Close up young woman feeling upset, sad, unhappy or disappoint crying lonely in bedroom. Emotional shock, life problems
Warum habe ich das getan? Nach einem Seitensprung drängt sich diese Frage auf. Bild: iStockphoto / Mariia Skovpen
Liebe & Sex

Untreue in Beziehungen: Das sind typische Gründe für einen Seitensprung

20.11.2022, 12:5105.12.2022, 11:56

Es ist schon interessant. Fragt man Menschen, was ihnen in einer Beziehung wichtig ist, steht "Treue" immer ziemlich weit oben auf der Liste. Gleichzeitig legen Umfragen nahe, dass dennoch ungefähr jeder Dritte in Deutschland schon einmal in seinem Leben fremdgegangen ist (zum Beispiel hier oder hier).

Die einzig logische Schlussfolgerung scheint zu sein, dass die wenigsten Fremdgänger aus voller Überzeugung untreu werden. Also warum dann? Besonders wer schon einmal betrogen wurde, den lässt die Frage nicht mehr los. So einfach zu beantworten ist sie aber nicht, sagt Julia Henchen.

Julia Henchen Sextherapeutin
Julia Henchen hilft bei Sexual- und Beziehungsfragen.Bild: privat / Kim Hoss

Sie ist Sexualtherapeutin in Baden-Württemberg und Autorin des Buches "Lustfaktor" (mvg Verlag). Im Gespräch mit watson berichtet sie, was sie bei ihrer Arbeit mit Paaren beobachtet.

Fremdgängern fehlt etwas

"Die Frage, die immer hinter einem Seitensprung steht, ist: Wie kam es dazu? Dieser Frage nachzugehen ist in der Paartherapie wichtig und brennt besonders dem Betrogenen auch auf der Seele", sagt Julia. "Warum ein Mensch fremdgeht, ist sehr individuell, aber es wurden umfangreiche Studien zu diesem Thema gemacht und da haben sich schon ein paar Hauptkriterien herauskristallisiert."

"Ich höre oft: 'Ich habe mich nicht gesehen gefühlt.'"
Sexualtherapeutin Julia Henchen

Henchen erwähnt auch das Forscherteam um Dylan Selterman von der University of Maryland, die acht Hauptgründe für Untreue ausmachten:

  • Wut auf den Partner
  • den Wunsch, das eigene Selbstwertgefühl zu pushen
  • fehlende Liebe
  • eine geringe Verbindlichkeit
  • das Bedürfnis nach Abwechslung
  • Vernachlässigung
  • sexuelles Verlangen
  • Umstände, die schlicht der Situation geschuldet waren
Machst du dir Gedanken über Familienplanung?

Unterm Strich ist die Antwort, die sie am häufigsten hört, aber so simpel wie auch kompliziert: "Wer fremdgeht, dem hat oft etwas gefehlt", sagt die Sexualpädagogin. Nur was genau, das ist selbst den Fremdgegangenen oft nicht ganz klar. "Ich höre oft: 'Ich habe mich nicht gesehen gefühlt. Ich habe mich nicht geliebt gefühlt. Ich habe mich eingeengt gefühlt.'"

Das klingt zuerst so, als sei vor allem der Partner verantwortlich, was jedoch ein Irrglaube ist, wie Julia ausführt: "Wenn man tiefer nachfragt, stellt sich interessanterweise oft heraus, dass der 'Fremdgänger' die Person nicht mehr mag, die er selbst in der Beziehung geworden ist; er oder sie hadert also mit sich selbst und versucht auf diesem Weg auszubrechen."

Ein Ausbruch, der verheerende Folgen für die Beziehung haben kann. Dabei wollte der Betrügende seine Partner:in in den meisten Fällen gar nicht bewusst verletzen, sondern in erster Linie aus seinem Beziehungs-Ich ausbrechen.

"Einige Menschen gehen auch lieber fremd, als aktiv Schluss zu machen."
Julia Henchen

Fremdgehen: Alkohol und Streit sind nur Verstärker

Eine vollständige Trennung war oft gar nicht unbedingt erwünscht. Mit Ausnahmen, wie Julia berichtet: "Einige Menschen gehen auch lieber fremd, als aktiv Schluss zu machen und führen so unbewusst eine Trennung herbei."

Eine gewisse Unzufriedenheit mit sich selbst innerhalb der Beziehung ist also häufig. "Dann kommen Faktoren hinzu, die einen Seitensprung begünstigen: Unbefriedigte sexuelle Bedürfnisse, Alkohol, ein großer Streit", sagt Julia. "Das sind aber normalerweise nicht die Ursachen", so die Therapeutin abschließend, "sondern nur das berühmte Öl ins Feuer."

Elon Musk greift auf Twitter öffentlich Apple an – mit diffuser Begründung

Seit der Twitter-Übernahme durch Elon Musk haben sich auf der Plattform einige Dinge geändert. Denn der neue Chef hat so seine eigenen Vorstellungen: Aus seiner Sicht hat Twitter in den vergangenen Jahren etwa zu sehr die Redefreiheit eingeschränkt.

Zur Story