehin alle Flüge von und aus China bis zum 9. Februar ausgesetzt.

Falls ihr doch nach China reist, dann müsst ihr zumindest mit Einschränkungen im Fernverkehr rechnen. Unbedingt solltet ihr Märkte meiden, auf denen lebendige oder tote Tiere gehandelt werden. Kontakt mit Tieren solltet ihr ebenfalls vermeiden. Dieses Merkblatt des Auswärtigen Amts könnt ihr euch ausdrucken oder auf eure Smartphones herunterladen.

Dürft ihr Pakete aus China annehmen?

Dank der Globalisierung ist es heutzutage gar nicht mehr so unwahrscheinlich, dass ihr in China irgendwas bestellt habt. Smartphones zum Beispiel, billige Kleidung oder Spielzeug. Jetzt die große Frage: Kann das Virus im Paket zu euch in die WG reisen?

Sehr unwahrscheinlich, heißt es dazu vom Robert Koch Institut. Dazu müsste das Virus nach dem weiten Transportweg noch aktiv sein. Bisher sind außerdem keine Infektionen durch importierte Gegenstände bekannt. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung hält eine Infektion über Kontakt mit Gegenständen für unwahrscheinlich. Das gilt auch für den Verzehr von Lebensmitteln.

Ist eine Infektion tödlich?

Jein. Zwar gibt es inzwischen mindestens 300 Todesfälle in China, die mit dem Coronavirus in Verbindung stehen.

Laut Bundesaußenministerium sind allerdings 72 Prozent der Verstorbenen älter als 40 Jahre. Zwei Drittel der Fälle waren männlich, in 40 Prozent lag außerdem eine Vorerkrankung vor.

Das bedeutet: Wenn ihr jung und gesund seit, müsst ihr euch (wie bei einer Grippeinfektion) bei einem Verdacht auf eine Infektion nicht unmittelbar vor dem Tod fürchten.

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