So einsam wie der vergangene Corona-Winter für viele Menschen war, wird dieser wohl nicht.
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Der zweite Corona-Winter kommt: Was haben wir zu erwarten?

30.08.2021, 13:0331.08.2021, 09:25
julia dombrowsky, julia jannaschk, sebastian heinrich

Aus der deutschen Politik sind in diesen Wochen vor allem zwei Botschaften zu hören, wenn es um den kommenden Herbst und Winter geht: Erstens, dass es für Menschen, die sich bewusst nicht impfen lassen, ungemütlicher wird. Und zweitens, dass es für alle anderen, Geimpfte wie Genesene, keinen Lockdown wie im Frühjahr 2020 oder zwischen November 2020 und Mai 2021 mehr gibt.

Ungeimpften könnte in den kälteren Monaten der Zutritt zu Lokalen, Kinos, Stadien und Clubs verwehrt werden, Reiseveranstalter, Fluglinien und Hotels könnten sie abweisen. Vereinzelt gilt die sogenannte 2G-Regel schon, etwa im Stadion des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln. 2G-Regel heißt, dass dort, wo sie gilt, nur noch Geimpfte oder Genesene zugelassen sind.

"Der Herbst wird auf jeden Fall schwieriger sein. Das ist der Delta-Variante geschuldet. Viele unterschätzen immer noch die Unterschiede zwischen der Delta- und der Alpha-Variante, mit der wir in der dritten Welle kämpfen mussten. Wenn nicht noch deutlich mehr Menschen geimpft sind, können wir nicht zur vollständigen Normalität zurückkehren", hatte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kürzlich gegenüber watson gesagt.

Der Druck auf Ungeimpfte wird auch deshalb steigen, weil ab dem 11. Oktober die seit März kostenlosen Corona-Schnelltests für die Bürger nicht mehr gratis sein werden. Ein negatives Testergebnis ist für Ungeimpfte schon heute Voraussetzung, um an viele Orte zu kommen. Obwohl die Corona-Inzidenz weiter steigt: einen allgemeinen Lockdown schließen die politisch Verantwortlichen in ziemlich deutlichen Worten aus. Sie begründen das mit dem inzwischen hohen Anteil Geimpfter und der im Vergleich zum vergangenen Winter deutlich niedrigeren Zahl von Covid-Patienten auf Intensivstationen.

Was erwartet mich diesen Winter als Büro-Angstellte?

Weiterhin ist mit viel Arbeit im Homeoffice zu rechnen. Zum Einen, weil berufstätige Eltern voraussichtlich auch im kommenden Winter Kinder in Quarantäne daheim zu betreuen haben werden. Aber auch, weil sich die Arbeitswelt in Bezug auf den Schutz ihrer Mitarbeiter derzeit noch in einem rechtlichen Graubereich befindet.

Denn: Arbeitgeber dürfen den Impfstatus ihrer Mitarbeiter aus Datenschutzgründen nicht abfragen und auch keine Impfung einfordern. Sie sind aber dennoch verpflichtet, die Gesundheit aller Angestellten zu schützen. Arbeitsrechtlerin Kaja Keller hält das Homeoffice daher auch diesen Winter für unumgänglich. Sie sagte watson dazu: "Solange die Rechtsfrage zur Impfpflicht sich nicht ändert, gehen viele Arbeitgeber auf Nummer sicher und setzen auf das Homeoffice. So gehen sie ihrer Fürsorge nach, ohne juristisch komplizierte Situationen zu riskieren."

Welche Regeln gelten für Reisende?

"Durch die Reiseaktivitäten erwarte ich keine deutliche Verschärfung der Lage, da die Delta-Variante bereits in Deutschland dominiert", so der Epidemiololge Markus Scholz gegenüber watson. Bisher gab es strenge Regeln für Reisende: Quarantäneregeln bei der Rückkehr aus bestimmten Urlaubsländer, sowie verpflichtende Corona-Tests und Kontrollen an Flughäfen, Autobahnen und in Zügen.

Bild: Moment RF / Francesco Carta fotografo

Falls von der Politik zusätzlich die 2G-Regel beschlossen werden sollte, könnten auch Reiseveranstalter und Hotels ungeimpfte Deutsche in der Folge abweisen. Der bayerische Reiseveranstalter Leitner ist diesen Schritt bereits gegangen und kündigte am Freitag in der Tageszeitung "Münchner Merkur" offiziell an, ab Oktober nur noch Genesene oder Geimpfte zuzulassen.

Können Studierende mal wieder eine Uni von innen sehen?

Die Modelle an den Hochschulen variieren: An einigen Universitäten sollen nur Erstsemester an die Uni dürfen, andere wollen ihre Vorlesungen hybrid anbieten – also teils über Stream, teils live vor Ort. In anderen Bundesländern wie Berlin wiederum ist für das kommende Semester normaler Präsenzunterricht geplant. Ob das wohl wirklich durchgesetzt wird, bleibt abzuwarten: An einigen Universitäten kursieren beispielsweise gerade offizielle Umfragen, um herauszufinden, wie viele Studierende schon geimpft sind.

Auch Paul Klär vom Freien Zusammenschluss von Sudentinnenschaften (fzs) ist skeptisch. Er sagte gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit": "Ich glaube nicht an einen Normalbetrieb im Herbst." Er sagt, dass die Impfungen von Studierenden noch zu schleppend laufen würde. Zum Einen, da die Priorisierung der Impfungen noch nicht lange aufgehoben seien, zum Anderen, weil einige Studenten zögerten, sich während der Prüfungszeit impfen zu lassen.

Da das Arbeiten in der Bibliothek oder Essen in der Mensa für die Psyche der Studenten aber wichtig wären, fordert Klär einen klaren Stufenplan, der zeigt, wann die Universitäten die Regeln lockern müssen und wann verschärfen. Sein Ausblick für das kommende Semester ist trotzdem vorsichtig: "Ich glaube, dass Seminare oder Workshops in Kleingruppen mit einem Hygienekonzept vor Ort möglich sein werden. Unrealistisch halte ich die großen Vorlesungen mit mehreren Hundert Studierenden."

Wie geht es für Azubis weiter?

Die Situation der Auszubildenden wurde während der Krise häufig nicht beachtet. Dabei hatte auch diese Gruppe sehr unter der Pandemie gelitten – viele wussten nicht, wie es für sie weitergehen sollte, da ihre Zukunftspläne von der Weiterexistenz ihres Ausbildungsbetriebs abhingen.

"Der Präsenzunterricht wurde irgendwann eingestellt. Dann gab es erst einmal gar keinen Unterricht. (...) Irgendwann haben wir dann Aufgaben bekommen, die wir rechnen mussten. Aber richtiger Online-Unterricht, so mit Lehrer, hat recht lang gedauert", berichtete Moritz Volkmann, der eine Ausbildung bei der Bremer Veranstaltungstechnik-Firma macht, gegenüber watson. "Ich glaube nicht, dass wir sehr viel schlechter ausgebildet wurden als die anderen Klassen – schulisch zumindest. Man hat aber gemerkt, dass bei vielen Leuten die Praxis fehlt."

Laut einer Studie der Gewerkschaft IG-Metall vom Juli dieses Jahres beklagten knapp 42 Prozent der Auszubilden, die Situation in ihrem Ausbildungsbetrieb habe sich wegen Corona verschlechtert. Bei den dual Studierenden sind es sogar 64 Prozent. 54 Prozent der Auszubildenden schätzten ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlechter als vor Corona ein, 41 Prozent sahen ihre Übernahme im Betrieb in Gefahr.

Aus Sicht der Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) gibt es viel Aufholbedarf in Sachen Berufsschule und Ausbildung unter Pandemiebedingungen. Die DGB-Jugendreferentin Anna Bruckner erklärt gegenüber watson:

"In den Betrieben sind vielfach die Ausbilderinnen und Ausbilder – also die Fachkräfte, die den Auszubildenden mit Rat und Tat zur Seite stehen sollen – in Kurzarbeit oder in mobiler Arbeit. Prüfungsrelevante Arbeitsprozesse zu vermitteln und zu erlernen, wird dadurch enorm erschwert."

Bei einem von der DGB-Jugend für die Lehrlinge extra eingerichteten Online-Beratungstool, genannt Dr. Azubi, liefen laut Brückner "zunehmend viele Klagen von Auszubildenden ein, die von den Arbeitgebern zu ausbildungsfremden Tätigkeiten verdonnert werden." Zum Beispiel Renovierungsarbeiten.

Auch die Politik will helfen: Eva Schmidt, Sprecherin des Ministeriums für Bildung und Kultur des Saarlandes, erklärt, der Bund habe 1 Milliarde Euro zur Verfügung gestellt, um Lernrückstände bei Azubis, Schülern und Studenten auszugleichen. Niedersachsen will Berufsschulen mit diesem Geld beispielsweise individuelle Förderungen anbieten. Ulrich Schubert, Sprecher des Kultusministeriums, erklärt:

"Dazu gehören: Lernstandserhebungen beziehungsweise Kompetenzfeststellung, regelmäßige Reflexion und Beratung, Weiterqualifizierung für Lehrkräfte, Stärkung der Basiskompetenzen durch Förderunterricht. Aus den Haushaltsmitteln, die die berufsbildenden Schulen eigenverantwortlich verwalten, kann befristet beschäftigtes Personal zusätzlich eingestellt werden. Erweiterte Mittel zur Kooperation mit externen Partnern stehen zur Verfügung. Die Kooperationen mit regional ausbildender Wirtschaft bekommen einen besonderen Stellenwert, um praktische Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln."

Ein Vorteil der Berufsschulen ist laut Benedikt-Reinhard, Sprecher des Ministeriums für Kultur in Baden-Württemberg außerdem, dass viele der Schülerinnen und Schüler über 18 Jahre alt seien. "Diese Schülerinnen und Schüler können sich impfen lassen und dadurch besteht auch eine große Chance auf möglichst viel Präsenzunterricht im kommenden Schuljahr", fügt er hinzu.

Womit müssen Eltern jetzt rechnen?

Auf die Eltern kommt voraussichtlich wieder eine Doppelbelastung während der vierten Welle zu: Zwar sollen sie wieder vermehrt ins Büro kommen, auf der anderen Seite wird es wohl wegen der offenen Kitas und Schulen sowie noch weitestgehend ungeimpfter Kinder spätestens ab dem Herbst häufiger zu Quarantäne-Situationen und damit einhergehenden Betreuungsengpässen kommen. Zumindest wurden Eltern von der Bundesregierung wegen Corona für dieses Jahr zusätzlich zehn, Alleinerziehenden sogar 20 Kinderkrankentage zugebilligt.

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Strenge Regeln vieler Kitas, Kinder selbst mit leichtem Schnupfen zu Hause zu lassen, sind zwar vorbildlich, jedoch zusätzlich problematisch für die Eltern.

Nach dieser Regelung müssten wohl viel Kinder während der gesamten Pandemiezeit zu Hause bleiben. Unbeantwortet bleibt die Frage, wer die Kinder betreuen soll, wenn beide Elternteile einen Job haben, den sie im schlimmsten Fall im Büro ausüben müssen.

Was erwartet Schülerinnen und Schüler?

Selbst die Ständige Impfkommission (Stiko) hat kürzlich die Impfung von Kindern ab 12 Jahren empfohlen. Das heißt, dass sich nun immerhin ältere Schulkinder offiziell empfohlen impfen lassen können – wenn ihre Eltern das denn wollen. Allerdings fiel die Stiko-Entscheidung erst kurz oder teilweise schon nach Beginn es neuen Schuljahrs. Derzeit sind in der Gruppe der 12- bis 17-Jährigen erst 12 Prozent vollständig geimpft. Deshalb werden die Impfungen wohl keine vierte Wellte unter den Schülern verhindern können. In Berlin beispielsweise gab es laut "Rbb24" schon nach der ersten Schulwoche 224 Corona-Neuinfektionen.

Auch Epidemiologe Markus Scholz sieht die Situation an den Schulen kritisch. Er sagte gegenüber watson: "Die engen Räumlichkeiten und die hohe Personendichte sind praktisch ideale Ausbreitungsmöglichkeiten für die hoch ansteckende Delta-Variante. Die Schulöffnungen müssen deshalb von einem umfassenden Hygienekonzept begleitet werden."

Bild: Moment RF / Halfpoint Images

Die Hygienekonzepte sollten deshalb laut Schulz aus regelmäßigen Tests, Raumluftfiltern und gegebenenfalls Maskenpflicht sowie einer effizienten und schnellen Kontaktnachverfolgung bei Schulausbrüchen bestehen. "Eine weitgehende Durchimpfung der wesentlichen Kontaktpersonen der Kinder und Jugendlichen – wie beispielsweise Eltern, Lehrern und Erziehern – sollte angestrebt werden, um Einträge in Schulen möglichst zu vermeiden."

Jedoch sind die Hygienekonzepte – genauso wie der digitale Unterricht – an vielen Schulen mangelhaft. Auch Scholz ist hier eher pessimistisch: "Ob die Hygienekonzepte an Schulen ausreichen werden, wird sich erst zeigen. Dies müsste unbedingt zur Chefsache gemacht werden, da der Kinder- und Jugendbereich noch längere Zeit weitgehend ungeimpft bleiben wird und hier die Gefahr einer schnellen Ausbreitung besteht", so der Epidemiologe gegenüber watson.

Wie wird es Einzelhändlern ergehen?

Einzelhändler können wohl weitestgehend beruhigt dem Corona-Winter entgegensehen, denn Politiker versprechen keinen erneuten Lockdown. Die Läden können wohl offen bleiben. Auch der Epidemiologe Markus Scholz zeigte sich gegenüber watson diesbezüglich optimistisch: "Da eine Überlastung der Gesundheitsversorgung aktuell nicht zu befürchten ist, könnte man voraussichtlich ohne Lockdowns auskommen. Durch die weitgehende Durchimpfung der Risikogruppen können zum Beispiel deutlich höhere Inzidenzen toleriert werden."

Der Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas Gassen, forderte im Juli eine Abschaffung der Maskenpflicht für Geimpfte im Einzelhandel. Doch dieser sieht den Vorschlag kritisch. Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverband Bayern, sagte dazu gegenüber watson: "Wir sollten lieber zu vorsichtig sein, als einen weiteren Lockdown zu riskieren", so Ohlmann. "Deshalb sagen wir als Einzelhändler: In der derzeitigen Lage mit einem nahenden Herbst und steigenden Delta-Infektionen – lasst uns alle weiter Masken in den Geschäften tragen."

Auch Stefan Hertel vom Handelsverband Deutschland bestätigt diese Fahrtrichtung des Einzelhandels für ganz Deutschland: "Für den Einzelhandel ist das Wichtigste, dass alles unternommen wird, um die Pandemie dauerhaft zu beenden und weitere Lockdowns zu vermeiden. An die Maskenpflicht haben sich Kunden und Händler sehr gut gewöhnt, deshalb sollte sie, solange sie laut den Experten aus der Medizin einen Beitrag zur Eindämmung von Corona leisten kann, auch aufrechterhalten werden", sagte Hertel im Gespräch mit watson.

Dies sieht auch der Epidemiologe Markus Scholz so. Um die Maskenpflicht auch in Innenbereichen aufzuheben, solle man bis zum regulären Ende der Impfkampagne warten, meint er. Es sollten "nicht gleichzeitig AHAL und Schnelltests wegfallen, vor allem, wenn viele Menschen aufeinandertreffen. Die Impfkampagne verläuft zwar zufriedenstellend, ist aber noch nicht abgeschlossen. Es sind noch zu viele ungeschützt", so Scholz gegenüber watson.

Natürlich könnten hohe Inzidenzen trotzdem Kunden vom Vor-Ort-Besuch im Geschäft abschrecken, sodass der Online-Handel vermutlich weiterhin eine wichtige Rolle für den Einzelhandel spielen wird.

Was macht die Politik?

Abgesehen von der bevorstehenden Bundestagswahl wird weiter spannend sein, anhand welcher Kriterien Corona-Maßnahmen festgelegt werden und wer diese umsetzt.

Vorerst wurde die "epidemische Lage nationaler Tragweite" am 25. August verlängert, was bedeutet, dass Bund wund Länder weitere drei Monate lang bestimmte Maßnahmen zum Schutz vor Corona bestimmen beschließen können.

Entscheidend wird aber die Frage, nach welchen Indikatoren der Bund sich richten wird, wenn es um Lockerungen oder Verschärfungen von Corona-Maßnahmen geht. Hier gibt es verschiedene Vorschläge.

Wie geht es Angestellten in Krankenhäusern?

Der schlechte Zustand des deutschen Gesundheitssystems wurde während der Corona-Pandemie in seiner ganzen Tragweite auch für die Öffentlichkeit sichtbar. Überarbeitetes Personal kritisierte die Zustände und stieß auf großes Echo bei Bevölkerung und Politik.

Geändert hat sich seitdem wenig, sagt auch Pfleger Ricardo Lange. "Ganz egal ob Corona oder nicht Corona. Das Gesundheitssystem, bzw die Pflegekräfte sind am Limit und es gibt viele, die kündigen, weil sie nicht mehr können." Und weiter: "Und wenn jetzt noch Corona kommt, also das I-Tüpfelchen, weil man den ganzen Sommer verpennt hat und nichts Signifikantes erlassen, um die Arbeitsbedingungen der Pflege deutlich zu verbessern."

Wie wird jetzt Party gemacht?

Bereits Anfang August gab es in Berlin erste Pilotprojekte für Feiernde in Innenräumen, die Corona-Tests vor und nach der Party mit einschlossen. In Berlin kippte das Verwaltungsgericht Berlin gerade vor einer Woche das generelle Verbot gewerblicher Tanzveranstaltungen in geschlossenen Räumen. Geimpte und Genesene jedoch könnten nach der 2G-Regel wieder normal feiern. Wie sich die Situation hier im Winter entwickeln wird und ob andere Bundesländer der Strategie Berlins folgen werden, bleibt abzuwarten.

Die bundesweite Konzert- und Veranstaltungswirtschaft forderte am heutigen Freitag jedenfalls auch eine 2G-Regel, um das Überleben der Musikbranche zu gewährleisten. "Solange es Kapazitätsbeschränkungen und Abstandsregeln gibt, machen Veranstaltungen wirtschaftlich keinen Sinn", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow. Er fordert bundesweit einheitliche Regeln für seine Branche. "Wir hoffen, dass das Hamburger 2G-Modell eine Blaupause für alle anderen Bundesländer ist", sagte Michow. Bei der 2G-Option, die von Samstag an in Hamburg möglich ist, können Veranstalter entscheiden, ob sie nur noch Geimpfte und Genesene einlassen.

Was ist eigentlich mit den Risikogruppen?

Ältere Deutsche und Risikogruppen mit geschwächtem Immunsystem können damit rechnen, dass sie demnächst eine Drittimpfung erhalten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant ab dem Herbst eine Auffrischungsimpfung, auch Booster-Impfung genannt, für ebenjene Risikopatienten wie Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen.

Epidemiologe Timo Ulrichs erklärte gegenüber watson, warum er das für richtig hält: "Auffrischimpfungen können für die Älteren sinnvoll sein. Ihr Immunsystem lässt in seiner Leistungsfähigkeit im Alter nach, und da könnte eine weitere Boosterung einen zusätzlichen Schutz erzeugen."

Für alle anderen sei eine Auffrischungsimpfung seines achtens aber "nicht erforderlich." Gesunde, junge Menschen sollten "erstmal abwarten, wie lange der Immunschutz hält – da kann man getrost von mehreren Jahren ausgehen."

Was haben ungeimpfte Menschen zu erwarten?

Wer bislang nicht geimpft ist, wird sich wahrscheinlich in den nächsten Monaten mit Corona anstecken. Das sagte zumindest Virologe Christian Drosten im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". Er glaube, "diejenigen, die sich aktiv gegen die Impfung entscheiden, die müssen wissen, dass sie sich damit auch aktiv für die natürliche Infektion entscheiden. Ohne jede Wertung." Auch Jens Spahn wies kürzlich darauf im ARD-Morgenmagazin hin: "Jeder, der nicht geimpft ist, wird bei steigender Inzidenz mit dieser Variante (Delta-Variante, Anm. d. Red.) ziemlich sicher infiziert werden."

Auch in den Krankenhäusern zeigt sich schon jetzt: Die absolute Mehrheit der schwer erkrankten Patienten sind ungeimpft. Das RKI erfasste in seinem aktuellen Lagebericht vom 19. August, dass 94 Prozent der Corona-Patienten auf der Intensivstation ungeimpft gewesen seien. Die Gefahr der Durchseuchung trifft natürlich auch Kinder unter 12 Jahren, die derzeit noch überhaupt nicht geimpft werden können.

Abgesehen von einer drohenden Erkrankung, kann aber auch das tägliche Leben für Ungeimpfte in diesem Winter komplizierter werden. Eine 2G-Regel ist im Gespräch, laut derer dann nur noch Genesene oder Geimpfte Zutritt zu Lokalen, Kinos, Stadien und Clubs erhielten. Auch Reiseveranstalter und Hotels könnten ungeimpfte Deutsche in der Folge abweisen. Vereinzelt gilt die sogenannte 2G-Regel schon, etwa im Stadion des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln.

Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident und CSU-Chef, kündigte am 10. August an, dass die 2G-Regel "so oder so kommen" werde. "Mir wäre es lieber jetzt ehrlich darüber zu reden, als es zu vertagen bis nach der Bundestagswahl", sagte Söder damals. SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte kurz darauf im Interview mit watson, er könne sich "gut vorstellen, dass wir zu einer 2G-Regel übergehen, wenn die Fallzahlen wirklich sehr deutlich ansteigen".

Der Druck auf Ungeimpfte wird aber auch deshalb steigen, weil ab dem 11. Oktober die seit März kostenlosen Corona-Schnelltests für die Bürger nicht mehr gratis sein werden. Ein negatives Testergebnis ist für Ungeimpfte schon heute Voraussetzung, um an viele Orte zu kommen.

(mit Material der dpa)

Virologe Drosten: Warum eine Erkältung immun gegen Corona machen könnte

Eine tolle Nachricht: Einige Virologen gehen inzwischen davon aus, dass es Menschen gibt, die unbemerkt immun gegen Covid-19 wurden, weil sie in der Vergangenheit eine (vergleichsweise harmlose) Corona-Erkältung durchlaufen haben. Im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" erklärt Christian Drosten, was es mit dieser neuen Theorie auf sich hat.

"Es ist durchaus so, dass wir damit rechnen, dass es möglicherweise eine unbemerkte Hintergrunds-Immunität gibt – durch die Erkältungscoronaviren. Denn die …

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