Beim Essen sparen Studierende gerne mal etwas Geld ein.
Beim Essen sparen Studierende gerne mal etwas Geld ein.Bild: iStockphoto / Miljan Živković
Exklusiv

Reicht die Bafög-Erhöhung zum Leben? So denken die Deutschen darüber

28.04.2022, 11:5912.05.2022, 12:03

Die Schulzeit ist für zahlreiche junge Menschen bald vorbei, und viele von denen, die dann ihr Abi in der Tasche haben werden, wollen im Herbst studieren. Doch kann sich jeder, der das will, auch ein Studium leisten?

Für Studierende mit wenig Einkommen gibt es das staatlich finanzierte Bafög, ein zinsloser Studienkredit. Dieses soll die Chancengleichheit in Deutschland erhöhen, damit jeder unabhängig vom Einkommen und sozialer Herkunft Zugang zu Bildung hat. Doch die Förderung reicht oft nicht für den Lebensunterhalt aus: Viele Jugendliche mussten neben ihrem Studium – sofern zeitlich möglich – noch jobben.

Was ist das Bafög und wer bekommt es?
Mit dem Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetz (BAföG) fördert der Staat seit 1971 die erste Ausbildung an berufsbildenden Schulen, Kollegs, Akademien und Hochschulen. Seit der BAföG-Novelle 2019 kann auch ein Studium an einer privaten Berufsakademie gefördert werden.

Ob BAföG gewährt werden kann, hängt auch von den persönlichen Voraussetzungen ab: Relevant sind die Staatsangehörigkeit bzw. der aufenthaltsrechtliche Status, das Alter und die Eignung für die gewünschte Ausbildung sowie privates Einkommen und Vermögen oder das der Eltern.

Die Bedarfssätze variieren nach Art der Ausbildung und setzen sich aus einem allgemeinen Bedarfssatz und einem pauschalen Unterkunftsanteil zusammen, der sich danach richtet, ob der zu Fördernde bei den Eltern wohnt oder nicht.

Die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks ergibt, dass 67 Prozent der Studierenden in Deutschland einer Nebenerwerbstätigkeit nachgehen. Davon gaben 2016 sogar 57 Prozent an, dass sie auf die Erwerbstätigkeit angewiesen seien, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Durch die Corona-Pandemie hat sich die Lage noch verschärft.

Die Ergebnisse der Studierendenbefragung "Studieren in Zeiten der Corona-Pandemie" des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung im Sommer 2020 ergaben, dass für knapp 40 Prozent der erwerbstätigen Studierenden die Erwerbssituation durch die Corona-Pandemie schwieriger geworden ist (dies entspricht etwa 21 Prozent aller Studierenden). Ebenso berichten 32 Prozent der Studierenden, dass sich die Einkommenssituation ihrer Eltern verschlechtert hat.

Angesichts der aktuellen Inflation und höheren Energiepreisen berät der Bundestag zum 12. Mai über das Gesetz zur Bafög-Reform, die eine Erhöhung der Bedarfssätze und einem neuen Vermögensfreibetrag beinhaltet.

Eine repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag von watson durchführte, stellte die Frage, ob die Bafög-Reform ausreicht, um Studierende zu entlasten.

Mehrheit findet Bafög-Reform ausreichend

Eine Mehrheit von 40 Prozent der Befragten war demnach der Ansicht, dass die Reform eine ausreichende Entlastung für die Studentenschaft bedeutet. Unentschlossen waren hier mit 27 Prozent jedoch auch vergleichsweise viele.

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Vor allem Ältere finden Bafög-Aufstockung hoch genug

Nach Alter ausgewertet ergab die Frage, ob die geplante Bafög-Reform ausreiche, um Studierende zu entlasten, dass vor allem die Menschen über 65 Jahre mit 43 Prozent der Meinung waren, die Bafög-Erhöhung reiche aus. Knapp gefolgt von der vom Thema selbst betroffenen Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren, die der Aussage mit 40 Prozent zustimmten, jedoch auch zu 35 Prozent widersprachen.

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Viele Studierende wohnen zusammen in einer WG. Nicht nur, um in Gemeinschaft zu sein, sondern auch, um Geld zu sparen.
Viele Studierende wohnen zusammen in einer WG. Nicht nur, um in Gemeinschaft zu sein, sondern auch, um Geld zu sparen.Bild: iStockphoto / insta_photos

Ostdeutsche finden Bafög-Aufstockung zu gering

Nach Ost- und Westdeutschland ausgewertet, gab es ebenfalls kleine Unterschiede. Die repräsentative Umfrage ergab, dass im Westen 42 Prozent der Befragten der Ansicht waren, die Reform reiche aus. Im Osten war eine knappe Mehrheit von 36 Prozent dagegen der Ansicht, dass die neuen Bafög-Beträge Studierende nicht genug entlasten. Im Westen finden das nur 32 Prozent.

Dies überrascht nicht, da das Lohnniveau in Deutschland auch 32 Jahre nach dem Mauerfall noch unterschiedlich hoch ist. Menschen im Osten, die die Bafög-Aufstockung als zu gering empfinden, verdienen im Schnitt auch ein Viertel weniger Gehalt.

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Unterschiede nach Parteipräferenz

Die Wähler von FDP und CDU/CSU liegen mit einer Zustimmung zur Bafög-Reform von 48 Prozent gleichauf. Knapp gefolgt von der AfD mit 43 Prozent.

Anhänger von Parteien aus dem linken Spektrum, wie die der SPD, stimmen dagegen nur mit 40 Prozent der Aussage zu, dass die Bafög-Erhöhung Studierende ausreichend entlaste. Bei den Wählern der Grünen und der Partei Die Linke ist eine Mehrheit von 36 Prozent beziehungsweise 47 Prozent deutlich der Meinung, die Bafög-Reform reiche nicht aus, um Studierende zu entlasten.

Hier sind die Befürworter mit 20 Prozent bei den Linken deutlich in der Minderheit, bei den Grünen ist der Unterschied mit 32 Prozent Befürwortern gegenüber 36 Prozent Reform-Gegnern nicht ganz so hoch.

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(jj)

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