K
Ein bewaffneter Mann eröffnete am Sonntag das Feuer in dem belebten Einkaufszentrum in der dänischen Hauptstadt und tötete einige Menschen und verletzte einige andere schwer, so die Polizei.Bild: www.imago-images.de / IMAGO/Andreas Hillergren

Blutbad in Kopenhagen: Mutmaßlicher Täter lockte Menschen offenbar in die Falle

04.07.2022, 07:5004.07.2022, 18:53

Kein terroristisches Motiv, sondern psychische Probleme haben einen 22-jährigen Dänen offenbar dazu getrieben, in einem Kopenhagener Einkaufszentrum drei Menschen zu erschießen und zahlreiche weitere zu verletzen. Der Täter sei den "psychiatrischen Diensten bekannt", sagte Kopenhagens Polizeichef Sören Thomassen am Montag. Der 22-Jährige hatte vor der Tat Videos veröffentlicht, in denen er Suizid mit einer Waffe nachahmte.

Täter sprach offenbar von Psychopharmaka, die "nicht wirken"

Nach derzeitigem Ermittlungsstand deute nichts auf einen "Terrorakt" hin, sagte Polizeichef Thomassen. Der Tatverdächtige sei in der Vergangenheit durch psychische Probleme aufgefallen. Zunächst hatte die Polizei einen Terrorakt nicht ausgeschlossen.

Der 22-Jährige müsse in einer geschlossenen psychiatrischen Station untergebracht werden, informierte die Kopenhagener Polizei am Montag über die Gerichtsentscheidung. An der vorangegangenen knapp zweistündigen Anhörung hatte demnach auch der Beschuldigte teilgenommen.

Polizeichefinspektor Søren Thomassen klärte über den aktuellen Ermittlungsstand auf.
Polizeichefinspektor Søren Thomassen klärte über den aktuellen Ermittlungsstand auf.Bild: www.imago-images.de / IMAGO/Andreas Hillergren

In seiner Befragung gab der 22-Jährige laut Polizei zu, während des Schusswaffenangriffs in dem Einkaufszentrum gewesen zu sein. Die Ermittler nahmen mehrere Durchsuchungen vor.

Videos des Verdächtigen, die seit Sonntagabend im Netz kursierten, stuften die Ermittler als authentisch ein. Darin posiert der junge Mann mit Waffen, ahmt Selbstmordgesten nach und spricht von Psychopharmaka, "die nicht wirken". Dänischen Medien zufolge hatte der 22-Jährige die Videos am Freitag veröffentlicht. Die Youtube- und Instagram-Konten, die dem Tatverdächtigen gehören sollen, wurden in der Nacht zum Montag gesperrt.

Die Polizei untersucht den Tatort am Tag nach der Schießerei.
Die Polizei untersucht den Tatort am Tag nach der Schießerei.Bild: Ritzau Scanpix Foto/AP / Mads Claus Rasmussen

Mutmaßlicher Täter wird beschuldigt, drei Menschen getötet zu haben

Der Täter hatte am späten Sonntagnachmittag im Einkaufszentrum Fields, das zwischen der Stadtmitte und dem Flughafen von Kopenhagen liegt, das Feuer eröffnet. Er hatte demnach ein Gewehr, eine Pistole und ein Messer bei sich, obwohl er keine Genehmigung für das Tragen von Waffen hatte. Gegen 17.50 Uhr, etwa eine Viertelstunde nach Eingehen der ersten Notrufe, ließ sich der Schütze widerstandslos festnehmen.

Zuvor hatte er nach Polizeiangaben drei Menschen getötet: einen in Dänemark wohnenden 47-jährigen Russen sowie eine Jugendliche und einen Jugendlichen aus Dänemark im Alter von 17 Jahren. Das unterschiedliche Alter und Geschlecht der Opfer weise darauf hin, dass der Schütze seine Opfer zufällig ausgewählt habe. Die Ermittler gehen davon aus, dass der junge Mann allein handelte.

Einige Zeugen sagten, der Mann habe Menschen in die Falle zu locken versucht, indem er ihnen beispielsweise gesagt habe, seine Waffe sei nicht echt. Nach den Schüssen brach unter den Besuchern des Einkaufszentrums Panik aus, sie flohen ins Freie oder versteckten sich.

Panik nach den ersten Schüssen

Bei dem Angriff wurden 30 Menschen verletzt. Vier von ihnen befanden sich am Montag laut Polizei weiter in einem ernsten Zustand: zwei Däninnen im Alter von 19 und 40 Jahren sowie zwei Schweden – ein 50-jähriger Mann und eine 16-jährige Jugendliche. 23 Menschen trugen nur leichte körperliche Verletzungen bei der Panik davon.

Menschen verlassen das Einkaufszentrum Field's in Kopenhagen, Dänemark. Ein bewaffneter Mann eröffnete am Sonntag das Feuer in dem belebten Einkaufszentrum.
Menschen verlassen das Einkaufszentrum Field's in Kopenhagen, Dänemark. Ein bewaffneter Mann eröffnete am Sonntag das Feuer in dem belebten Einkaufszentrum.Bild: Ritzau Scanpix Foto via AP / Olafur Steinar Rye Gestsson

Viele Besucher des Fields-Zentrums waren wegen eines Konzerts des britischen Sängers Harry Styles in die Gegend gekommen, das am Abend in der nahegelegenen Königlichen Arena stattfinden sollte. Das Konzert mit 13.500 Zuschauern blieb nach dem Schusswaffenvorfall zunächst weiter angesetzt, wurde dann aber nach Kritik abgesagt.

Erschütterung nach dem Blutbad

"Wir haben zuerst gedacht, die Menschen rennen, weil sie Harry Styles gesichtet haben", sagte eine Besucherin. "Dann haben wir kapiert, dass die Leute in Panik waren (...) Wir sind um unser Leben gerannt."

Copenhagen shootings. File photo dated 14/02/2020 of Harry Styles who said he was "heartbroken" and "devastated" after his concert in Copenhagen was cancelled following a fatal sho ...
Zuerst dachten einige Menschen offenbar, dass andere rennen, weil sie Harry Styles gesichtet hätten.Bild: PA Wire / David Mirzoeff

Styles selber zeigte sich "schockiert" über die Bluttat. "Mein Team und ich beten für jeden, der die Schüsse in dem Kopenhagener Einkaufszentrum miterlebt hat", erklärte der Sänger im Snapchat-Netzwerk. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen erklärte, das "üblicherweise so sichere" Kopenhagen sei "innerhalb von einer Sekunde" Schauplatz einer "grausamen" Tat geworden.

Auch die Bundesregierung reagierte erschüttert. "Diese abscheuliche Tat erfüllt uns mit tiefer Trauer um die Opfer", sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin. "Wir trauern mit unseren dänischen Nachbarn und Freunden", hatte zuvor Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) getwittert.

(lgr/dpa)

Themen
Die Twitter-Apokalypse: Was passiert, wenn Elon Musk versagt?

Angenommen, was gar nicht mehr so utopisch ist, alle technischen Angestellten bei Twitter haben keine Lust mehr auf Elon Musks Eskapaden und kündigen. Oder der ganze Laden geht insolvent, davon redet Musk ja ständig.

Zur Story