Asklepios-Klinik St. Georg in Hamburg. Krebspatienten sollen abwechselnd zu niedrig, zu hoch oder sogar ohne Indikation bestrahlt worden sein. So steht es in einem internen Bericht an das Klinikum und die Behörde. Neuer Strahlen-Skandal in Hamburg

Die Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg. Bild: imago stock&people / PHOTOMAX

Nach kritischem Interview: Hamburger Klinik setzt Pflegerin vor die Tür

Ein Interview im "Hamburg Journal" des NDR hat für die Pflegefachkraft Romana Knezevic unangenehme Folgen. Nachdem die Mitarbeiterin der Asklepios Klinik (AK) St. Georg in der Hansestadt die Bedingungen auf der Intensivstation kritisiert hatte, droht ihr die Kündigung durch die Klinik. Ihr wird eine falsche Tatsachenbehauptung vorgeworfen.

In der Sendung vom 17.12. hatte Knezevic den Personalmangel auf der Intensivstation kritisiert. Die Lage sei "sehr ernst", die Intensivkapazitäten seien "komplett ausgeschöpft", berichtete sie im Video-Interview. "Es ist jetzt schon so, dass nur mit einem Betreuungsschlüssel von eins zu fünf gearbeitet werden kann", erklärte Knezevic. Das bedeutet, dass eine Pflegekraft fünf Patienten betreuen muss. Normal wäre es, wenn sich eine Pflegekraft um einen oder zwei Patienten kümmert, so Knezevic.

Außerdem müssten die Pflegekräfte auch Arbeiten des Reinigungspersonals übernehmen, weil es auch dort zu wenige Mitarbeiter gebe, kritisierte Knesevic weiter.

Deutschland, Berlin, Hotel Interconti, Wirtschaftsrat der CDU, Bundeskanzlerin Angela Merkel CDU, rechts Wolfgang Steiger, 09.06.2015

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Das Interview im "Hamburg Journal" wurde Romana Knezevic zum Verhängnis. Bild: screenshot ndr

Klinik droht nun mit Kündigung

Der Klinikbetreiber Asklepios, dem Krankenhäuser in ganz Deutschland gehören, widerspricht dieser Darstellung: Der gesetzliche Personalschlüssel werde eingehalten. Abgesehen von der Reinigung hochsensibler medizinischer Geräte, die von Pflegekräften gereinigt werden müssen, würde Intensivpflegekräften nicht angeordnet, Tätigkeiten des Reinigungspersonals zu übernehmen, erklärt ein Sprecher der Asklepios Kliniken Hamburg gegenüber der "Hamburger Morgenpost". Auch Sterbebegleitungen durch Pfleger seien gewährleistet.

Die Asklepios will Knezevic daher wegen falscher Tatsachenbehauptung kündigen. „Bei allem Verständnis für teils berechtigte Kritik am Gesundheitssystem ist es gleichwohl nicht hinnehmbar, dass Mitarbeiter aus ideologisch-politisch motivierten Gründen gegenüber Medien wissentlich Falschinformationen verbreiten oder Ausnahmesituationen als Regelfälle darstellen“, wird ein Sprecher von der Morgenpost zitiert.

"Durchsichtiger Einschüchterungsversuch"

Auch der Leiter der Intensivabteilung des AK St. Georg, Berthold Bein, wies die Beschreibung von Romana Knezevic zurück. "Die von ihr erhobenen Vorwürfe bezüglich der Intensivpflege sind nachweislich falsch", sagte Bein im "Hamburg Journal", zwei Tage nach dem Interview. Knezevic arbeite nicht auf einer Intensivstation, sondern auf einer Normalstation.

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Zwei Tage nach dem Interview mit Romana Knezevic widerspricht Berthold Bein, der Leiter der Intensivabteilung des AK St. Georg, ihren Aussagen in der Sendung. Bild: screenshot ndr

Die Hamburger Krankenhausbewegung – eine Vertretung von Beschäftigten in den Kliniken der Stadt – stellt sich hinter Knezevic. "Der Versuch, unsere Kollegin zu kündigen, wird auf den Stationen als durchsichtiger Einschüchterungsversuch wahrgenommen und sorgt für Entrüstung und Wut", heißt es in einer Mitteilung. Knezevic' Aussagen seien bereits öffentlich von mehreren Pflegekräften der Intensivstationen der AK St. Georg bestätigt worden.

"Wir sind aus Verantwortung für unsere Patienten an die Öffentlichkeit gegangen", schreibt die Hamburger Krankenhausbewegung. Weiter heißt es: "Mehr denn je ist es wichtig, dass die Stimmen der Krankenhausbeschäftigten gehört werden. Die Zeit für Beschönigungen ist vorbei – Menschenleben stehen auf dem Spiel."

Ob die Asklepios Klinik St. Georg Knezevic' Kündigung am Ende wirklich durchsetzt, ist noch nicht bekannt.

(lau)

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