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Antikörper lassen sich etwa zwei bis drei Wochen nach Krankheitsbeginn nachweisen. (Symbolbild) Bild: iStockphoto / Eugeneonline

Nach Corona-Erkrankung: Warum Antikörper verschwinden und du trotzdem immun sein könntest

So schnell die Forschung zum Coronavirus und der davon ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 voranschreitet, so unklar sind uns wichtige Details zu Ansteckung, Krankheitsverlauf und Immunität noch. Gerade letzteres scheint Wissenschaftlern noch immer Rätsel aufzugeben – denn wer an Covid-19 erkrankt ist, produziert zwar Antikörper gegen das Virus. Allerdings nur eine Zeitlang. Heißt das, man ist nach einer Erkrankung doch nicht dauerhaft immun?

Beim ZDF beschreibt der Journalist Oliver Klein, dass er im März an Corona erkrankt sei und daraufhin Antikörper gebildet hätte. Diese hatte er vier Wochen nach seiner Erkrankung durch einen Antikörpertest beim Arzt nachweisen lassen.

Fünf Monate später ließ Klein erneut einen Test machen: "Ein weiterer Test, den ich aus Neugier bei meinem Hausarzt durchführen ließ, fiel negativ aus", berichtet Klein. "Als hätte ich Covid nie gehabt."

Antikörper verschwinden nach einer Weile

Der Antikörpertest kann eine akute Infektion nicht nachweisen, sondern zeigt, ob sich Immunglobulin A (IgA) oder Immunglobulin G (IgG) im Blut befindet. Das sind Untergruppen von Antikörpern, die sich etwa zwei beziehungsweise drei Wochen nach Erkrankungsbeginn im Körper bilden. IgG ließen sich in der Regel sehr lange im Blut nachweisen, sagt Oliver Nolte, Leiter der Mikrobiologie am Zentrum für Labormedizin (ZLM) in St. Gallen gegenüber "ZDFheute". Deswegen sei es überraschend, dass Kleins Test keine Antikörper mehr beinhaltet – allerdings auch nicht völlig unüblich:

"Gleichwohl haben wir ähnliche Ergebnisse wie in Ihrem Fall auch in unserer Studie beobachtet: Dass Antikörper nach Sars-CoV-Infektionen nach wenigen Wochen wieder zurückgehen."

Nachdem die Forscher des ZLM das Blut von 159 Patienten untersucht haben, konnten sie beobachten, dass die Konzentration des IgG sich nach zehn Wochen etwa halbiert hat.

Eine Studie aus Island wiederum zeigt, dass Antikörper deutlich länger nachgewiesen konnten. Möglicherweise habe das allerdings mit demografischen Gründen zu tun, meint der Mikrobiologe Nolte.

Der Körper verfügt über ein "Immungedächtnis"

Gleichzeitig erklärt Nolte, Antikörper seien nicht die einzige Antwort des Abwehrsystems: Der Körper reagiert auf eine erneute Ansteckung mit dem Virus also nicht nur mit Antikörpern, die es bekämpfen, sondern über eine Art "Immungedächtnis". Die Zellen erinnern sich quasi an die bereits überstandene Krankheit und produzieren dann neue Antikörper. Das hat auch Virologe Christian Drosten in seinem NDR-Podcast "Coronavirus-Update" Anfang September erklärt:

"Sobald der Patient wieder Kontakt mit dem Virus hat, springt das Immungedächtnis sofort wieder an und es ist sofort wieder der Antikörper da. Also schneller im Prinzip, als sich das Virus überhaupt im Körper verbreiten kann."

Bekannte Fälle von Reinfektionen gibt es übrigens kaum. Ende August wurde beispielsweise bekannt, dass ein 33-jähriger Mann aus Hongkong sich nach überstandener Krankheit noch einmal mit Sars-Cov-2 angesteckt hatte. Allerdings zeigte er bei seiner zweiten Ansteckung keine Symptome und es schien sich um zwei verschiedene Coronavirus-Typen zu handeln, mit denen er sich infiziert hatte. Denn auch von Sars-Cov-2 gibt es mittlerweile leichte Mutationen, die in unterschiedlichen Regionen der Welt vorherrschen.

Genaue Aussagen über Antikörper und wiederholte Ansteckung mit Corona lassen sich also bisweilen noch nicht treffen. Angesichts der Tatsache, dass der Körper sich eben nicht nur mit Antikörpern gegen Krankheit schützt und bisher nur sehr wenige Fälle weltweit bekannt geworden sind, bei denen sich Menschen zweimal angesteckt haben, kann man vermutlich aber davon ausgehen, dass man nach einer Infektion immun ist.

(ak)

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