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Fragen der Liebe

Dating und Liebe: Wie findet man den perfekten Partner als Single?

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Wie schön es doch wäre, niemals mehr an der Partner:innenwahl zu zweifeln. Bild: pexels / Anete Lusina
Fragen der Liebe

Das perfekte Match: Gibt es Liebe auf den ersten Blick?

07.04.2024, 09:30
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"Wenn du den Richtigen findest, dann weißt du es einfach!", "Mit ihr war es Liebe auf den ersten Blick.", "Es hat einfach sofort gepasst." – Wir alle hoffen auf eine Beziehung, die so schicksalshaft startet und ab diesem Moment mühelos romantisch dahin plätschert.

Doch: Wo ist dieses perfekte Match zu finden? Gibt es das überhaupt? Manch ein Single sucht seit vielen Jahren nach der oder dem Seelenverwandten und datet sich von einer Enttäuschung in die Nächste, weil sich doch immer wieder Mankos zeigen. Sei es die BVB-Bettwäsche, ein Mangel an Sportbegeisterung oder ein unsensibler Kommentar.

"Es ist eine Illusion unserer Zeit, dass man nur lange genug swipen muss, bis man sein perfektes Match findet."
Psychologin Pia Kabitzsch

Wir haben Pia Kabitzsch dazu befragt. Die Psychologin begeistert sich für alle Dating-Themen und spricht darüber auch in ihrem Tinder-Podcast "Besser Daten".

Beim Thema Liebe auf den ersten Blick, perfektes Match oder die Suche nach "dem oder der Einen" wird sie deutlich. Sie sagt: "Es ist eine Illusion unserer Zeit, dass man nur lange genug swipen muss, bis man sein perfektes Match findet. So funktioniert Liebe nicht."

Autsch! Und um dem Herunterreißen der rosaroten Brille noch etwas hinzuzufügen, ergänzt sie: "Es gibt diesen Spruch: 'Soulmates are made, not found.' Genauso ist es."

"Es geht nicht darum, einen Menschen zu finden, der bereits perfekt zu dir passt."
Psychologin Pia Kabitzsch

Seelenverwandtschaft findet man nicht, man erschafft sie

Demnach ist es Zeitverschwendung, solange herum zu daten, bis man "The One" findet. Partnerschaften basieren viel eher auf der beherzten Entscheidung zweier unperfekter Personen füreinander als einem Blitzschlag.

Das heißt nicht, dass jede x-beliebige Person sich dafür eignet, aber der Wunsch, dass das Gegenüber einen direkt umhaut, sei zu hoch angesetzt.

"Bei Menschen, die auf den perfekten Partner warten, sehe ich schon kommen, wie sie noch mit 40 Jahren allein dasitzen und swipen."
Psychologin Pia Kabitzsch

"Es sollte beim Onlinedating und Dating darum gehen, einen Menschen zu finden, mit dem du gerne Zeit verbringst, mit dem du gerne mehr machen möchtest", erklärt die Dating-Expertin. "Es geht nicht darum, einen Menschen zu finden, der bereits perfekt zu dir passt."

Genau dieses Ideal stünde Singles zu oft im Weg, wie Pia ausführt:

"Es ist unrealistisch, dass die Leben zweier Menschen, die sich gerade erst kennenlernen, von ganz allein perfekt ineinandergreifen. Das ist eine irreführende Hoffnung, der viele aufsitzen, nach dem Motto: 'Ich lasse mich auf nichts ein, wenn es nicht zu 100 Prozent passt.'"

Das Thema liegt ihr auch deshalb am Herzen, weil sie Dauersingles das lebenslange Warten inklusive Enttäuschung ersparen möchte.

"Bei Menschen, die auf den perfekten Partner warten, sehe ich schon kommen, wie sie noch mit 40 Jahren allein dasitzen und swipen, deshalb stört mich diese Erzählung der einzig wahren Liebe so sehr", erklärt Pia.

"The One" gibt es nicht und Liebe auf den ersten Blick ist eine Lüge

Unsere romantischen Vorstellungen von einem allwissenden Blick beim Kennenlernen, einem mühelosen ersten Date, erstem Sex, dem Zusammenziehen unter glücklichem Gekicher – das alles hat Hollywood zu verantworten.

Unsere Art der Liebessuche verschlimmert es jedoch noch zusätzlich, wie Pia erklärt. "Onlinedating macht es leicht, beim ersten Fehler zu denken: 'Nächster, bitte.'" Anstatt sich ein viertes, fünftes Mal zu treffen, um vielleicht "neue, coole Schichten des Anderen kennenzulernen", suche man nach einer Person, die noch besser passe.

Doch, Spoiler-Alarm: Perfekte Menschen gibt es nicht. Auch nicht in der Liebe. Im Grunde wissen wir das und wünschen uns selbst eine Person, die uns mit Fehlern akzeptiert. Es wäre doch nur fair, diese Akzeptanz zurückzugeben. Fair und auch vernünftig, wenn man der Psychologin glaubt.

"Mir wird jedes Mal fast übel, wenn ich höre: 'Wenn 'The One' vor dir steht, dann weißt du es.'"
Psychologin Pia Kabitzsch

"Die Wahrheit ist: Es werden immer Reibungspunkte zwischen zwei Menschen da sein", sagt sie. Paare, die gemeinsam erwachsen werden, alt werden, umziehen, Kinder bekommen, Trauerfälle oder Krankheiten erleben, müssen sich immer wieder justieren. Streit und unterschiedliche Bedürfnisse sind langfristig unvermeidbar.

Oder wie Pia es sagt: "Selbst wenn jemand zum Zeitpunkt des Kennenlernens als perfektes Match erscheint, kann es sein, dass er sich im Laufe der Jahre wandelt. Menschen sind ja nicht statisch."

Wer auf einen perfekten Menschen wartet, wird Single bleiben

"Mir wird jedes Mal fast übel, wenn ich höre: 'Wenn 'The One' vor dir steht, dann weißt du es'", gibt sie zu. Kein Bauchgefühl und kein Schmetterling der Welt wären so verlässlich. Man könne "höchstens wissen, ob es Anziehung gibt oder nicht".

Mit Glück lässt sich diese sexuelle Anziehung in eine emotionale Bindung übersetzen, die sogar im Alltag gut passt. Aber: "Es gibt keine Liebe auf den ersten Blick", sagt die Psychologin und erklärt, warum sie da so deutlich wird.

"Ich finde es schlimm, wenn die Vorstellung verbreitet wird, dass man einfach nur weiter daten muss, bis man dem Menschen begegnet, bei dem man es direkt spürt. Das ist der größte Bullshit ever."

Noch schlimmer. Das ist "Bullshit", der Menschen einsam mache. Denn er führe dazu "dass viele Singles, die es eben nicht eindeutig fühlen, Menschen aussortieren, mit denen sie toll zusammengepasst hätten, oder mit denen sie es passend hätten machen können", weiß Pia.

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Das Märchen vom perfekten Paar

"Aber..." wird dann oft erwidert. Man kenne doch diese und jene Beziehung, bei der es genauso war, wie im Märchen.

"Natürlich gibt es diese Paare, die ihre 'Liebe-auf-den-ersten-Blick'-Geschichte im Nachhinein gerne erzählen", ordnet die Psychologin diese Erzählungen ein. "Das ist aber oft romantisch verklärt und führt zu dieser Verzerrung, dass Singles meinen, alle, die heute zusammenleben, wussten es direkt zu Beginn." Ihr Fazit? "Das ist Quatsch."

"Was es tatsächlich gibt, ist die bekannte rosarote Brille, ein kleiner Trick der Natur, der einen gerade zu Beginn einer Bindung über die Makel des Gegenübers hinwegsehen lässt", gibt sie zu Bedenken. Dadurch sehen Verliebte ihr Date als geradezu perfekt. Die Psychologin:

"Das ist vielleicht der Grund, warum viele im Nachhinein meinen, es hätte schon zu Beginn ganz toll gepasst..."

In Wirklichkeit haben auch perfekt scheinende Paare ab und an mit Streitereien und Uneinigkeiten zu kämpfen, finden sich mal gegenseitig langweilig, vielleicht sogar nervtötend.

Ein Mensch, der einen von Anfang an mühelos umhaut und in einen Verliebtheitszustand versetzt, der bis zum Lebensende anhält, existiert nicht. Pia Kabitzsch mahnt ein letztes Mal: "Das ist ein unerreichbares Ideal, auf das man vergeblich warten wird."

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