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Der geht noch – oder? Bild: gettyimages

ZDF-Report zeigt, wo Lebensmittelkontrollen scheitern

Im vergangenen Jahr rief der hessische Wursthersteller Wilke mehrere Tonnen Wurst und Fleisch zurück. Grund waren gefährliche Bakterien wie etwa Listerien. In großen Mengen können sie bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem zu tödlichen Erkrankungen führen. Und so sollte es auch kommen: Drei Menschen starben im Zuge des Wilke-Skandals.

Bei Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Arbeitsräume der Fleischerei stark verdreckt waren. Schimmel klebte an den Decken und Böden, in den Kühllagern lag Mäusekot und an manchen Ecken roch es nach Verwesung. Grund waren versäumte Kontrollen seitens staatlicher Behörden sowie ausbleibende Hygieneschulungen für die Mitarbeiter.

Leider war das nur einer von vielen Lebensmittelskandalen in Deutschland. Viele bleiben jedoch unerkannt. Die aktuelle Folge "ZDFzoom" zeigt, wie schwer es ist, Lebensmittelvergiftungen zurückzuverfolgen und wo Kontrollinstanzen schwächeln.

Oft werden die Ursachen zu spät entdeckt

Um festzustellen, woher Bakterien wie Listerien oder auch Salmonellen stammen, sind oft mehrere Monate Arbeit nötig. Beim Wilke-Skandal dauerte es rund 14 Monate, um vom ersten Erkrankten auf den Wursthersteller zu schließen. Weil die Rückverfolgung so komplex ist, kommen einige Konzerne problemlos davon - und Menschen erkranken weiterhin.

"Jährlich erleiden geschätzt 100.000 Menschen in Deutschland eine Vergiftung durch kontaminierte Lebensmittel. Salmonellen- sowie Listerien-Infektionen tauchen dabei besonders häufig auf", sagt der Epidemiologe Hendrik Wilking dem ZDF. Bei einem Teil dieser Infektionen kommt es zu schweren Infektionen, die über Magenbeschwerden und Durchfall hinausgehen.

Was die Ursachensuche erschwert, ist das Risiko, den falschen zu beschuldigen, erläutert Wilking. Tritt ein Fall auf, müssen Zusammenhänge erschlossen werden, sprich, wo und was Erkrankte aßen und ob solche Fälle deutschlandweit oder nur in bestimmten Regionen auftauchen.

Was bei der Lebensmittelüberwachung schief läuft

Abstriche und Farbtests helfen Lebensmittelproduzenten Bakterien in ihren Produkten nachzuweisen. Da allerdings alles sauber sein muss bevor das Gesundheitsamt kommt, müssen Hersteller wie Wilke die Kosten für derlei Tests selbst tragen.

Für Unternehmen, die großen Mengen produzieren, ist das kein Problem. Sie können die Kosten mit ihren Einnahmen ausgleichen – allerdings habe Wilke in diesem Punkt gespart, heißt es in dem Report. Kleinere Anbieter haben es hingegen schwerer.

Qualitätssigel sollen zudem den Eindruck eines hygienischen Betriebs suggerieren. Doch die werden kritisch betrachtet. Wilke hatte etwa eines für Qualität von IFS-Management bekommen. Zwar gab es keine Bestnote, aber laut IFS wurden zumindest die Mindeststandards erfüllt. Dass mehrere Chargen belastetes Fleisch im Umlauf kamen, hat es nicht verhindert.

Bei den staatlichen Hygienekontrollen ist vor allem das Problem, dass die Kontrollgremien meist unterbesetzt sind, heißt es in der Dokumentation. Viele Restaurants und Supermärkte werden deshalb nicht geprüft. Weiter heißt es, dass bundesweit etwa jede dritte Kontrolle ausfällt.

Supermärkte machen Rückrufe nur bedingt sichtbar

Die Verantwortung für Rückrufe liegt bei den Unternehmen. Es gibt zwei verschiedene Arten, ein Produkt zurückzurufen: Wenn ein Produkt noch nicht beim Konsumenten gelandet ist, spricht man von einem stillen Rückruf.

Öffentlich gemacht werden muss ein Rückruf erst, wenn ein Konsument ein Produkt bereits gekauft hat. Wie genau die Verbraucher informiert werden sollen, ist gesetzlich nicht geregelt.

Zahl der Rückrufe hat in den letzten Jahren stark zugenommen

In der ZDF-Doku zeigt sich, dass einige Supermärkte lediglich DIN A4-Zettel aufhängen, um Verbraucher zu informieren. Die sind dann meist mit Infos überladen und oft unübersichtlich. Portale wie Lebensmittelwarnung.de sollen da helfen. Viele zurückgerufene Produkte werden dort aufgelistet.

Die Zahl der Rückrufe hat sich in den letzten vier Jahren fast verdoppelt. 2015 waren es noch 100 Produkte und 2019 bereits 198. Am häufigsten ist Fleisch betroffen. Wie hoch die Dunkelziffer ausfällt, ist eine andere Geschichte.

(tkr)

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