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Enttäuschung lässt sich schlecht verbergen, aber sollte man sie rauslassen?Bild: pexels / Tima Miroshnichenko
Fragen der Liebe

Enttäuscht über das Weihnachts-Geschenk: Ist es unhöflich, sich zu beschweren?

25.12.2022, 12:59

Das Weihnachtsfest ist ein emotionales Minenfeld. Da ist der Stress in der Adventszeit, die seltsame Herzensschwere in der Kirche, die Vorfreude unter dem Weihnachtsbaum und dann – das lange Gesicht nach dem Aufreißen des Geschenkpapiers. Die Problematik beim Schenken gilt für Paare vielleicht noch mehr als für Freunde und Verwandte.

Denn manchmal fühlt sich das erhaltene Präsent einfach nur falsch an. Beliebig, unpassend oder im schlimmsten Fall sogar beleidigend. Wie reagiert man da am besten? Sollte man Freude vortäuschen über das eklige Parfüm, das man vom Partner bekommen hat, und es das ganze nächste Jahr Nase rümpfend auftragen? Oder lieber die Wahrheit sagen und damit unter Umständen die Stimmung versauen?

"Wenn ich (...) merke, dass sich der Andere nicht angemessen freut, bin ich verletzt."
Therapeutin Vera Matt

Wir haben darüber mit Vera Matt gesprochen. Sie ist Paartherapeutin, betreibt eine psychotherapeutische Praxis in Brandenburg und sagt: "Schenken ist dünnes Eis."

Paartherapeutin Vera Matt
Therapeutin Vera MattBild: privat / Julia Hopka

"Wir messen unseren persönlichen Wert in der Liebe und Sorgfalt, mit dem der Andere uns zuhört und sich uns zuwendet", erläutert die Therapeutin dazu. "Ein gutes Geschenk zeigt, dass mir zugehört wurde, dass ich gesehen werde. Deshalb ist ein unpassendes Geschenk im Gegensatz dazu für manche so verletzend."

Es sei aber nicht nur der Beschenkte, der eine gewisse Erwartungshaltung habe, gibt sie zu Bedenken.

"Umgekehrt ist es ganz ähnlich: Wenn ich mir Gedanken gemacht oder sehr viel Geld für ein Geschenk ausgegeben habe und dann merke, dass sich der Andere nicht angemessen freut, bin ich verletzt. Frei nach dem Motto: Der soll sich gefälligst richtig freuen. Sieht der nicht, welche Mühe ich mir gegeben habe?"

Warum die Wahrheit verletzen kann

Schön ist es zwar nicht, einem lieben Menschen zu sagen, dass er voll daneben lag, Vera Matt würde dennoch zu Ehrlichkeit untereinander raten, statt sich aus reiner Verlegenheit mit einem missglückten Geschenk im Haushalt herumzuplagen. Das Gegenüber würde "die Enttäuschung in den meisten Fällen sowieso spüren, egal, wie sehr man es verbirgt", erklärt sie.

Als Therapeutin sei sie "eine Freundin von Wahrheit". In ihrer eigenen Familie gäbe es daher ebenfalls klare Worte, allerdings gehe auch das manchmal nach hinten los, berichtet sie aus persönlicher Erfahrung.

"Meine Schwiegermutter hat mir mal einen Pullover geschenkt, der zwar optisch ein Volltreffer war, aber leider aus Synthetikmaterial und das trage ich nicht", erinnert sie sich. "Das habe ich ihr auch gesagt. Sie war über diese Abweisung sehr verletzt, da sie wochenlang nach dem perfekten Muster gesucht hatte. Im Nachhinein tat es mir leid, dass ich das nicht besser formuliert hab."

"Ehrlich, aber nicht mit dem Holzhammer."
Therapeutin Vera Matt

Um Gefühle nicht zu verletzen, lohnt es sich also, genau hinzuschauen: Wie stehe ich zu dieser Person? Wie viel Mühe steckt in dem Geschenk? Kann sie umgehen mit einem spontanen "Boah, ist das hässlich. Kann man das noch umtauschen?!"

Wenn nicht, ist es ratsam, den ungefilterten Initial-Schreck nicht auszusprechen, sondern zuerst die Mühe und Liebe dahinter anzuerkennen, bevor man sagt, dass es trotzdem leider nicht passt. "Ehrlich, aber nicht mit dem Holzhammer", fasst Vera Matt die perfekte Absage zusammen.

Lügen ist auch keine Lösung

Irgendetwas sagen solle man aber schon, findet die Therapeutin. Denn so zu tun, als sei das Geschenk wunderbar und es dann heimlich im Schrank verschwinden zu lassen, fühlt sich ebenfalls ungelenk an. Sie spricht auch hier aus eigener Erfahrung:

"Ich habe einmal dem Freund meiner Tochter einen Pullover gekauft, den er unbedingt haben wollte. Leider in einer zu kleinen Größe. Er hat sich da trotzdem reingepresst, gestrahlt und sich bedankt, dabei sah er eindeutig aus wie eine Presswurst (lacht). Ich musste ihm den Pulli wirklich wieder wegnehmen, denn von sich aus hätte er nichts gesagt, er war einfach zu höflich. Dabei ist es ja kein Problem, eine Nummer größer zu besorgen."

Schlaue Schenker heben die Quittung auf

Am einfachsten wird die Bescherung dann, wenn der Schenker signalisiert, dass er eine Ablehnung nicht persönlich nehmen wird. "Jeder, der Geschenke aussucht, muss auch damit rechnen, dass es mal danebengeht. Das ist nicht schlimm", erinnert Vera Matt, "Wer sich von der Erwartung freimachen kann, immer einen Treffer zu landen, reagiert entspannter und lacht vielleicht auch über einen Fehlgriff." Das lockert eine angespannte Situation gleich wieder auf.

Einige Leute gehen auch offensiv mit dem Risiko um. Es sei zum Beispiel absolut legitim schon beim Überreichen zu sagen: "Ich war mir nicht ganz sicher und wenn es dir nicht gefällt, habe ich die Quittung dabei. Dann tausch es gerne um", findet Vera Matt, "damit nimmt man eine Menge Druck."

Manches Geschenk wächst einem verspätet ans Herz

Abschließend lohnt sich manchmal auch ein zweiter Blick auf die Geschenke, die vermeintlich gar nicht zu einem passen. Denn so manch ungeliebtes Präsent kann über die Jahre zu einem absoluten Lieblingsteil avancieren.

"Bei manchen Geschenken erschließt sich der Wert und die Freude daran tatsächlich erst Jahre später", sagt die Therapeutin, die selbst einst einen Rucksack bekam, den sie zuerst verschmähte und nun unheimlich gerne trägt.

"Manches wirkt erst einmal fremd und man muss es sich zu eigen machen."
Therapeutin Vera Matt

"Manchmal ist man vielleicht einfach noch nicht selbst auf die Idee gekommen, dass dieses oder jenes einem gefallen könnte", so Vera Matt. "Manches wirkt erst einmal fremd und man muss es sich zu eigen machen." Das kann ein Buch sein, das man sich selbst nie gekauft hätte, ein petrolfarbener Schal, der einem unerwartet gut steht oder eine Trinkflasche für den Sport, die plötzlich unverzichtbar scheint.

Es sei doch "eigentlich schön", wenn jemand so vorausschauend erahnen kann, was man sich wünscht, ohne dass man selbst es wusste, sagt Vera Matt. Und wenn das Geschenk wirklich ein Flop war und bleibt? Dann hilft wohl nur umtauschen, umgestalten oder die Königskunst der weihnachtlichen Zwischenmenschlichkeit: Gemeinsam über das Missgeschick lachen.

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